http://www.faz.net/-gv6-8fbwh

Fondsmanagergespräch : „Investieren in Wasser ist keine Hexerei“

Liquides Asset: Investitionen in die Wasserversorgung können sich lohnen. Bild: dpa

Renaud de Planta von Pictet sieht neue Chancen für Kapitalanlagen in Schwellenländern gekommen. Nachhaltigkeit und Zukunftsforschung sind für ihn weitere interessante Anlageideen.

          Kapitalanlagen in Schwellenländern haben sich in den vergangenen Jahren für Anleger aus Industrienationen als eine Art Berg-und-Tal-Bahn erwiesen. Renaud de Planta ist darüber nicht erstaunt. „Einige Anleger hatten vergessen, dass Kapitalanlagen in Schwellenländern riskant sind“, sagt der langjährige Partner der Schweizer Pictet-Gruppe in einem Gespräch mit der F.A.Z. „Daher haben sie in den vergangenen Monaten das Handtuch geworfen.“

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Seit einigen Wochen steigen die Kurse vieler Aktien und Anleihen aus Schwellenländern wieder. De Planta erläutert den Zusammenhang: „Die Preise für Kapitalanlagen in Schwellenländern sind großen Zyklen unterworfen, die unter anderem vom Dollar, von den Rohstoffpreisen und von der Entwicklung der Weltwirtschaft beeinflusst werden.“

          Aktienfonds Schwellenländer
          Fonds Isin Wertentwicklung p.a.
          lfd. Jahr 3 Jahre 5 Jahre
          Oyster Emerging Opportunities LU0782835051 6,3% - -
          Threadneedle Global EM Equities LU0198729559 6,2% -4,6% -4,4%
          Comstage S&P SMIT 40 Index LU0860821874 5,2% -5,2% -
          Invesco EM Quantit. Equity Fund LU0503255126 4,4% -7,7% -5,3%
          Pictet EM High Dividend LU0725973209 4,0% -8,1% -
          Klassik Aktien Emerging Markets AT0000A0J7X2 3,8% -3,6% -1,7%
          GS&P Fonds Schwellenländer G LU0273373414 3,8% -2,2% -3,3%
          Templeton EM Fund LU0626262082 3,7% -9,3% -
          CS Global EM ILC Equity Fund LU0475784855 3,6% - -
          Quelle: Fondsweb

          Die 1805 in Genf gegründete Pictet-Gruppe betrachtet Kapitalanlagen in Schwellenländern als eine ihrer Spezialitäten. Sie versteht sich als eine konzernunabhängige, global arbeitende Vermögensverwaltung für vermögende Privatpersonen und für andere Finanzhäuser. De Planta bezeichnet Pictet als eine integrierte Investmentgruppe, die aus dem traditionellen schweizerischen Privatbankgeschäft herausgewachsen ist. Das von sieben Teilhabern geführte Unternehmen beschäftigt mehr als 3800 Mitarbeiter an 26 Standorten und verwaltet Vermögen über rund 400 Milliarden Euro für Kunden aus rund 80 Ländern. De Planta, der früher für die schweizerische Großbank UBS arbeitete, stieß im Jahre 1998 zu Pictet.

          „Heute befinden wir uns wahrscheinlich in der Nähe eines zyklischen Tiefs der Preise von Anleihen und Aktien aus Schwellenländern“, wirbt de Planta für die zuletzt verschmähte Anlageklasse. „Unsere Modelle geben klare Kaufsignale für Regierungsanleihen. Ihre Durchschnittsrendite beträgt 7 Prozent in lokalen Währungen. Und die lokalen Währungen sind bei längerfristiger Betrachtung um 28 Prozent gegenüber dem Dollar unterbewertet.“

