Die große amerikanische Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group hat in den ersten neun Monaten des Jahres die Rekordsumme von 15 Milliarden Dollar an ihre Investoren ausgeschüttet. Das berichtet die Zeitung „Financial Times“. Damit lässt Carlyle, die für das kommende Jahr ihren Börsengang plant, die Konkurrenz weit hinter sich. Die Summe entspricht in etwa den gesamten Ausschüttungen der großen Rivalen Blackstone, KKR und TPG im gleichen Zeitraum. Gleichzeitig hat Carlyle die Summe des verwalteten Vermögens von 107 Milliarden Dollar Ende des vergangenen Jahres auf rund 148 Milliarden Dollar gesteigert. Carlyle hat 2011 rund 8,2 Milliarden Dollar in neue Beteiligungen investiert, heißt es.
Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) sammeln Geld von Investoren ein, zu denen große Pensionskassen, Stiftungsfonds von Universitäten oder vermögende Privatanleger gehören. Mit diesem Eigenkapital und zusätzlichen Bankkrediten kaufen sie Unternehmen oder Anteile daran. Diese Unternehmen werden nach einer gewissen Haltezeit und einer Umstrukturierung weiterverkauft oder an die Börse gebracht - möglichst mit Gewinn.
Gut gewählte Zeitpunkte
Carlyle profitierte 2011 von gut gewählten Zeitpunkten für die Trennung von Unternehmen in einem schwierigen Börsenjahr. „Andere Private-Equity-Gesellschaften hatten Anfang 2011 eine pessimistischere Sicht der Welt als Carlyle“, zitiert die Zeitung einen großen Investor. Die Konkurrenten hätten die Zeitfenster aggressiver nutzen sollen, um Kasse zu machen. „Niemand war aggressiver als Carlyle dabei, Geld an die Investoren zurückzugeben“, sagte der Investor.
Im Februar war der Pipeline-Hersteller Kinder Morgan an die New Yorker Börse gegangen. Das Unternehmen, an dem Carlyle zusammen mit anderen Beteiligungsgesellschaften Anteile hielt, nahm 2,9 Milliarden Dollar auf. Kinder Morgan war die bislang größte Erstemission eines Unternehmens in den Vereinigten Staaten, hinter dem Beteiligungsgesellschaften standen. Der Ausgabepreis und das Volumen der Emission war wegen der hohen Nachfrage noch kurz vor dem Debüt angehoben worden. Im Juli veräußerte Carlyle seine Beteiligung an der Kaffee- und Donutkette Dunkin’ Brands, als deren Aktien erfolgreich an der elektronischen Börse Nasdaq debütierten.
Carlyle versilberte seine Anteile kurz bevor sich ab August wegen einer verfahrenen Debatte um den Staatshaushalt in Washington, einer Herabstufung der amerikanischen Bonität durch die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s und einer andauernden Schuldenkrise in Europa an den amerikanischen Börsen große Unsicherheit breitmachte. Viele Unternehmen sagten Börsengänge ab. Carlyle gelang in dieser Phase indes, das regionale Kabelunternehmen Insight Communications für 3 Milliarden Dollar an den Konkurrenten Time Warner Cable zu verkaufen. Im September war der Markt für Börsengänge angesichts der starken Kursschwankungen dann vollständig zum Erliegen gekommen. Zuletzt war im März 2009 ein ganzer Monat ohne Börsengänge verstrichen - nachdem die Aktienkurse nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers auf einen Tiefpunkt gefallen waren.
Im vierten Quartal erholte sich der Markt etwas. Mitte Dezember ging der drittgrößte chinesische Lebensversicherer China Pacific Insurance in Hongkong an die Börse. Das Portfolio-Unternehmen von Carlyle gab Aktien über 3,1 Milliarden Dollar aus. Das war der siebtgrößte Börsengang auf der Welt in diesem Jahr. Den genauen Zeitraum des eigenen Börsengangs hat Carlyle indes noch nicht festgesetzt. Die Gesellschaft will erst eine weitere Erholung der Aktienmärkte abwarten.
ist das jetzt eine gute Nachricht oder eine schlechte?
klaus keller (klkeller)
- 29.12.2011, 16:18 Uhr