Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF) sind eine Erfolgsgeschichte. Die Gründe sind einfach dargelegt. Da diese Produkte auf bestimmte Aktien- oder Anleihenindizes laufen, weichen sie bei der Zusammensetzung vom jeweiligen Index nicht ab. Ein Blick in den Index genügt, und der Anleger kennt das Portfolio des entsprechenden ETF. Im Gegensatz zu üblichen, aktiv gemanagten Investmentfonds werden Indexfonds an der Börse fortwährend gepreist und können zu den gewöhnlichen Handelszeiten ge- und verkauft werden. Zudem bieten sie den Vorzug einer unterdurchschnittlichen Verwaltungsgebühr.
Der wichtigste deutsche Anbieter Indexchange hat in den vergangenen Tagen zwei neue Indexfonds aufgelegt: einen auf den Dow Jones US Select Dividend-Index mit den 100 dividendenstärksten amerikanischen Aktien sowie den Fonds „eb.rexx Government Germany 10,5+ ex“, der auf den entsprechenden Rentenindex gemünzt ist. Die zweite Emission ist aus mehreren Gründen interessant. So gibt es bisher keine Derivate auf den Index. Zweitens ist der Indexchange-Fonds konkurrenzlos, da kein Wettbewerber bisher dieses Laufzeit-Segment bei Bundesanleihen abdeckt. Nicht zuletzt schließt Indexchange mit diesem Fonds eine Lücke im Angebot.
Zwei Tage hintereinander keine Umsätze
Der dritte Grund: Der Anbieter kommt zu einem Zeitpunkt mit einem Rentenindexfonds auf den Markt, zu dem die Europäische Zentralbank verstärkt vor Inflationsrisiken warnt und viele Marktteilnehmer sich darüber Gedanken machen, wann die in Frankfurt ansässigen Währungshüter die Leitzinsen erhöhen werden.
Der schwachen Konjunktur geschuldete Spekulationen sind weitestgehend verdrängt - und die Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen ebenso auf dem Rückzug wie der auf langlaufende deutsche Staatstitel gemünzte Terminkontrakt Bund-Future: Betrug die Rendite der Zehnjährigen noch Ende September nur gut drei Prozent, so liegt sie wie in der zweiten Augusthälfte zu Wochenbeginn bei 3,28 Prozent - entsprechend sind die Kurse gefallen. Der Bund-Future hat sich ebenfalls abgeschwächt und tendiert derzeit um 121,30 Prozent, während sein Rekordkurs deutlich jenseits der 124-Prozent-Marke liegt.
Angesichts dessen stellt sich die Frage: Warum kommt Indexchange in diesen Wochen mit einem Langläufer-Fonds heraus? Diese Frage scheinen sich Anleger auch zu stellen - ohne sie positiv beantworten zu können. Wie auf der Homepage des Anbieters abzulesen ist, sind am Freitag und am Montag mit dem „eb.rexx Government Germany 10,5+ ex“ keine (!) Umsätze erzielt worden. Zum Vergleich: Die Umsätze des auf Kurzläufer gemünzten Schwesterprodukts haben sich am Freitag und zu Wochenbeginn auf jeweils mehr (1,5 bis 2,5 Jahre) als 340.000 Euro belaufen.
Mit der Jugendlichkeit des Langläuferprodukts kann die Umsatzschwäche wohl nicht erklärt werden. Denn die Nachfrage nach dem neuen Dividendenfonds ist zwar auch überschaubar - aber es werden dieser Tage merkliche Umsätze erzielt, die sich mit den Zahlen bei seit längerem gehandelten Dividendenindexfonds messen können.
Inflationsdaten verstärken Zinswende-Spekulationen
Nun hat es in den vergangenen zwei Jahren schon mehrfach Stimmen gegeben, die die Zinswende beschworen haben. Indes: Der Markt hat nicht entsprechend reagiert, vielmehr haben Investoren die Zinspapiere immer wieder nach oben gekauft. Wann die Zinswende in Europa kommen wird, steht dahin. Strategen rechnen aber unverdrossen - und aufgrund der jüngsten Inflationsdaten wohl auch bestärkt - mit steigenden Zinsen. So sieht die DZ Bank die Rendite der Zehnjährigen in Deutschland in sechs Monaten bei 3,7 Prozent bei gleichbleibender Tendenz.
Wenn dies so kommt, werden entsprechende Papiere haltende Anleger mit Kursverlusten zurechtkommen müssen. Wer Anleihen bis zur Fälligkeit halten will, kann diese Entwicklung ignorieren. Mit Blick auf den neuen Indexfonds ergibt sich aber die Frage, ob ein Kauf sinnvoll ist - auch wenn der Fonds die Zinserträge ausschüttet. Aus heutiger Sicht erscheint dieser ETF nicht sonderlich attraktiv.