          Aktienfonds Schwellenländer
          Fonds Isin Volumen Lfd. Kosten Agio
          Oyster Emerging Opportunities LU0782835051 36 Mio. € 1,38% 5,00%
          Threadneedle Global EM Equities LU0198729559 4 Mio. $ 1,86% 5,00%
          Comstage S&P SMIT 40 Index LU0860821874 10 Mio. € 0,60% 0,00%
          Invesco EM Quantit. Equity Fund LU0503255126 45 Mio. $ 1,04% 5,26%
          Pictet EM High Dividend LU0725973209 100 Mio. € 2,21% 5,00%
          Klassik Aktien Emerging Markets AT0000A0J7X2 10 Mio. € 2,14% 5,00%
          GS&P Fonds Schwellenländer G LU0273373414 16 Mio. € 1,90% 5,00%
          Templeton EM Fund LU0626262082 465 Mio. $ 2,50% 5,54%
          CS Global EM ILC Equity Fund LU0475784855 260 Mio. $ 2,18% 3,00%
          Quelle: Fondsweb

          Denn nicht nur viele Kurse von Anleihen und Aktien aus Schwellenländern sind im vergangenen Jahr gefallen. Auch hatten sich die Kurse vieler Währungen gegenüber dem Dollar und dem Euro erheblich ermäßigt. Freilich stellt sich bei Staatsanleihen auch die Frage nach der Bonität. Hier sieht de Planta keine grundsätzlichen Nachteile; eher das Gegenteil sei der Fall: „Ein Vorteil der Regierungsanleihen besteht im häufig nicht hohen Bonitätsrisiko. Aus unserer Sicht ist Korea sicherer als Italien.“

          Riskanter, aber auch chancenreicher könnten Aktien sein, für die zudem die Währungsseite ein Kaufargument darstellt. „Die Unterbewertung lokaler Währungen ist auch ein Argument für den Kauf von Aktien aus Schwellenländern“, sagt de Planta. „Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis notieren diese Aktien mit einem Abschlag von 28 Prozent gegenüber Aktien aus Industrienationen.“ Wer als deutscher Anleger in Schwellenländer investieren wolle, solle dies langfristig tun und breit diversifizieren.

          Aktienfonds Wasser
          Fonds Isin Wertentwicklung p.a.
          lfd. Jahr 3 Jahre 5 Jahre
          KBI Institutional Water Fund IE00B2Q0L939 0,1% 7,3% 11,5%
          Robeco SAM Sustainable Water Fund LU0805493185 -0,2% - -
          JSS Sustainable Water LU0950593250 -0,7% - -
          Lyxor ETF World Water D FR0010527275 -0,7% 16,5% 16,5%
          Pictet Water LU0239939290 -1,6% 11,8% 13,1%
          DWS Water Sustainability DE000DWS0DT1 -2,5% 10,2% 1,6%
          Variopartner Tareno Waterfund LU0319773635 -2,5% 9,5% 11,9%
          Swisscanto Global Water Invest LU0302977094 -3,7% 8,7% 11,1%
          Power Shares Global Water IE00B23D9026 -4,1% 9,0% 6,3%
          Quelle: Fondsweb

          De Planta hat beobachtet, dass viele Anleger über Indizes in Schwellenländer investieren. Das hat Einfluss auf die regionale Gewichtung. So haben die Märkte Lateinamerikas in Schwellenländer-Aktienindizes eine geringere Gewichtung als in Anleiheindizes. Ein nachhaltig größeres Interesse für Kapitalanlagen in Afrika, das immer wieder einmal behauptet wird, könne er nicht feststellen, sagt de Planta. Dieses Interesse sei wohl eher anekdotisch.

          Immer noch dienen vor allem Weltindizes für Schwellenländer die wichtigste Orientierungsmarke, auch wenn zunehmend regionale Indizes Investitionsmöglichkeiten bieten. Noch nicht enthalten in vielen Indizes ist China, weil das Land noch nicht die Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds (IWF) besitzt.

