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Positive Wertentwicklung verfehlt Viele Absolute-Return-Fonds brechen Versprechen

Absolute-Return-Fonds versprechen: Sie bringen immer nur Gewinn und nie Verlust. Doch das schaffen viele nicht.

© dpa Vergrößern Manchmal bleibt nur wenig übrig: Viele Absolute-Return-Fonds verfehlen ihr Ziel

Ein Viertel aller Fonds, die eine absolut positive Wertentwicklung anstreben, hat dieses Ziel in den vergangenen fünf Jahren verfehlt. Dies geht aus einer bisher unveröffentlichten Studie der Fondsgesellschaft Lupus Alpha auf Basis von Daten des Fondsanalysehauses Lipper hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

Dennoch sieht die Fondsgesellschaft Fortschritte. Denn umgekehrt hätten 75 Prozent aller 166 untersuchten Absolute-Return-Fonds über einen Zeitraum von fünf Jahren ihr Produktversprechen gehalten und eine absolut positive Wertentwicklung erzielt. „Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von fast 20 Prozent“, heißt es in der aktuellen Studie unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der Auswertung, die Lupus Alpha vor einem Jahr durchführte. „Im Juni 2012 konnten nur 58,8 Prozent eine positive Rendite aufweisen.“ Im Durchschnitt lag die Wertsteigerung bei 1,41 Prozent jährlich nach 0,5 Prozent vor einem Jahr. „Immer mehr Absolute-Return-Fonds halten damit langfristig ihr Versprechen“, fasst Ralf Lochmüller, Sprecher des Vorstands der Lupus Alpha Asset Management AG in Frankfurt, das Ergebnis zusammen. „Angesichts des schwierigen Marktumfelds ist das ein durchaus achtbares Ergebnis.“

Hohe Wertverluste in der Finanzkrise

Absolute-Return-Fonds kommen ursprünglich aus der Welt der Hedgefonds und sind in den vergangenen Jahren stark in Mode gekommen. Ihre Fondsmanager sind mit dem Versprechen angetreten, dass sie in jeder Marktphase einen Wertzuwachs erreichen können, und dies meistens bei einer geringen Schwankungsanfälligkeit des Anteilspreises. Absolute Return nennen sich diese Fonds, weil die Anleger die Leistungsstärke dieser Produkte nicht daran messen sollen, ob sie besser oder schlechter als ein Vergleichsindex abschneiden und somit relativ erfolgreich sind, sondern ob sie absolut in jeder Marktphase eine Wertsteigerung erreichen.

Dazu wenden Fondsmanager verschiedene Strategien an. Eine einfache Methode kann beispielsweise darauf beruhen, dass er stets diejenigen Kapitalanlagen auswählt, von denen er in den kommenden Jahren eine positive Rendite erwartet. Häufiger jedoch setzen die Fondsmanager Terminmarktinstrumente ein und verkaufen unter Umständen auch Aktien oder Anleihen auf Termin, ohne sie zum Zeitpunkt des Verkaufs zu besitzen. Geht die Wette auf, kann sich der Fondsmanager später zu günstigeren Kursen eindecken, seine Lieferverpflichtung einhalten und auch bei fallenden Notierungen einen Gewinn einstreichen. Daneben gibt es noch viele andere Strategien.

Das Konzept geriet in den vergangenen Jahren in die Kritik, nachdem viele Absolute-Return-Fonds auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, besonders in den Jahren 2008 und 2009, zum Teil hohe Wertverluste ausweisen mussten. Der maximale Verlust von Absolute-Return-Fonds lag über die vergangenen fünf Jahre laut der Studie von Lupus Alpha bei einem Minus von 14,5 Prozent. Damit ist ihr Maximalverlust immer noch geringer als mit amerikanischen Aktien, die, gemessen am Aktienindex S&P 500, bis zu 42,7 Prozent verloren hatten, oder als mit europäischen Aktien, die, gemessen am Index Euro Stoxx 50 für Standardwerte aus dem Euroraum, in der Spitze 41,3 Prozent abgegeben hatten.

Zahl der Neuauflegungen rückläufig

Die Zahl der Absolute-Return-Fonds in Deutschland ist laut der Studie von 619 im vergangenen Jahr auf zuletzt 578 gesunken. Dennoch ist das Vermögen, das in diesen Fonds angelegt ist, von 104 Milliarden Euro im Vorjahr auf nun 116 Milliarden Euro gestiegen, wobei in der Studie nicht ausgewiesen wird, wie sich dieser Anstieg auf neues Geld und Kurssteigerungen verteilt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sei die Zahl der Neuauflegungen rückläufig. 55 Fondsschließungen stünden nur 14 neu aufgelegten Fonds gegenüber. Im Jahr 2012 hätten 78 Schließungen 77 Neuauflagen gegenübergestanden. „Durch das schwierige Umfeld der vergangenen Jahre ist die Zahl der Fondsschließungen auf einem sehr hohen Niveau“, kommentiert Lupus Alpha. „Insgesamt deutet sich an, dass sich der Markt weiter verdichtet.“

Diese Entwicklung liegt jedoch im Markttrend, wie aus einer Studie hervorgeht, die Lipper in der vergangenen Woche veröffentlicht hat. Demnach wurden im zweiten Quartal dieses Jahres 127 Fonds in Deutschland aufgelöst und 75 mit anderen Fonds zusammengelegt. Dem standen nur 53 Neuauflagen gegenüber. Insgesamt waren per Ende Juni 9209 Fonds zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassen. „Ein Vergleich der zweiten Quartale der letzten fünf Jahre zeigt, dass die Zahl der neu aufgelegten Produkte den niedrigsten Stand im Betrachtungszeitraum erreicht hat“, kommentieren die Lipper-Analysten Detlef Glow und Christoph Karg die Zahlen. „Verglichen mit dem zweiten Quartal 2012, hat sich die Zahl neu lancierter Fonds um ein Drittel verringert.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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