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Rekordabflüsse Anleger fliehen aus Investmentfonds

27.11.2008 ·  Der Oktober wird zum verheerendsten Monat der deutschen Fondsgeschichte: Noch nie haben Anleger soviel Geld aus Publikumsfonds abgezogen.Schließungen größeren Ausmaßes und Insolvenzen sieht die Branche aber derzeit nicht.

Von Daniel Mohr, Frankfurt
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Die deutsche Fondsbranche hat im Oktober Mittelabflüsse bisher nicht gekannten Ausmaßes hinnehmen müssen. Wie der Fondsbranchenverband BVI am Mittwoch mitteilte, zogen die Anleger im Oktober per saldo 46,3 Milliarden Euro aus Publikumsfonds ab. Einen solchen Wert hatte es bisher noch nie gegeben. Besonders betroffen waren steueroptimierte Fonds, Geldmarktfonds und offene Immobilienfonds. Aber auch Aktienfonds mussten Rekordabflüsse verzeichnen.

Die Fondsbranche steht damit vor ihrem schlechtesten Jahr seit Jahrzehnten. Letztmals mussten im Jahr 1981 unter dem Strich Nettomittelabflüsse verbucht werden. Die Hoffnung, dass dies in diesem Jahr noch abgewendet werden könnte, hat der Fondsbranchenverband aufgegeben. „Alle Prognosen aus dem Sommer sind Makulatur“, sagt BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld. „Die Oktober-Zahlen werden nicht mehr durch ein Jahresschlussgeschäft kompensiert werden können.“

BVI-Präsident Mansfeld: „Das schlägt voll auf die Gewinne“

Auch die Geschäftsergebnisse der Fondsgesellschaften werden 2008 schlecht ausfallen. Das von Fondsgesellschaften in Publikumsfonds verwaltete Vermögen sank auch wegen der hohen Kursverluste am Aktienmarkt im Monatsvergleich um 85 Milliarden Euro, im Vergleich zum Oktober 2007 beträgt der Rückgang sogar 165 Milliarden Euro, auf nur noch 585 Milliarden Euro. „Das Fondsvermögen ist unsere Ertragsquelle, und ein solcher Rückgang schlägt natürlich voll auf die Gewinne der Fondsgesellschaften durch“, sagt Mansfeld. Gleichwohl rechne er nicht mit der Insolvenz von Fondsgesellschaften oder der Schließung von Fonds in größerer Zahl. „Wenn die Krise in diesem Umfang bleibt, bringt sie niemanden in der Fondsbranche an den Rand der Existenzfähigkeit.“ Außerdem habe sich die Entwicklung im November wieder deutlich beruhigt.

Als Auslöser der erheblichen Mittelabflüsse im Oktober hat die Branche einige Spezialfaktoren ausgemacht. Zunächst habe die Diskussion über die steueroptimierten Geldmarktfonds geschadet. „Leider gab es von Seiten des Gesetzgebers zunächst keine eindeutigen Zeichen, dass es einen glaubwürdigen Bestandsschutz für die Produkte geben wird“, sagt Mansfeld. „Zusammen mit der deutlichst gestiegenen Nervosität der Marktteilnehmer nach der Insolvenz von Lehman hat dies zu fast panikartigen Verkäufen der Anleger geführt, obwohl die Wertentwicklung der Fonds nichts zu wünschen übriggelassen hat.“ Im Oktober flossen aus den drei größten steueroptimierten Fonds Uni Opti 4, DWS Optima Four Seasons und Deka Opti Cash fast 13 Milliarden Euro ab. Damit haben sie binnen kurzem fast ein Drittel ihrer Anlagesumme verloren.

BVI will Nachbesserung des Investmentgesetzes

Den zweiten Tiefschlag für die Branche habe es gegeben, als die Bundesregierung Anfang Oktober ihre Garantieerklärung für Bankeinlagen gegeben hat. „Die Erklärung war sinnvoll, richtig und wahrscheinlich auch notwendig. Die nervösen Anleger gewannen aber wohl den Eindruck, dass die Sicherheit der Fondsanlage zumindest relativ geschwächt wurde“, sagt Mansfeld. Jedenfalls habe der BVI allein in den Tagen nach der Garantieerklärung Mittelabflüsse von rund 20 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds und geldmarktnahen Rentenfonds beobachtet. Diese Produkte waren zuvor beliebte Liquiditätsparkplätze. Allein im Jahr 2007 flossen den Geldmarktfonds per saldo 25 Milliarden Euro zu. Die Wertverluste einiger Geldmarktfonds und auch zeitweise Fondsschließungen hatten aber schon vorher für Skepsis gegenüber Geldmarktfonds gesorgt.

Die Fondsschließungen mehrerer offener Immobilienfonds hatten zur Folge, dass auch aus dieser Anlageklasse im Oktober gut 5 Milliarden Euro abflossen. Um künftig Fondsschließungen in diesem Bereich zu vermeiden, will der BVI eine Nachbesserung des Investmentgesetzes erreichen. Bislang können in den Vertragsbedingungen offener Immobilienfonds bei der Rückgabe von Anteilen durch Großanleger bestimmte Fristen für die Rückgabe festgeschrieben werden. Da diese wegen der Furcht vor Wettbewerbsnachteilen noch keine Fondsgesellschaft in ihre Bedingungen aufgenommen hat, strebt der Verband nun eine Muss-Bedingung im entsprechenden Paragraphen 80c des Investmentgesetzes an.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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