10.06.2003 · „Deutsche haben in Finanzfragen Bildungsdefizite“, hieß es jüngst. Der „Finanzcoach für Spitzenverdiener“ von Tom Fries und Michael Huber könnte helfen. Leser können bei der Lektüre etwas dazulernen.
Finanzplanung - für viele Privatpersonen ist das Wort ein Fremdwort. Sie gehen ihr Leben lang arbeiten und schauen in der Regel, daß sie nicht mehr ausgeben, als sie verdienen. Möglicherweise legen sie sich zur Sicherheit auch noch ein paar Liquiditätsreserven auf das Sparbuch, überweisen monatlich einen festen Betrag für eine Kapitallebensversicherung oder zahlen die Raten für ein langfristig finanziertes Häuschen im Grünen oder für eine Eigentumswohnung. Als Alterssicherung, damit sie später keine Miete mehr bezahlen müssen und damit finanziell etwas entlastet sind.
Unter Umständen sind sie dazu sogar von Hochglanzprospekten und schönen Werbefilmchen verführt worden, die entweder gigantische Steuervorteile versprechen oder die suggerieren, "mein Haus, mein Auto, mein Boot" seien mit etwas Geduld für jeden ohne weiteres machbar. So oder so ähnlich dürfte die Grundeinstellung vieler Deutscher sein. Wohl eher selten dürften sie hinterfragen, ob das, was sie machen, auch sinnvoll ist und zu dem führt, was sie erwarten. Oder ob es dabei latente Risiken und vielleicht sogar bessere Varianten gibt.
Fachkundige Beratung kann intuitive Ansichten ändern
Wenn sie sich fachkundig beraten lassen würden, könnten sie unter Umständen zu erstaunlichen Erkenntnissen gelangen. Tom Friess und Michael Huber vom VermögensZentrum München haben in ihrem Buch "Finanzcoach für Spitzenverdiener" (ISBN 3-8323-0901-2) wichtige Aspekte der Vermögens- und Finanzplanung näher unter die Lupe genommen und zeigen anhand plastischer Beispiele, wo die Knackpunkte liegen. Sie kommen teilweise zu verblüffenden Ergebnissen, die nicht nur für Spitzenverdiener interessant sein dürften.
Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Kauf von Immobilien. Sie werden häufig im Zusammenhang mit Steuersparmöglichkeiten genannt und das dürfte dazu führen, daß sie in Deutschland der mit Abstand beliebteste Vermögenswert sind. Dabei sind Steuern immer nur eine Komponente und sollten nicht der ausschlaggebende Grund für eine Kaufentscheidung sein. Denn dafür sind die damit verbundenen Risiken zu hoch.
Hohe Risiken bei Steuersparmodellen
Oder in Zusammenhang mit Steuersparmodellen in Form geschlossener Fonds. Der Absatz in Deutschland boomt, obwohl diese Produkte zum nicht regulierten Grauen Kapitalmarkt gehören und neben hohen Kosten auch besondere Risiken beinhalten. Das erste Risiko besteht in der Bonität der Vertragspartner: Ist der Generalunternehmer, der etwa eine Immobilie gebaut hat, finanziell solide? Steckt hinter einem Medienfonds mehr als nur heiße Luft? Ist die Leasinggesellschaft eine seriöse Adresse?
Das zweite Risiko ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Beteiligung: Entspricht der Kaufpreise einer Immobilie dem Marktniveau oder ist er überhöht? Das Gleiche gilt für das unterstellte Mietniveau. Gibt es Mietgarantien, von wem mit welcher Bonität und für welche Zeit? Ist der veranschlagte Veräußerungspreis in zehn oder 20 Jahren bei der Lage des Objektes und bei der denkbaren Entwicklung der Region realistisch?
Als letztes Risiko ist die steuerliche Akzeptanz zu nennen. Denn wenn ein Projekt sich offensichtlich nicht rentieren kann, dann glaubt das Finanzamt, es könnte allein aus Steuergründen initiiert worden sein und verweigert die steuerliche Anerkennung.
Breites Spektrum wesentlicher Themen
Neben diesen Einzelbeispielen gehen die Autoren auf die wichtigsten Fragen ein, also die Absicherung finanzieller Risiken, das Steuern sparen, den Vermögensaufbau, das Vermögensmanagement, Fragen im Zusammenhang mit Immobilien, kapitalbildenden Versicherungen und Wertpapieren, und fügen ein paar Praxisbeispiele an und vergessen nicht, auf Fallstricke bei der Umsetzung hinzuweisen. Insgesamt handelt es sich um ein Buch, das sicher nicht nur für absolute Spitzenverdiener interessant sein dürfte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |