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Rentenfonds Böse Überraschung für Rentenfondsanleger

20.04.2006 ·  Rentenfondsanleger müssen derzeit eine neue Erfahrung machen: Zum ersten Mal seit vielen Jahren verbuchen Rentenprodukte wegen steigender Zinsen Verluste.

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Viele Fondsanleger erleben in diesen Tagen eine unangenehme Überraschung: Ihre Rentenfonds, die über Jahre hinweg solide Erträge erwirtschafteten, haben ihnen in den vergangenen sechs Monaten zum ersten Mal seit langem Verluste beschert. Das ist für viele Rentenfondsanleger eine neue Erfahrung:

„Seit Mitte der neunziger Jahre hatten wir kaum ein Jahr, in dem Rentenfonds währungsbereinigt Negativrenditen eingefahren haben“, sagt Bettina Müller, Rentenfondsmanagerin von der DWS. Der Grund für diese Verluste sind die mittlerweile weltweit steigenden Zinsen, sie führen dazu, daß die Kurswerte der Anleihen, in welche die Rentenfondsmanager investieren, sinken.

Ganz so überraschend kommen diese Verluste aber nicht: Schon über Monate, wenn nicht Jahre hinweg hatten Fachleute immer wieder die Zinswende ausgerufen und vor steigenden Zinsen gewarnt - und sich bisher immer geirrt. Dieser Irrtum hatte einige Rentenfondsanleger in der Vergangenheit auch viel Geld gekostet, weil die Rentenfonds in Erwartung steigender Zinsen auf Anleihen mit kurzen Laufzeiten gesetzt haben, die zwar geringere Erträge abwerfen, dafür aber bei einem Zinsanstieg nicht so stark an Wert verlieren. Das hatte zur Folge, daß viele Rentenfonds ihren Vergleichsindex nicht schlagen konnten, weil dieser in der Summe eine längere Laufzeit hatte.

Die Zinswende scheint gekommen

Jetzt, nachdem sowohl die amerikanische als auch die europäische Notenbank die Zinsen heraufgesetzt haben und auch Japans Zentralbank die geldpolitischen Zügel angezogen hat, scheint die Zinswende nun doch gekommen. In den Portfolios der Rentenfondsanleger ist sie jedenfalls angekommen. Für die Rentenfondsmanager wird nun das, was sie in den vergangenen Monaten in vorauseilendem Gehorsam gemacht haben, mehr oder weniger zur Pflichtübung: Sie verkürzen die Laufzeiten in ihren Portfolios, um die Verluste zu mindern. Da viele von ihnen bereits vorher kürzere Laufzeiten als ihr Vergleichsindex hatten, liegen sie nun wieder vor dem Gesamtmarkt.

Die Höhe der Verluste eines Rentenfonds läßt sich näherungsweise mit Hilfe einer Faustformel und der sogenannten „modified duration“ berechnen, erklärt Wolfgang Kaiser vom Fondsanalysehaus Fondsconsult: „Eine ,modified duration' von 5 Prozent besagt, daß ein Fonds bei einem Anstieg der Zinsen um 100 Basispunkte rund 5 Prozent an Wert verliert.“ Die meisten Rentenfonds haben Kaiser zufolge derzeit im Schnitt eine „modified duration“ von etwa 4 bis 5 Prozent.

Zieht man von diesen Kursverlusten die Kuponerträge ab, die sich auf ein halbes Jahr auf etwa 1,5 bis 2 Prozent belaufen, so ergibt sich bei einer Duration von 4 Prozent bei einem Zinsanstieg von 100 Basispunkten ein Verlust von 2 bis 2,5 Prozent. Der durchschnittliche Verlust bei Rentenfonds auf sechs Monate liegt auch derzeit bei etwa 2 Prozent. Damit wird klar, warum Rentenfonds ihre Anleger Geld kosten können: „Die Zinszahlungen wirken zwar bei Kursverlusten wie ein Puffer, aber steigen die Zinsen zu stark, hilft auch das nicht mehr“, sagt Müller.

Währungsrisiko im Portfolio

Für Anleger in Rentenfonds bedeutet dies nun, daß sie sehr genau hinschauen müssen bei der Wahl eines Rentenfonds: Fonds, die eher auf kürzere Laufzeiten setzen oder aber in der Lage sind, ihre Laufzeiten flexibel anzupassen, sollten in Zeiten steigender Zinsen Vorrang genießen. Schwieriger allerdings ist die Entscheidung über die internationale Positionierung des Fonds:

Wer daran glaubt, daß der Dollar in Zukunft weiter anziehen wird, sollte international investierende Rentenfonds bevorzugen - diese würden von einem steigenden Dollar profitieren. Allerdings muß sich ein Anleger darüber im klaren sein, daß er sich damit ein Währungsrisiko ins Portfolio legt - fällt der Dollar, so nimmt auch das Portfolio Schaden. Wer also als Rentenfondskäufer das Risiko eher meidet, sollte sich auf europaweit investierende Fonds beschränken.

Anleger werden nervös

Die fallenden Erträge der Rentenfonds machen offenbar die ersten Anleger wieder nervös. Nach den Statistiken des Branchenverbandes BVI haben Anleger im ersten Quartal dieses Jahres netto rund 5 Milliarden Euro in Rentenfonds investiert - im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren das noch 8,6 Milliarden Euro. Offenbar findet auch bereits eine erste Bewegung der Anleger von Rentenfonds in Geldmarktfonds statt.

Doch auf längere Frist ist die Anlegerwelt in Sachen Rentenfonds durchaus noch in Ordnung: Wer beispielsweise zehn Jahre lang monatlich 50 Euro in einen international investierenden Rentenfonds gespart hätte, könnte sich jetzt statt der 6000 Euro, die er eingezahlt hat, über 7390 Euro freuen - das ist eine jährliche Rendite von 4,1 Prozent. Auf 20 Jahre hätte dieser Sparplan sogar 5,8 Prozent jährlich abgeworfen.

Quelle: hbe., F.A.Z., 21.04.2006, Nr. 93 / Seite 21
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