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Veröffentlicht: 24.04.2015, 14:32 Uhr

Investieren ins Gemeinwohl Reiche und Stiftungen stecken kaum Geld in soziale Projekte

Das eigene Geld kann man nicht nur in Aktien, sondern auch in Kindergärten, soziale Projekte oder den ökologischen Landbau stecken. Doch laut einer Studie halten sich Stiftungen und vermögende Personen bei wirkungsorientiertem Investieren zurück.

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© dpa Extrem süß, aber eher für Kindergärtnerinnen als für Investoren interessant: Babys in einer Kita in Frankfurt an der Oder.

Um das deutsche Bildungswesen ist es nicht zum Allerbesten bestellt, bei der Kinderbetreuung herrscht großer Bedarf, und auch was die Qualifizierung für den Arbeitsmarkt betrifft, gibt es Lücken. Der Gedanke liegt also nicht fern, in Bereichen, in denen der Staat weniger helfen will oder kann, nicht nur auf engagierte Spender zu vertrauen, sondern auch Anlagemöglichkeiten für Personen oder Einrichtungen zu schaffen.

Thomas Klemm Folgen:

Als „wirkungsorientiertes Investieren“ werden Anlagen bezeichnet, mit denen ein Zweck verfolgt wird, der gesellschaftlich oder ökologisch als sinnvoll gilt und konkrete Projekte unterstützt. Wie eine Studie der Universität Stuttgart ergab, mangelt es bei Stiftungen, Family Offices und vermögenden Einzelpersonen nicht am Willen, in präventive oder innovative Maßnahmen zu investieren und sich dafür mit einer Rendite zu begnügen, die unter der Marktrendite liegt. Allerdings mangelt es auf Seiten des betreffenden Vermögensmanagements an Informationen. Zudem behaupten Stiftungsvertreter und Family-Office-Mitarbeiter, dass es an Produkten und Lösungskonzepten fehle. Obendrein schätzen sie das Anlagerisiko mehrheitlich als hoch ein.

Die Anteile von wirkungsorientierten Investments an den Vermögen der drei Gruppen sind - sofern überhaupt vorhanden - sehr gering: Meistens liegen sie unter 3 Prozent, selten überschreiten sie 10 Prozent, wie die Stuttgarter Studie ergab. Befragt wurden Vertreter von 17 Stiftungen, 18 Family Offices sowie 15 vermögende Einzelperson, weil laut verschiedenen Untersuchungen in diesen Gruppen eine hohe Affinität für wirkungsorientiertes Investieren herrscht. Tatsächlich zeigten sich die zwischen Mai und November 2014 interviewten Vertreter überwiegend bereit, für den guten Zweck auf eine marktübliche Rendite zu verzichten - sofern der reale Kapitalerhalt gesichert ist und die Investments ihren Zielvorstellungen entsprechen. Ein gängiger Vorbehalt besteht indes darin, dass Wirkungen sozialer Investments kaum zu erfassen sind - anders als bei Öko-Projekten. „Soziale Wirkung kann man nicht in CO2-Reduktion messen“, sagte ein Stiftungsvertreter.

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Hinzu kommt, dass eine soziale Wirkung sich nicht selten erst über Generationen hinweg entfaltet und womöglich sogar negative Nebenwirkungen berücksichtigt werden müssen. Hierbei verwiesen Stiftungsvertreter oft auf Kindertagesstätten. Es sei schwierig, eine Kita für Anleger gewinnbringend zu betreiben. Dies sei nur dann möglich, wenn man beispielsweise bei der Bezahlung der Betreuerinnen spare oder die Kita-Gebühren erhöhe. Weil dadurch womöglich finanzschwache Kinder ausgegrenzt würden, könnte eine Anlage kaum noch als wirkungsorientiertes Investieren bezeichnet werden.

Die Risiken dieser Anlageform werden von Stiftungen und Family-Office-Mitarbeitern oft als riskanter eingeschätzt als bei herkömmlichen Kapitalanlagen. „Es gibt schlichtweg keinerlei standardisierte Modelle oder Checklisten“, heißt es. Woraus die Verfasser der Studie den Schluss ziehen, dass es hierbei „weniger um ein klassisches Anlagerisiko als vielmehr um ein persönliches Reputations- und Rechtfertigungsrisiko des Entscheidungsträgers“ gehe. Aus der Studie geht auch hervor, dass alle Gruppen am liebsten vor der eigenen Haustür investieren. Die regionale Bevorzugung wird vornehmlich damit begründet, dass man soziale Wirkung gerne dort erzielen möchte, wo man lebt und die positiven Effekte etwaiger Kapitalanlagen direkt sehen kann.

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