23.06.2009 · Mit klassischen Rentenfonds ist kaum noch Geld zu machen. So bleibt nur der Rückzug aus dieser Anlageklasse. Oder alternativ der Weg tiefer ins Risiko.
Von Inge KloepferEs geht nicht mehr viel bei den klassischen Rentenfonds - zumindest seit Jahresanfang: Die Entwicklung der Fonds für festverzinsliche Wertpapiere ist im Vergleich zu 2008 regelrecht eingebrochen. Wer als konservativer Anleger in solche Fonds investiert hat, kann momentan gar nicht anders, als buchstäblich die Krise zu kriegen. Die Fonds werfen, wenn überhaupt, derzeit dürftigste Zuwächse ab.
Nach dem guten Rentenjahr 2008 ist das besonders verdrießlich. Denn 2008 war - vor allem wegen der Finanzkrise - das Jahr der Anleihen schlechthin und damit das der Rentenfonds. Ärgerlich ist die derzeitige Entwicklung deshalb, weil in anderen Anlageklassen - wie zum Beispiel Aktien - die Wertzuwächse längst wieder üppig sind, während die Rentenfonds kaum etwas abwerfen.
Was ist los?
Entpuppen sich die vermeintlich sicheren Anlagen nun als Rohrkrepierer, nachdem sie 2008 noch die Gewinner der Finanzmarktkrise waren? Markus Kohlenbach, Leiter internationale Anleihen bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS, erklärt das so: „Im vergangenen Jahr haben vor allem die Staatsanleihen von der Krise profitiert - das war die klassische Flucht der Anleger in Qualität.“ Die Kurse stiegen, die Renditen sanken.
Andere Anleihen, also die von Unternehmen, hatten das Nachsehen. „Doch seit April, Mai oder auch Juni dreht sich das“, sagt Kohlenbach, „der Strom negativer Nachrichten vor allem aus der Finanzbranche ebbt ab.“ Kohlenbach ist sicher: „Den Tiefpunkt der Krise haben wir hinter uns.“
Am Tiefpunkt „war der Markt geprägt von einer Art Weltuntergangsszenario und damit von enormer Vorsicht der Anleger“, sagt auch Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Allianz Global Investors. „Das ging so weit, dass die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen größer waren als 1929. Das heißt, die Ausfallwahrscheinlichkeit auf Seiten der Unternehmen wurde noch höher eingeschätzt als zu Beginn der größten Wirtschaftskrise, die die Welt zuvor gesehen hat.“
Kein Wunder also, dass Sparer alle risikobehafteten Assets mieden und vor allem die klassischen Staatsanleihen bei ihnen hoch im Kurs standen. „Jetzt aber sehen die Leute den ersten Silberstreif am Horizont“, sagt Naumer. Verschiedene Indizes wiesen bereits wieder nach oben, und das Deflationsszenario hat sich aufgelöst.
Es keimt erneut die Gier
„Viele Anleger sind nicht mehr zufrieden, wollen inzwischen wieder mehr Rendite sehen und wagen sich deshalb vor“, sagt Naumer, sie würden risikofreudiger, „und sie haben meiner Meinung nach auch Anlass dazu.“ Genau das spiegelt sich derzeit am Rentenmarkt.
Außerdem drückt auf den Markt für Staatsanleihen noch der Kapitalbedarf des Bundes für die milliardenschweren Konjunkturprogramme. Bereits mehrfach, berichten Marktteilnehmer, sei der Bund nicht in der Lage gewesen, Anleihen vollständig am Markt zu plazieren. Das heißt: Der Staat muss den Anlegern künftig mit höheren Zinsen seine Papiere schmackhaft machen. Wenn aber der Zins steigt, drückt das die Kurse. Dadurch werden konservative Rentenfonds zunehmend unattraktiv. Das bietet nun derzeit zwei Möglichkeiten: Rückzug aus Rentenfonds oder voll ins Risiko.
Wer braucht schon einen Rentenfonds?
Die wirklich Konservativen täten nicht schlecht daran, sich von den Rentenfonds fürs Erste zu verabschieden. Während sich Politiker, Ökonomen und Marktbeobachter über die Szenarien an den Kapitalmärkten noch immer nicht einig sind, möchte mancher Anleger Sicherheit. Der sollte deutsche Staatsanleihen kaufen. Aber dazu braucht er beileibe keinen Fonds, dessen Gebühren die derzeit so spärliche Rendite gleich wieder auffressen. Er kann die Papiere über die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland - die ehemalige Bundesschuldenverwaltung - kostenlos erwerben und verwalten lassen.
Er sollte sein Anleihen-Budget zu gleichen Teilen in Papiere mit Laufzeiten von ein bis zehn Jahren investieren und die alle jeweils bis zur Fälligkeit behalten. Diese Strategie birgt neben einem Höchstmaß an Sicherheit - Kurs- oder Ausfallrisiken gibt es so gut wie nicht - noch andere Vorteile: Jährlich bekommt er Geld zurück, nicht nur durch die Zinsen, sondern auch weil jeweils mindestens eine Anleihe fällig wird und einen sicheren Betrag bringt. Den kann er wieder am langen Ende investieren. Nur: Wer klug ist, wartet noch, bis der Bund wieder deutlich mehr Zinsen bieten wird.
Wer Unternehmensanleihen kauft
Es geht aber auch anders: Denn Rentenfonds ist nicht gleich Rentenfonds. Je nach Risikoneigung reicht die Spanne von Fonds mit Geldmarktprodukten über die mit klassischen Staatsanleihen aus dem Euro-Raum bis hin zu Unternehmensanleihen oder Papieren von aufstrebenden Staaten, die viel riskanter sind.
Wer daran glaubt, dass das Schlimmste überstanden ist, der kann noch mehr Risiko wählen und etwa bei Unternehmensanleihen einsteigen. Die bieten rund zwei Prozentpunkte mehr als die klassischen Staatsanleihen. Dann aber sollte er sein Risiko ordentlich streuen, denn die Wirtschaftskrise dauert noch an und manche Unternehmenspleite könnte noch kommen. Zum Streuen sind Fonds geeignet. Mit Indexfonds (ETFs) können Anleger dabei auch große Teile der Gebühren sparen.
Inge Kloepfer Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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