10.12.2008 · Die Goldgräberstimmung unter den Beteiligungsfirmen ist verflogen. Doch einzelne Goldstücke sind am Markt auch künftig auffindbar, heißt es in der Private-Equity-Branche. 2009 werden die Funde wohl spärlich bleiben.
Von Holger PaulIn den Wochen vor Weihnachten herrscht in Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) normalerweise Hochbetrieb. Die Übernahmen von Firmen müssen noch vor dem Jahreswechsel abgeschlossen werden. Gleichzeitig laufen die Investitionsplanungen für das Folgejahr auf Hochtouren. Doch im Augenblick sind viele Private-Equity-Manager in erster Linie damit beschäftigt, Investoren zu vertrösten und das bestehende Firmenportfolio zu verwalten. Der Markt für Firmenübernahmen ist so gut wie ausgetrocknet - größere Transaktionen finden überhaupt nicht mehr statt.
Dabei berichten Beteiligungsfirmen nach wie vor über die erfolgreiche Auflegung neuer Fonds. Die amerikanische Gesellschaft Oaktree Capital zum Beispiel sammelte kürzlich 2,2 Milliarden Euro für einen Fonds ein, der sich auf notleidende europäische Unternehmen fokussieren soll. Interessante Zielfirmen werde es gerade im Mittelstand in den kommenden Monaten auch genügend geben, wenn die Rezession immer mehr Wirtschaftsbranchen erfasse, sagt Rolf Wickenkamp, Partner von Sal. Oppenheim Private Equity Partners und Gründer des Dachfonds CAM. „Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen werden viele Konzerne gezwungen sein, ihr Tafelsilber zu verkaufen.“
„Es ist fast unmöglich, noch Fremdkapital zu bekommen“
Für neue Übernahmen benötigen die Beteiligungsfirmen allerdings die Mitarbeit der Banken als Kreditgeber. Und an dieser Stelle hakt es gewaltig. „Derzeit haben die Banken die Beteiligungsfinanzierungen de facto eingestellt. Es ist fast unmöglich, noch Fremdkapital zu bekommen“, erläutert Frank Hermann, Partner der auf mittelständische Firmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft Cognetas. Allenfalls kleinere „Club-Deals“ mit mehreren Kreditinstituten seien noch möglich, bei denen eine einzelne Bank nicht mehr als 30 oder 40 Millionen Euro beisteuert, ergänzt ein Branchenfachmann. Zudem werde von den Private-Equity-Firmen erwartet, dass sie bei einer Übernahme bis zu 50 Prozent der Gelder selbst beisteuern - „und dann rechnet sich das Ganze oft nicht mehr“.
Auf Dauer wird sich diese „Schockstarre“ lösen, hofft man in der Branche. Dann winken auch wieder attraktive Renditechancen. Allerdings nicht mehr in der Größenordnung von 30 Prozent auf das eingesetzte Kapital, wie Cognetas-Partner Hermann einräumt: „Die Renditeerwartungen sind schon auf ein Niveau von etwa 20 Prozent gesunken.“ Bis der Übernahmemarkt wieder in Gang kommt, werde es allerdings noch einige Monate dauern - vermutlich sogar bis zum Jahresende 2009, erläutert er. „Im Augenblick warten alle Marktteilnehmer ab; aber das ist immer so, wenn die Preise noch im Sinken begriffen sind und die Preiserwartungen potentieller Käufer und Verkäufer stark divergieren“, ergänzt Wickenkamp.
Erwartet wird, dass so mancher Branchenriese seine Strategie ändert
Viele Private-Equity-Firmen müssen sich nun allerdings überlegen, ob ihr Geschäftsmodell noch stimmig ist. Das gilt nicht zuletzt für die ganz großen Häuser, die in den vergangenen Jahren mit zweistelligen Milliardensummen und hohem Fremdkapitaleinsatz operiert haben. Deren Markt sei durch die Kreditmarktkrise de facto geschlossen worden, heißt es in einer Studie der Schweizer Großbank UBS. Erwartet wird, dass so mancher Branchenriese seine Strategie ändert und sich häufiger auch mit Minderheitspositionen an den Zielfirmen begnügt, statt die Mehrheit zu übernehmen.
Allerdings würde ein solcher Schwenk auch einen anderen strategischen Ansatz erfordern und wird dementsprechend skeptisch gesehen. „Die Kontrolle einer übernommenen Firma ist ein elementarer Bestandteil unseres Geschäftsmodells“, erläutert ein leitender Manager einer großen amerikanischen Beteiligungsfirma. Davon werde man, wenn irgend möglich, auch nicht abweichen. Zumal viele Mittel bei den Investoren auch unter der Prämisse eingesammelt wurden, damit Unternehmen vollständig zu übernehmen, ergänzt Cognetas-Partner Hermann. „Wir hätten gar nicht das Mandat, mit diesen Geldern nur eine Minderheit einzugehen, es sei denn, eine spätere mehrheitliche Übernahme ist beabsichtigt“, sagt er.
Notbremse ziehen und aus Investments verabschieden
Die Private-Equity-Häuser müssen nun auch eine schwierige Zeit mit den Firmen überstehen, die sich schon in ihrem Besitz befinden. Wenn sich die Ergebnisse dieser Unternehmen verschlechtern - und das geschieht in vielen Wirtschaftsbranchen derzeit in rapidem Tempo -, haben die kreditgebenden Banken das Recht, die Kredite fällig zu stellen, sobald die vereinbarten Kennzahlen (Covenants) nicht mehr eingehalten werden. Solange ein Unternehmen im jetzigen Marktumfeld hinter den Erwartungen zurückbleibt, die Covenants aber noch einhält, sei das kein größeres Problem, erläutert Hermann. „Dann hält man eine Firma eben ein oder zwei Jahre länger.“ Aber wenn sich die Ergebnisse nachhaltig verschlechtern und Banken Kredite fällig stellen, dann drohe am Ende auch einer Private-Equity-Firma der Verlust des eingesetzten Kapitals.
Ein solches Risiko gehört bei einer Beteiligungsfirma zwar grundsätzlich zum Geschäft. Aber das wird Private-Equity-Investoren nicht daran hindern, ihrerseits die Notbremse zu ziehen und sich aus manchen Investments zu verabschieden. Mehrere große amerikanische Stiftungen haben schon angekündigt, den Private-Equity-Anteil in ihrem Portfolio deutlich verringern zu wollen. Mancher Investor zieht sein Geld auch ab, weil es dringend benötigt wird, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen, heißt es.
„Da haben Investoren ein Elefantengedächtnis“
Die Konsequenz lautet: Auch die Beteiligungsbranche steht wohl vor einer größeren Konsolidierungswelle. Zuerst würden wohl die Expansionspläne vieler Private-Equity-Firmen in Asien oder Osteuropa gestoppt, sagt ein langjähriger Marktbeobachter. So richtig ernst könnte es allerdings in zwei bis drei Jahren werden, wenn viele Gesellschaften wieder Geld für neue Fonds einsammeln wollen und dabei scheitern könnten, sagt Hermann.
Bis zu einem Viertel der Beteiligungsfirmen könnte dann vom Markt verschwinden, sagen Branchenkenner. Wer jetzt in der Krise zeige, dass er sein Firmenportfolio sicher steuern könne, werde auch wieder neue Gelder erhalten, sagt CAM-Gründer Wickenkamp. Für unterdurchschnittlich agierende Private-Equity-Firmen könnte es dagegen eng werden: „Da haben Investoren ein Elefantengedächtnis.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.998,95 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |