Für Privatanleger zeichnet sich ein deutlich besserer Zugang zu Investitionen in Infrastrukturprojekte ab. Geht es nach dem Gesetzgeber, soll schon Mitte dieses Jahres die Auflegung so genannter Infrastruktur-Sondervermögen möglich werden. Damit entsteht ein völlig neues Anlageprodukt, das hierzulande Schwung in die von Politikern viel beschworenen öffentlich-privaten Partnerschaften – verbreitet ist die englische Bezeichnung Public Private Partnership oder PPP – bringen sollte.
Erste Reaktionen aus dem Zielpublikum deuten auf einen gelungenen Vorstoß hin. „Ich bin überrascht, dass man so innovativ ist“, sagt Jürgen Raeke, der bei der Berenberg-Bank in Hamburg die Auswahl der Kapitalanlageprodukte für die vermögende Kundschaft verantwortet. Obwohl noch Fragen offen seien, befinde sich der Gesetzgeber auf dem richtigen Weg.
Stabile Ausschüttung zu erwarten
Interessant ist eine Geldanlage in Infrastrukturprojekten vor allem, weil die Anleger in der Regel eine stabile Ausschüttung erwarten können. „Die Einnahmen des Fonds sind im Normalfall auf viele Jahre festgeschrieben“, beschreibt Raeke eines der zugkräftigen Verkaufsargumente. Die Ausgestaltung von PPP-Fonds ist im Entwurf zur Änderung des Investmentgesetzes, den das Bundesfinanzministerium in der vergangenen Woche vorgestellt hat, schon ziemlich konkret formuliert.
Marktbeobachter siedeln das neue Anlagevehikel zwischen offenen und geschlossenen Immobilienfonds an: Ein Merkmal wird beispielsweise sein, dass der Erwerb und die Rückgabe von Fondsanteilen nicht so flexibel wie bei klassischen Investmentfonds, allerdings auch nicht so statisch wie bei geschlossenen Fonds sein werden. Der Anteilswert, auf dessen Basis der Einstieg möglich wird, muss nur einmal im Monat und nicht börsentäglich ermittelt werden. Gleichzeitig dürfen die Anteile nur an höchstens zwei Terminen im Jahr an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. „Durch diese Bestimmung kommt der Charakter von Infrastruktur-Sondervermögen als Vehikel für eine langfristige Vermögensanlage besonders zur Geltung“, heißt es in den Erläuterungen zum Gesetz.
Bisher nur geschlossene Fonds
Unter großen institutionellen Anlegern haben Investitionen in die Infrastruktur in den vergangenen Jahren durchaus schon einen nennenswerten Verbreitungsgrad erreicht. Hervorgetan hat sich hier unter anderem die Deutsche Bank. Für ihren aktuell in der Plazierung befindlichen „Pan-European Infrastructure Fund“ peilt die Immobiliengesellschaft der Bank ein Volumen von bis zu 2 Milliarden Euro an. Für vermögende Privatanleger blieb der Zugang bislang auf geschlossene Fonds beschränkt, wie sie etwa die australische Macquarie-Bank vor anderthalb Jahren erstmals in Deutschland anbot.
Die neuen PPP-Fonds bedeuten vor diesem Hintergrund eine Verbesserung, weil sie nicht die Nachteile einer unternehmerischen Beteiligung wie die kaum vorhandene Handelbarkeit (Fungibilität) mit sich bringen. Offen ist allerdings die Frage, welche Objekte sich im Portfolio wiederfinden werden. Die Teilnahme an Projektentwicklungen schließt der Gesetzentwurf aus. Die Fonds sollen sich auf den Betrieb beschränken.
Anleger investieren in öffentliche Einrichtungen
Investitionen privater Geldgeber in öffentliche Einrichtungen wie Transportwege, Kommunikationsnetze, Schul- oder Verwaltungsgebäude sind hierzulande bisher noch kaum entwickelt. Die Bundesregierung hat jedoch angekündigt, den Anteil solcher Partnerschaften an den öffentlichen Investitionen auf das Niveau von 15 Prozent zu heben. „Die Einführung von PPP-Fonds ist angesichts knapper öffentlicher Budgets aus volkswirtschaftlicher Sicht begrüßenswert“, sagt Bärbel Schomberg, Geschäftsführerin der Allianz-Immobiliengesellschaft Degi.
Mit einem rasch anschwellenden Angebot an PPP-Fonds ist allerdings nicht zu rechnen. Die meisten Anbieter von offenen und geschlossenen Immobilienfonds äußerten sich auf Anfrage zwar interessiert. Den Großteil ihrer Aufmerksamkeit beansprucht derzeit aber erst einmal die Einführung der steuerbegünstigten Immobilienaktien (Reits) in Deutschland.