          Aktienfonds Wasser
          Fonds Isin Volumen Lfd. Kosten Agio
          KBI Institutional Water Fund IE00B2Q0L939 151 Mio. € 0,10% 0,00%
          Robeco SAM Sustainable Water LU0805493185 603 Mio. € 1,45% 5,00%
          JSS Sustainable Water LU0950593250 202 Mio. € 1,67% 5,00%
          Lyxor ETF World Water D FR0010527275 275 Mio. € 0,60% 0,00%
          Pictet Water LU0239939290 3,1 Mrd. € 0,18% 5,00%
          DWS Water Sustainability DE000DWS0DT1 110 Mio. € 1,48% 5,00%
          Variopartner Tareno Waterfund LU0319773635 138 Mio. € 1,46% 3,00%
          Swisscanto Global Water Invest LU0302977094 192 Mio. SFR 1,51% 5,00%
          Power Shares Global Water IE00B23D9026 4 Mio. € 0,75% 0,00%
          Quelle: Fondsweb

          Diese Mitgliedschaft steht aber bevor und nach Ansicht de Plantas wird die Einbeziehung des riesigen Reichs in die Indizes von Schwellenländern dramatische Veränderungen für das Anlageverhalten mit sich bringen. Über China gehen die Ansichten an den Finanzmärkten auseinander. Die meisten Kunden zögerten, berichtet der Banker, eine Minderheit betrachte China als einen interessanten Platz für Anlagen, de Plantas Einschätzung ist vorsichtig optimistisch: „In China wird es wahrscheinlich wirtschaftliche Probleme geben, aber die Lage des Landes wird im Westen häufig zu schwarz gemalt.“

          Investieren in Wasser

          Schwellenländer sind ein Schwerpunkt in der Fondspalette von Pictet; ein anderer sind spezialisierte Anlagethemen, die über einen längeren Zeitraum attraktiv sein sollten. Dazu zählt de Planta aktuell Sicherheit und Robotics; das Finanzunternehmen arbeitet unter anderem mit einem Institut für Zukunftsforschung in Kopenhagen zusammen.

          Ein Thema, für das Pictet schon lange wirbt, ist das Wasser. „Unser Wasserfonds hat seit dem Jahr 2000 mit einer jährlichen Rendite von 6 bis 7 Prozent sehr gut abgeschnitten“, berichtet de Planta. „Der Fonds hat alle Krisen an den Aktienmärkten gut überstanden.“ Mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro ist der Pictet-Fonds der größte Wasser-Fonds der Welt. Käufer von Anteilen sind unter anderem am Thema Nachhaltigkeit interessierte institutionelle Anleger aus europäischen Ländern.

          Auch wenn das Investmentthema Wasser mittlerweile auch von anderen Anbietern bearbeitet wird, sieht de Planta keine generelle Überbewertung: „Investieren in das Thema Wasser ist keine Hexerei. Es gibt genügend Aktien börsennotierter Unternehmen.“ Denn nicht nur Wasserversorger zählen zu diesem speziellen Universum, sondern zum Beispiel auch Unternehmen, die technischen Fortschritt bei der Reinigung von Wasser nutzen. De Planta sieht generell einen großen Investitionsbedarf in die Wasser-Infrastruktur.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hat Warren Buffett einen Fehler gemacht?

          IBM-Aktie im Plus : Hat Warren Buffett einen Fehler gemacht?

          Kursfeuerwerk beim Börsenflop: Der Aktienkurs des Technologieriesen IBM ist in dieser Woche deutlich gestiegen. Andere prominente Aktien gingen dagegen auf Talfahrt – obwohl dem Produkt ein „Superzyklus“ prognostiziert wird.

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Spanien will Regionalregierung absetzen

          Die Zentralregierung will die katalanische Regionalregierung absetzen. Zuvor muss noch der Senat zustimmen. Die Separatisten könnten aber noch für eine Überraschung sorgen.

          Umgang mit Hinterbliebenen : Fehler? Ich doch nicht!

          Donald Trump wurde wieder einmal bei einer Unwahrheit ertappt. Diesmal versuchte das Weiße Haus, seine Aussage im Nachhinein wahr zu machen. Die Debatte um Kondolenzanrufe geht jedoch nicht nur dadurch immer weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.