17.03.2009 · In der Rezession können Rentenfonds an Wert verlieren. Neue Angebote begrenzen dieses Risiko. Aber das Geld gibt es erst 2014 zurück.
Von Patrick BernauSechs Prozent Zins - das gibt es auch in Zeiten der Wirtschaftskrise, und zwar auf Firmenanleihen. Kein Wunder: Die Banken haben in vielen Fällen nicht mehr genug Geld, um großen Firmen Kredite zu geben - umso mehr Zinsen müssen die Firmen für die Kredite zahlen, die als Anleihen verbrieft sind.
5,9 Prozent zahlt derzeit zum Beispiel der Autovermieter Sixt, 6,5 Prozent der Stahlkonzern Thyssen-Krupp, und 7,9 Prozent gibt es von BMW. Deshalb empfehlen viele Experten derzeit auch Privatanlegern, Geld in Firmenanleihen zu stecken.
Risikoverteilung
In der Rezession haben die aber durchaus ein gewisses Risiko: Sollte im schlimmsten Fall zum Beispiel BMW im Lauf der Wirtschaftskrise Insolvenz anmelden, bekommen die Anleihenbesitzer ihr Geld nicht mehr zurück. Darum sollten Anleger ihr Geld am besten auf mehrere Firmenanleihen verteilen. Das geht am einfachsten in Fonds. Der einzige Indexfonds an der deutschen Börse ist der „iShares Euro Corporate Bond“ (ISIN DE0002511243).
So ein Fonds verringert zwar das Insolvenzrisiko, dafür bekommt der Anleger allerdings wieder ein neues. Denn Firmenanleihen könnten in den kommenden Jahren auch mal unbeliebter werden: dann nämlich, wenn tatsächlich einige Firmen pleitegehen. In so einem Fall scheuen die Anleger möglicherweise auch vor vielen Anleihen von Firmen zurück, die gar nicht pleite sind. Dann können die Kurse vieler Firmenanleihen sinken.
Kursrisiko ausschalten
Das kann einem Anleihenbesitzer normalerweise zwar egal sein, denn wer seine Anleihen bis zur Rückzahlung behält, bekommt den vollen Betrag zurück - völlig egal, wie sich der Kurs in der Zwischenzeit entwickelt hatte. Doch wer seine Anleihen nicht direkt kauft, sondern einen Fonds hält, der leidet unter solchen Kursverlusten. Schließlich hat ein normaler Rentenfonds jederzeit viele Anleihen im Portfolio, die noch nicht fällig sind und deren Kurs deshalb gelitten hat.
Dieses Problem haben einige Fondsgesellschaften erkannt. DWS, Deka, Union Investment und Allianz Global Investors bieten den Anlegern jetzt Fonds an, die hauptsächlich Anleihen mit einem bestimmten Rückzahlungsdatum kaufen. Also zum Beispiel solche, die im Jahr 2013 fällig werden. Anleger können mit so einem Fonds das Kursrisiko ignorieren - vorausgesetzt, sie lassen ihr Geld für die vier Jahre bis 2013 darin liegen.
Aggressiv und konservativ
Doch von diesen Fonds sei nicht jeder gleich sicher, betont Fondsanalyst Simon Nöth von Morningstar. Einige Fonds kauften Anleihen, die eher von einer Pleite betroffen sind, aber dafür auch mehr Rendite bringen.
Eine recht aggressive Anlagestrategie hält sich zum Beispiel die Deutsche-Bank-Tochter DWS für ihren Fonds „Unternehmensanleihen Direkt 2014“ offen, der bis zu 20 Prozent seines Depots mit renditestarken, aber riskanteren Anleihen bestreiten kann: nämlich mit Anleihen von insolvenzgefährdeten Firmen (“Hochzins-Anleihen“) und mit Nachranganleihen, für die im Fall einer Firmeninsolvenz kaum Geld zurückbezahlt wird.
Eine konservativere Anlage verspricht zum Beispiel der „DWS Renten Direkt 2014“ von derselben Fondsgesellschaft oder der „Pimco Unternehmensanleihen 2013“ von Allianz Global Investors, der allerdings nicht in Deutschland beworben wird. Im Pimco-Fonds sollen höchstens fünf Prozent der Anleihen aus dem Hochzins-Markt stammen, im „DWS Renten direkt“ gar keine.
Nicht günstig
Auch wenn die Fonds den Anlegern einige Vorteile bringen - günstig sind sie nicht. Die DWS verlangt 0,8 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr sowie einen Ausgabeaufschlag von bis zu 2,5 Prozent. Weil die Fonds fünf Jahre laufen, macht der Ausgabeaufschlag einen halben Prozentpunkt pro Jahr aus, insgesamt fallen da also 1,3 Prozent Gebühr an - und das ist schon fast ein Viertel der erhofften Rendite von rund sechs Prozent. Die Fondsgesellschaft verteidigt das: Sie komme dafür als institutioneller Anleger günstiger an die Anleihen.
Nach Kosten können Anleger trotzdem auf eine Rendite von rund fünf Prozent hoffen. Und die gibt es für eine Geldanlage über fünf Jahre derzeit auch nicht oft.
Patrick Bernau Jahrgang 1981, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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