13.02.2012 · Lupus Alpha fordert ein Qualitätsmanagement für Fonds. Mittelabflüsse seien ein Ausdruck des Vertrauensverlusts, sagt Ralf Lochmüller, Vorstandssprecher der Fondsgesellschaft Lupus Alpha.
Die Fondsbranche steckt in einer tiefen Krise. Im vergangenen Jahr haben die Anleger etwa 17,8 Milliarden Euro aus Wertpapier-Publikumsfonds mehr abgezogen, als sie eingezahlt haben. Dies geht aus der Branchenstatistik des Fondsverbands BVI hervor. Hätte der ETF-Anbieter iShares nicht gleichzeitig Netto-Mittelzuflüsse von 7,9 Milliarden Euro verzeichnet, wäre das Bild noch schwärzer ausgefallen.
"Die jüngsten Zahlen des BVI über den Zustand der Branche zeichnen ein realistisches Bild", sagt Ralf Lochmüller, Vorstandssprecher der Fondsgesellschaft Lupus Alpha in Frankfurt, im Gespräch mit dieser Zeitung: "Die Mittelabflüsse im Geschäft mit Privatanlegern zeigen den Vertrauensverlust." Sicher, ein Teil der Mittelabflüsse seien den hohen Kursschwankungen und der großen Unsicherheit auf den Finanzmärkten geschuldet. Doch zugleich sagt Lochmüller: "Zum Teil sind die Probleme, unter denen die Fondsbranche leidet, auch hausgemacht." Das liege nicht nur an der Marktentwicklung.
Viele Fonds verfehlten die Renditeziele, die sie sich gesteckt hätten, und kämen nicht annähernd an ihre "Benchmark" heran, an die Messlatte also, die sich das Fondsmanagement gesetzt hat. Auch bei Fonds, die Anlegern einen absoluten Ertrag versprechen, erreiche nur ein Teil der Fonds ihr Ziel. Wenn die Fondsbranche den Endkunden weiter frustriere, dann wende er sich ab, so wie es 2011 geschehen sei. Andererseits müsse auch der Anleger die Fondsleistung in Relation zum Marktumfeld fair bewerten. In dieser Hinsicht habe das Jahr 2011 sicherlich besondere Herausforderungen gestellt.
"Der Markt erklärt nicht alles, er spiegelt nur die halbe Wahrheit", sagt Lochmüller, und deshalb fordert er: "Die Branche muss zu besserer Qualität und höherer Klarheit finden." Die Fondsbranche müsse neue Weg gehen, im Produkt- wie im Qualitätsmanagement: "Wir brauchen ein realistisches Erwartungsmanagement, was die Produkte leisten können und was nicht." Denn: "Wer schlechte Qualität nur kraft seines Vertriebs in den Markt drückt, wird auf die Dauer keinen Erfolg haben." Ungefähr zwei Drittel aller Anleger glaubten, beruft sich Lochmüller auf eine Umfrage, dass Fondsprodukte vor allem den Fondsgesellschaften dienen. Das könne die Branche nicht einfach so hinnehmen. "Das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen ist jedoch ein knallharter Prozess", sagt Lochmüller.
Die Verantwortlichen von Lupus Alpha haben schon viele Höhen und Tiefen auf den Kapitalmärkten erlebt. Im Oktober 2000, wenige Monate bevor die Internet-Spekulationsblase platzte, ging Lupus Alpha an den Start. Zunächst war die Fondsgesellschaft auf kleinere und mittelgroße Aktien spezialisiert und baute dann als zweites Geschäftsfeld Absolute-Return-Strategien auf. Heute verwaltet die Fondsgesellschaft ein Kundenvermögen von etwa 6 Milliarden Euro, hauptsächlich für institutionelle Investoren.
Lochmüller findet ein Vorbild für die Fondsbranche in der Industrie: "Schauen Sie sich die Automobilbranche an: Die hat ein konsequentes Qualitätsmanagement eingeführt." Von diesen Standards sei die Finanzbranche weit entfernt, auch die ETF-Branche. Die Autobranche gebe viel Geld aus, um ihre Produkte ständig zu verbessern. Sie habe Wege gefunden, um die Qualität sauber zu beurteilen, und sie nehme sich die notwendige Zeit, um neue Modelle auf den Markt zu bringen. Anders die Finanzbranche: "Oft wirft sie in weniger als einer Woche ein neues Produkt auf den Markt", beklagt Lochmüller: "Wäre es nicht sinnvoll, eine Art Teststrecke für Finanzprodukte einzuführen?"
Auch fordert er, dass sich die Fondsgesellschaften stärker auf ihre Stärken besinnen. "Viele Fondsgesellschaften sind Vollsortimenter, die alle Kundenbedürfnisse bedienen wollen", sagt der Lupus-Alpha-Chef: "Heraus kommt eine Diversifikation der Mittelmäßigkeit." Doch am Ende werde der Auswahlprozess unweigerlich kommen, glaubt Lochmüller.
Doch auch den Anleger sieht der Börsenfachmann gefordert. Risiken seien in den vergangenen zehn Jahren nicht ausreichend belohnt worden. Daraus hätten viele Anleger den Schluss gezogen, dass mit Aktien generell kein Geld zu verdienen sei - und dass dies jetzt auch für Anleihen gelte. "Viele Gesetze, die früher in der Geldanlage galten, sind heute nicht mehr gültig, aber eines ist es ganz sicher noch: Diversifikation, eine breite Streuung der Geldanlage, ist immer noch das Richtige", sagt Lochmüller.
Es werde nicht mehr das Allwetterprodukt geben können, das zehn Jahre hält. Zudem müsse sich der Anleger daran gewöhnen, sich permanent mit seinem Geld zu befassen. Auch deshalb sieht Lochmüller einen Bedarf für die Fondsbranche. "Durch ein konsequentes Qualitätsmanagement lässt sich auch bei Fonds die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit schließen." Dann greife die Branche auch nicht mehr kurz währende Modewellen ab, und sie verspiele nicht das Vertrauen der Anleger. "Das Vertrauen der Anleger ist am Ende das Einzige, was in der Branche zählt", sagt Lochmüller.
Aktienfonds - nein Danke - es gibt bessere Alternativen !
Siegfried Reutzel (rs-depot.de)
- 16.02.2012, 13:50 Uhr
Mein Dekafonds
Michael Arndt (Mikel1962)
- 15.02.2012, 19:24 Uhr
Die Worte hör ich wohl....
Michael Meier (never1)
- 15.02.2012, 15:14 Uhr
Melk-Kuh
Thomas Mirbach (lurkius)
- 15.02.2012, 13:03 Uhr
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