21.08.2007 · Analysten erwarten einen weiteren Abwärtsschub des Deutschen Aktienindex Dax in den nächsten Wochen. Mittelfristig sind jedoch wieder neue Höchststände zu erwarten.
Technische Analysten erwarten, dass der Deutsche Aktienindex Dax in den nächsten Wochen einen weiteren Abwärtsschub vollziehen wird. „Wir holen jetzt Luft“, kommentiert Michael Riesner von der Schweizer Großbank UBS die Erholung, die sich am Dienstag in der Spitze um 0,8 Prozent auf 7.469 Dax-Punkte fortsetzte. „Wir glauben allerdings, dass wir die Tiefpunkte der vergangenen Woche noch einmal sehen werden“, sagt Riesner. Dann werde sich zeigen, ob der Dax oberhalb von 7.000 Punkten einen tragfähigen Boden findet oder ob er erst deutlich tiefer haltmacht.
Die Lage am Aktienmarkt ist aus technischer Sicht heikel, weil mit einem Unterschreiten des Tiefs der vergangenen Woche, das bei rund 7.190 Dax-Punkten lag, der langfristige, seit März 2003 zurückzuverfolgende Aufwärtstrend gebrochen würde. Dies wäre ein schlechtes Zeichen. Denn technische Analysten vertrauen darauf, dass sich Entwicklungen der Vergangenheit fortsetzen, nach dem Motto „Der Trend ist dein Freund“.
Der Dax zeigt Stärke
In Großbritannien hat der maßgebliche Aktienindex FTSE 100 seinen langfristigen Aufwärtstrend schon durchstoßen. Der Dax hingegen zeigt im internationalen Vergleich relative Stärke. Aktien wie Volkswagen, Bayer und Versorger wie Eon und RWE stemmen sich gegen die widrigen Marktbedingungen. Doch grundsätzlich gilt: Ist es mit einem Trend zu Ende, beginnt etwas Neues; die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ohne weiteres fortschreiben.
Doch auch für diese Regel gibt es offenbar Ausnahmen. Der Trendbruch des Dax wäre auf längere Sicht zu verschmerzen, sagen technische Analysten wie Dirk Oppermann von der DZ Bank und Marcus Metz von Staud Research. Sie betrachten den Kursverlauf des Dax und gehen davon aus, dass sich künftige Bewegungen sowohl zeitlich als auch räumlich „harmonisch“ anschließen werden.
Theorie der Elliott-Wellen
Im dritten Jahresquartal sind deutliche Korrekturen an den Aktienmärkten üblich. Dies ist ein Grund, warum Oppermann das mittelfristige technische Bild mit einem Rutsch in die Unterstützungszone zwischen 6.900 und 7.100 Dax-Punkten nicht beschädigt sehen würde. Metz weist darauf hin, dass nach der Theorie der Elliott-Wellen noch eine fünfte Welle seit März 2003 mit neuen Hochs jenseits des Rekords von 8.151 Dax-Punkten ausstehe (siehe Grafik).
„Ein vollständiger Elliott-Zyklus hat zwei Abwärtswellen, die Welle II und die Welle IV. In Welle IV befinden wir uns vermutlich gerade“, sagt Metz. Die Abwärtswellen II und IV unterschieden sich meist deutlich. Da Welle II zwar durchaus mehrere Monate angedauert, aber zu nur geringen Rückschlägen geführt habe, sei von Welle IV genau das Gegenteil zu erwarten. „Der Dax dürfte bald wie ein Stein fallen - bis in die Zone von 6.300 bis 6.500 Punkten“, sagt Metz. „Er wird diese Welle IV aber in deutlich kürzerer Zeit absolvieren als die Welle II.“
Nervosität hat ein hohes Maß erreicht
Tatsächlich hat die Nervosität am Aktienmarkt, gemessen an Indikatoren wie dem Verhältnis der Verkaufsoptionen zu den Kaufoptionen, der Schwankungsintensität der Kurse (Volatilität) und einer Stärke der Niedrigzinswährung Yen, ein hohes Maß erreicht. Aber noch vermissen technische Analysten, dass die Stimmung unter den Marktteilnehmern einen Tiefpunkt erreicht.
Das Gegenteil ist bisher der Fall: Am Freitag, als die amerikanische Notenbank Fed den Diskontsatz senkte, flossen in Amerika 90 Prozent aller Umsätze in Aktien, die im Kurs stiegen. Dies spreche zwar langfristig für den Aktienmarkt, heißt es. Kurzfristig brauche es aber noch zumindest einen Anflug von Panik, um unerfahrene Anleger mit „zittrigen Händen“ zum Verkauf zu animieren. Erst dann wäre die Basis für einen neuen Aufwärtsschub gelegt. Anleger sollten demnach Neuengagements noch zurückstellen.
Zwischenerholung mit 7.620 bis 7.720 Punkten
Der technische Analyst Klaus Tafferner nennt als Ziel für die kurze, derzeit laufende Zwischenerholung die Zone von 7.620 bis 7.720. Anschließend aber werde der Dax noch in die Zone von 6.500 bis 6.700 Punkte fallen. Mittelfristig geben sich die technischen Analysten optimistisch. „Die Welle III von 6.350 bis zum Rekord verlief sehr dynamisch. Das heißt, die Welle V kann uns noch in diesem Jahr neue Hochs bringen“, sagt Tafferner.
Nicht ganz so optimistisch ist Riesner, der im Verlauf des Septembers und vor allem im vierten Quartal eine deutliche Erholung des Dax, aber noch keine neuen Rekorde erwartet. Auch Oppermann rechnet mit einer Erholung im vierten Quartal und im neuen Jahr mit neuen Höchstständen. Allerdings werde der Dax in seiner Dynamik gebremst werden von langfristig steigenden Zinsen und Rohstoffpreisen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |