26.02.2008 · In der Beteiligungsbranche wächst die Furcht vor Schieflagen hochverschuldeter Unternehmen. „In diesem und im nächsten Jahr wird es größere Private-Equity-Pleiten geben", heißt es. Anleger schimpfen über die Exzesse der großen Fonds.
In der Beteiligungsbranche wächst die Furcht vor Schieflagen mancher hochverschuldeter Unternehmen. „In diesem und im nächsten Jahr wird es größere Private-Equity-Pleiten geben", sagt Jon Moulton, Gründer des Beteiligungsfonds Alchemy Partners, auf der Konferenz „Superreturn" in München. Steven Puccinelli, Leiter des europäischen Private-Equity-Geschäfts von Investcorp, ist ähnlicher Ansicht:
„Wir werden Zahlungsunfähigkeiten und Pleiten sehen." Zuletzt hat es derartige Schieflagen in der Branche kaum gegeben, weil das wirtschaftliche Umfeld gut war und die Banken den Finanzinvestoren immer laxere Kreditbedingungen zugestanden. Doch seit dem Beginn der Krise auf dem Markt für amerikanische Hypotheken schwacher Bonität (Subprime) hat der Wind gedreht: Die Banken geben den Beteiligungsfonds keine Großkredite mehr.
Einige der in den vergangenen Jahren gekauften Unternehmen sind nun bedrohlich hoch verschuldet. „In unserer Branche gab es die selben Strukturen und Exzesse wie auf dem Subprime-Markt", schimpft Moulton. „Im Subprime-Markt haben die Kreditgeber die Immobilien mittels Google Earth geprüft, in der Private-Equity-Branche haben sich die Manager nur noch auf Powerpoint-Präsentationen der Verkäufer verlassen." Zudem hätten viele Fondsmanager die Unternehmen zuletzt auf Basis der um diverse Effekte bereinigten „Proforma-Gewinnzahlen" gekauft.
Gefälschte Gewinnziffern - unkontrollierbarre Kreditstrukturen
„Wir haben uns auf gefälschte Gewinnziffern verlassen." Die immer laxer gewordenen Kreditkonditionen hätten nun lediglich den Effekt, dass die Schieflagen der Unternehmen um ein bis zwei Jahre nach hinten verschoben würden. Bis zum Beginn der Krise im Jahr 2007 hatten sich Kreditstrukturen eingebürgert, die kaum Kontrollmöglichkeiten für die Banken vorsahen und oft einen Großteil der Schuldentilgung an das Ende der Laufzeit verschoben.
Die Manager großer Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone oder KKR sehen das gelassener. „Es wird relativ wenig große Pleiten geben", sagt Hamilton James, Präsident und Leiter des Tagesgeschäfts von Blackstone. Wie am Rande der für die Beteiligungsbranche wichtigsten europäischen Konferenz zu hören war, ist Blackstone derzeit dabei, ungeachtet der Finanzkrise einen neuen Fonds aufzulegen. Der Beteiligungsfonds soll mit maximal 20 Milliarden Dollar nur ein wenig kleiner sein als der 21,7 Milliarden Dollar schwere Vorgänger, der 2007 geschlossen wurde. Auch Johannes Huth, Europachef der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft KKR, hat keine Sorgenfalten auf der Stirn. Die Bewertungen der Unternehmen würden zwar in den kommenden Quartalen sinken, sagt er. Aber das bedeute nicht, dass dies auch der Fall sein werde, wenn die Unternehmen in einigen Jahren verkauft werden.
Geht die Rendite im Private-Equity-Geschäft zurück?
Gleichwohl sind große Investoren, die in den vergangenen Jahren immer mehr Geld in Private Equity gesteckt haben, nicht mehr sehr optimistisch. „Wir erwarten, dass die Renditen sehr stark sinken werden", sagt Joseph Dear, einer der Leiter des staatlichen Washingtoner Pensionsfonds, der 85 Milliarden Dollar verwaltet und mit Investitionen in Private Equity im vergangenen Jahr eine Rendite von 29 Prozent erzielt hat. Aber entscheidend sei, dass die Branche die Aktienmärkte weiterhin übertreffen werde.
In Erwartung der Schieflagen wenden sich nun immer mehr Investoren Fonds zu, die notleidende Kredite kaufen. „Wir haben unsere Investitionen in notleidende Kredite im vergangenen Jahr vervierfacht", sagt Leon Shahanian, ein Manager des kalifornischen Pensionsfonds Calpers, die auch eine Beteiligung an dem auf Schieflagen spezialisierten Finanzinvestoren Apollo Management besitzt. Auch Blackstone, die erst kürzlich den Kredit-Hedge-Fonds GSO gekauft hat, ist für die schwierigeren Zeiten gut gerüstet: „Wir haben 20 Milliarden Dollar an Kaufkraft für notleidende Kredite", sagt James.
Allerdings rechnet James nicht damit, dass es bald viel derartiges Geschäft geben wird. Denn dank der laxeren Kredikonditionen dauert es länger, bis ein Kreditgeber die Kontrolle über ein notleidendes Unternehmen erlangen kann. Ein viel besseres Geschäft für die Renditejäger wären die Kredite von Unternehmen, denen es finanziell blendend geht. Die Kreditpapiere vieler von Beteiligungsfonds gekauften Gesellschaften werden angesichts der Risikoscheu der Anleger derzeit zu Preisen weit unterhalb ihres Nennwerts gehandelt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |