02.08.2007 · Auf die sich verschärfende Liquiditätskrise am Markt für Kreditverbriefungen hat Union Investment drastisch reagiert: Sie nimmt nach Informationen der F.A.Z. keine Anteile mehr an dem eine Milliarde Euro schweren Fonds ABS-Invest zurück. Von Steffen Uttich.
Von Steffen UttichAuf die sich verschärfende Liquiditätskrise am Markt für Kreditverbriefungen hat die drittgrößte deutsche Fondsgesellschaft Union Investment mit einem drastischen Schritt reagiert. Wie erst jetzt bekannt wurde, nimmt sie seit der vergangenen Woche keine Anteile mehr an dem eine Milliarde Euro schweren Fonds ABS-Invest zurück.
Betroffen sind 200 Großkunden – überwiegend Genossenschaftsbanken und Unternehmen. „Es geht um den Schutz der Anleger“, begründet Union-Geschäftsführer Nikolaus Sillem die Schließung. Ansonsten wäre es zu Zwangsverkäufen von Positionen im Portfolio gekommen, deren Erlös weit unter dem angemessenen Wert gelegen hätte.
Investmentbanken stellen keine Kurse mehr
Die großen Investmentbanken als wichtigster Handelspartner hätten keine Kurse mehr gestellt; gleichzeitig wurden im vergangenen Monat Fondsanteile im Volumen von 100 Millionen Euro zurückgegeben, beschreibt Sillem das Szenario kurz vor der Fondsschließung. Dies war der höchste Abfluss aus dem Fonds seit seinem Bestehen. „Hätten wir nicht reagiert, hätten wir die Krise weiter verschärft.“ Mit Blick auf die offensichtliche Störung von Angebot und Nachfrage hätte deshalb die überwiegende Anzahl der betroffenen Anleger Verständnis gezeigt. Wann Anteile des ABS-Invest wieder zurückgenommen werden, lässt Sillem offen.
Der Union-Fonds wurde vor sechs Jahren aufgelegt und war lange der größte Fonds in Europa mit einem Schwerpunkt auf forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities oder ABS). Der Vertrieb läuft über die Muttergesellschaft DZ-Bank. Im Portfolio sind 200 amerikanische Forderungsverbriefungen zu finden, die überwiegend auf Krediten amerikanischer Unternehmen basieren. Verbriefungen bonitätsschwacher amerikanischer Hypothekenanleihen (Subprime Mortgages) spielen mit einem Anteil von 6 Prozent eine untergeordnete Rolle.
Angesichts einer angestrebten durchschnittlichen Bonität von „BBB“ wurde bewusst ein höheres Risiko in Kauf genommen. Dies schlug sich in den vergangenen Jahren auch in einem attraktiven Aufschlag gegenüber der risikolosen Geldmarktrendite nieder. In den vergangenen zwölf Monaten betrug der Wertzuwachs 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Der ebenfalls Großkunden vorbehaltene ABS-Fonds des Konkurrenten DWS kommt im gleichen Zeitraum nur auf 3,5 Prozent. Dieser hat derzeit allerdings auch nicht mit den Problemen des Union-Pendants zu kämpfen. Im Portfolio befinden sich zum einen ausschließlich europäische Verbriefungen, deren Preisabschläge noch überschaubar sind.
„Das Zauberwort heißt Differenzierung - ABS ist nicht gleich ABS
Zum anderen liegt die durchschnittliche Bonität der enthaltenen Titel höher. Nach Angaben der Fondsmanagerin Antje Lechner ist knapp die Hälfte des Fondsvermögens in „AAA“-Papieren investiert, für die der Markt immer noch relativ liquide sei. „Das Zauberwort heißt Differenzierung – ABS ist nicht gleich ABS.“ Das Angebot an lupenreinen ABS-Fonds ist allerdings noch überschaubar. Neben Union und DWS haben unter anderem noch Frankfurt Trust, Sal. Oppenheim, WestLB Mellon, HSBC, Société Générale, Pioneer, Keppler und Pictet entsprechende Produkte im Programm.
Die Erfahrungen von Union Investment ist eine Folge der Neubewertung am Kreditmarkt, die durch die Subprime-Krise ausgelöst wurde. „Die Neubewertung läuft dabei nach der Formel ab: Gehebelte illiquide Titel müssen einen höheren Abschlag hinnehmen als nicht gehebelte liquide Titel“, kommentiert ein Frankfurter Fondsmanager das Geschehen. Eine Ansteckungsgefahr für andere Union-Investmentfonds bestehe nicht, betont Geschäftsführer Sillem: „Die im ABS-Invest enthaltenen Titel sind in keinem anderem Portfolio unseres Hauses zu finden.“
Dominoeffekt?
Werner Schmidt (banker-schmidt)
- 02.08.2007, 20:26 Uhr
SL
gisbert heimes (gisbert4)
- 03.08.2007, 01:41 Uhr
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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