Nach der Ergo zieht sich auch die Generali aus dem Billigsegment in der Privaten Krankenversicherung (PKV) zurück. Vom 1. August an wird die Ecoline nicht mehr im Neugeschäft angeboten, sagte Heinz Teuscher, der Vorstandsvorsitzende der PKV-Tochtergesellschaft Central dieser Zeitung. „Wir hatten das Ziel, die Kunden über die Einsteigertarife mit der Zeit in höherwertige Tarife zu bekommen“, sagte er. „Aber das ist überhaupt nicht eingetreten.“
Die Quote der Kunden, die aus einem günstigen Tarif in einen höherwertigen gewechselt sind, liege nahezu bei Null. Gleichzeitig gebe es aber überdurchschnittlich viele Nichtzahler in diesem Preissegment, weshalb die Beiträge der zahlenden Kunden deutlich stärker wuchsen als im teureren Preissegment. Den Nichtzahlern darf durch eine gesetzliche Regelung nicht mehr gekündigt werden.
Mit der Entscheidung folgt die Central dem Wettbewerber DKV, der zur Ergo gehört. Dieser hatte Ende Juni erklärt, dass er sich aus diesem Segment bis Jahresende zurückziehen werde. Den Kunden müsse verdeutlicht werden, dass die private Krankenversicherung nicht mit Angeboten auf den Markt treten dürfe, die einen geringeren Leistungsumfang hat als die gesetzliche, hieß es damals. Dass die Central noch radikaler als die DKV reagiert, habe einen einfachen Grund, sagt Generali-Deutschlandchef Dietmar Meister: „Warum noch vier Monate warten, wenn die Entscheidung klar ist?“
Stärker zulegen als der Branchendurchschnitt
Der schnelle Abschied ist wegen der Kostenentwicklung als Notbremse zu werten. Außerdem stellt er einen klaren Strategieschwenk des Unternehmens dar, dessen Wachstum in den vergangenen Jahren in erheblichem Maße durch seine Billigangebote zustande gekommen ist. Teuscher ist erst seit März im Amt. Er löste Joachim von Rieth ab, der das Unternehmen wegen Differenzen über die künftige Ausrichtung verließ. Durch den Erfolg ihrer Billiglinie konnte die Central in den vergangenen drei Jahren jeweils stärker zulegen als der Branchendurchschnitt. Von den 100.000 zusätzlichen Kunden in den vergangenen sechs Jahren schlossen 40.000 einen Ecoline-Tarif ab. Diese sind aber erst seit drei Jahren auf dem Markt.
Seit einigen Jahren haben die meisten Versicherer einen Tarif im Angebot, der deutlich günstiger als herkömmliche PKV-Policen ist und dafür geringere Leistungen umfasst. So sind häufig ambulante Psychotherapien, künstliche Befruchtungen oder Reha-Aufenthalte nicht mitversichert. Sie richten sich an Selbständige, die anders als Angestellte nicht bis knapp 50.000 Euro Jahresgehalt unter die Versicherungspflichtgrenze fallen. Die günstigsten Angebote für einen 35 Jahre alten Mann ohne Vorerkrankung liegen bei 130 bis 165 Euro.
In Sorge vor einer möglichen Bürgerversicherung, mit der die PKV abgeschafft würde, habe man nach anderen Geschäftsfeldern Ausschau halten müssen, sagt Meister. „Vielleicht hätten wir dieses Modell kritischer betrachten müssen“, gesteht er nun ein. Dass sich aber die politischen Rahmenbedingungen verändert hätten, sei nicht abzusehen gewesen. Die Regeländerung bezüglich der Nichtzahler habe die Kalkulation stark beeinflusst.
Auf das höherwertige Preissegment konzentrieren
Im Markt werden die Billigtarife aber unterschiedlich beurteilt. Die Hanse Merkur, die mit den häufig günstigsten Angeboten am preisaggressivsten auftritt, will ihren Anteil sogar noch ausbauen. „Die Makler schwatzen den Kunden ja nichts auf. Sie wissen, was sie tun, wenn sie einen Tarif ohne Schutz vor einer Psychotherapie kaufen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Dem widerspricht dagegen Central-Chef Teuscher inzwischen selbstkritisch. Zu Beginn sei der Verbraucher über den geringeren Deckungsschutz aufgeklärt. „Aber es gerät bei ihm in Vergessenheit und er denkt dann, er ist vollumfänglich privatversichert“, hat er beobachtet.
Die Hanse Merkur hat indes nach eigenen Angaben andere Erfahrungen mit der Kostenentwicklung gemacht als die Central. „Seit 2003 hat sich unser Einsteigertarif im Neugeschäft jährlich um 2,98 Prozent verteuert, das ist nicht überdurchschnittlich“, sagt der Sprecher. Von rund 200.000 Kunden habe rund die Hälfte einen Einsteigertarif abgeschlossen. Dass die Kritik an diesem Geschäftsmodell gewachsen sei, erklärt er sich mit dem Neid der anderen: „Wir wachsen seit neun Jahren stärker als der Markt, und das passt einigen nicht“, sagt er. Kritiker dagegen sagen, dass die Beitragserhöhungen spätestens dann folgen, wenn das Wachstum des Unternehmens sich verlangsamt.
Die Central will sich künftig auf das höherwertige Preissegment konzentrieren. Dabei werde man sich an Wettbewerbern wie der Halleschen orientieren, die keine Einsteigertarife anbietet. Künftig werde wie dort der Schufa-Eintrag von Neukunden überprüft, kündigte Teuscher an. Indem die Zahl der Nichtzahler verringert werden soll, will er die Bestandskunden besser vor Beitragssteigerungen schützen.
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