Als größtes einzelnes Risiko empfinden deutsche Privatanleger derzeit eine Verschlimmerung der Euro-Krise. Das geht aus einer Umfrage in insgesamt zwölf europäischen Ländern hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag des britischen Vermögensverwalters Schroders durchgeführt hat.
Befragt wurden Personen mit einem Anlagevermögen von rund 60.000 Euro, wobei eigene Immobilien nicht mitgerechnet wurden. Demnach nannten 48 Prozent der Deutschen die Euro-Krise als ihre Hauptsorge, 37 Prozent schätzten eine höhere Inflation als bedeutendste Bedrohung für ihre Ersparnisse ein.
Deutsche nicht weniger furchtsam
Was die Angst angesichts der Euro-Krise angeht, sind deutsche Privatanleger damit nicht wesentlich furchtsamer als französische (43 Prozent), österreichische (56 Prozent), schwedische (48 Prozent) oder italienische (44 Prozent) Privatanleger. Die Furcht vor steigenden Preisen ist außerhalb Deutschlands aber tendenziell weniger stark ausgeprägt. Nur in Italien gab ein ähnlich großer Anteil der befragten Privatanleger an, höhere Inflation als Hauptrisiko anzusehen.
Verglichen mit den europäischen Partnerstaaten ist in Deutschland die Sorge deutlich geringer ausgeprägt, der Staat könnte die Steuern erhöhen. Das fürchten der Umfrage zufolge vor allem Spanier und Italiener und damit die Bewohner zweier Länder, die derzeit Schwierigkeiten haben, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
Höhere Steuern wären für die jeweiligen Regierungen nicht nur eine unmittelbare Alternative zur Kreditaufnahme am Markt, sondern sie gelten insbesondere in Italien als Instrument (zum Beispiel in Form von Vermögensteuern), um die hohe Staatsschuld wenigstens zu stabilisieren. In Italien wurden höhere Steuern denn auch mit merklichem Abstand als größtes Risiko eingeschätzt. In Deutschland sorgten sich wiederum nur ein Fünftel der befragten Privatanleger, dass in absehbarer Zeit eine höhere Steuerbelastung auf sie zukommen könnte.
Auch die Profis sind verunsichert
Die hierzulande größer gewordene Unsicherheit über den Fortgang der Euro-Krise ist auch daran abzulesen daran, wie Privatanleger offenbar reagieren wollen. Nach der Yougov-Umfrage planen 38 Prozent der Befragten, eine Immobilien zu kaufen, nur rund ein Drittel hält die Devise „Abwarten und Tee trinken“ für geeignet. Noch vor einem Jahr war beinahe die Hälfte dieser Ansicht gewesen. Außerdem plant rund ein Viertel der Befragten, Wertpapiere oder Finanzprodukte zu erwerben, die ein regelmäßiges Einkommen abwerfen.
Die allgemeine Verunsicherung ist unterdessen augenscheinlich nicht nur unter Privatanlegern groß, sondern auch unter professionellen Investoren. Das ergab sich aus einer Umfrage des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (AGI) unter 138 institutionellen Investoren - meist Pensionskassen -, die insgesamt rund 880 Milliarden Euro verwalten.
Als größte Gefahren, um ihre Renditeziele in den kommenden zwölf Monaten zu erreichen, schätzen diese Anleger die nach wie vor hohen Kursschwankungen an den Börsen insgesamt ein. Verglichen mit dem Herbst des vergangenen Jahres, als die letzte vergleichbare AGI-Studie herauskam, werden (weiter) sinkende Zinsen mittlerweile wesentlich häufiger als bedeutendes Risiko genannt.
Der Euro bleibt
Auch das niedrige Zinsniveau bereitet für sich genommen Sorgen. Interessanterweise erachtet von den befragten institutionellen Investoren ein größerer Anteil die Staatsanleihemärkte als Risiko als einen Einbruch der Aktienkurse. Auf die Frage, welche Anlageklasse die sicherste im gegenwärtigen Marktumfeld sei, votierte gleichwohl ein Drittel der Befragten für Staatsanleihen, ein weiteres Drittel nannte reale Werte wie Aktien, Immobilien oder Infrastruktur. In allen Bereichen seien allerdings Qualitätstitel gefragt.
Was den Fortbestand der Währungsunion anbelangt, glaubt die große Mehrheit der Investoren, dass der Euro bestehen bleibt. So äußerten sich rund 90 Prozent der befragen deutschen und 100 Prozent der befragten französischen Investoren. In Italien teilen nur zwei Drittel dieser Anleger diese Meinung.
In Deutschland bleibt die Furcht vor Inflation ausgeprägter als in den Nachbarländern.