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Osteuropa Neuer Fonds erschließt Balkan und Baltikum

12.04.2006 ·  Der Berenberg-Balkan- Baltikum-Universal- Fonds ist für die Region der erste in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Fonds. Die Initiatoren wetten darauf, daß die altbekannte Konvergenzstory die Kurse weiter nach oben zieht.

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Zahlreiche Länder auf dem Balkan und im Baltikum bereiten ihre Wirtschaft auf den Euro vor. Von der Erweiterung der Europäischen Union können sowohl Unternehmen als auch Anleger profitieren - und zwar langfristig. So lautet die Anlageidee, auf die der im März aufgelegte Berenberg-Balkan-Baltikum-Universal-Fonds (Isin DE000A0HF400) basiert.

Über diesen vom Private-Label-Spezialisten Universal-Investment initiierten Fonds zu berichten, ist deshalb interessant, weil es der erste seiner Art in Deutschland überhaupt ist. Denn aus aufsichtsrechtlichen Gründen war es bisher hierzulande nicht erlaubt, reinrassige Fonds mit Zielregion Balkan aufzulegen. Durch diese etwas rückständige Auffassung des Aufsichtsamtes sind den deutschen Anlegern schon schöne Gewinnchancen entgangen. Denn die Börsen sind sowohl auf dem Balkan als auch im Baltikum in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Und speziell einige skandinavische Fondsgesellschaften haben davon mit ihren speziell aufgelegten Regionenfonds bereits stark profitiert.

Der Nachteil der späten Genehmigung ist, daß manche dieser Märkte inzwischen zumindest optisch einen bereits relativ hohen Bewertungseindruck hinterlassen. Doch Berenberg-Fondsberater Ralf Luther sieht das etwas anders. Er siedelt die Kurs-Gewinn-Verhältnisse aktuell in einer Region zwischen elf (Lettland) und 16 (Rumänien) an. „Und besonders im Hinblick auf das erwartete überdurchschnittlich hohe Gewinnwachstum der Unternehmen in diesen Ländern stellt das ein noch sehr attraktives Bewertungsniveau dar.“

Das hohe Wirtschaftswachstum stimmt zuversichtlich

Von der scharfen Korrektur, die sich im ersten Quartal an den baltischen Börsen einstellte, läßt sich Luther ebenso wenig schrecken wie von der in den baltischen Staaten anziehenden Inflation und den teilweise hohen Leistungsbilanzdefiziten. „Wir finden die baltischen Aktienmärkte nicht teuer und stufen die zuletzt eingetretene Korrektur nur als normale gesunde Korrektur nach zuvor erfolgten starken Kursanstiegen ein. Wirtschaftlich sind die Perspektiven für die Region in den nächsten Jahren glänzend. Alle Länder stehen vor einem lange anhaltenden überdurchschnittlichen Wachstum, das die Aktienmärkte sicherlich weiter beflügeln sollte.“

Luther sollte eigentlich wissen, wovon er spricht. Schließlich verwalten er und seine Kollegen auch den Berenberg Magyar Budapest Fonds und den Berenberg-Hellas Olympia Fonds UI und sind dadurch schon seit längerem auch in Osteuropa aktiv. Etwaigen Risiken, die aus der teilweise noch geringen Liquidität dieser Aktienmärkte resultieren könnten, versuchen die Fondsberater mit einer breiten Streuung der Anlagemittel zu begegnen.

Das Konzept scheint bei den Kunden anzukommen. Denn mit dem inzwischen eingesammelten Kapital von fast 50 Millionen zeigt sich Luther sehr zufrieden. Angelockt werden die Investoren dabei vermutlich durch die Aussicht auf in den kommenden Jahren überdurchschnittlich hohe Wirtschaftswachstumsraten. Dabei gilt laut Luther Kroatien auf dem Balkan mit einem erwarteten Anstieg beim Bruttoinlandsprodukt 2006 von 4,2 Prozent sogar noch als „Bremsklotz“, da Rumänien und Bulgarien jeweils fast 5,5 Prozent erreichen dürften. Auf dem Baltikum sieht es dem Vernehmen nach sogar noch besser aus: Für Estland und Lettland werden in diesem Jahr jeweils Wachstumsraten von mehr als acht Prozent erwartet.

Konvergenzstory nach altbekanntem Muster erhofft

Die Geschichte läuft dabei ähnlich wie schon in anderen Fällen ab: Über eine wachsende haushaltspolitische Disziplin und der EU- bzw. EWU-Annäherung kommt es zu deutlich fallenden Inflationsraten. Das wiederum bewirkt fallende Zinsen und eine Konvergenz des Zinsniveaus an westeuropäische Verhältnisse. Außerdem investieren ausländische Unternehmen wegen der vergleichsweise niedrigen Steuern und Lohnkosten rege in diesen Ländern. Die Unternehmenssteuersätze liegen in Bulgarien, Litauen (beide 15 Prozent) und Rumänien (Flat-Tax von 16 Prozent) nicht einmal halb so hoch wie derzeit in Deutschland (38,7 Prozent). In Estland zahlen die Unternehmen auf reinvestierte Gewinne sogar überhaupt keine Steuern. Bei den Lohnkosten ergeben sich noch größere Unterschiede: Der durchschnittliche Monatslohn beträgt in Bulgarien 148 Euro, in Rumänien 170 Euro, in Lettland 266 Euro - in Deutschland hingegen 2.220 Euro. Der erwartet hohe Zufluß an ausländischen Direktinvestitionen bewirkt deutlich steigende Pro-Kopf-Einkommen, mit positiven Folgen für den Konsum und die Unternehmensgewinne. Gleichzeitig gehören diese Länder nach Angaben der Fonds-Initiatoren zu den reformeifrigsten der Welt, wenn es darum geht, neue Unternehmen zu gründen und bürokratische Hürden abzuschaffen.

Als Konsequenz dieser Rahmenbedingungen glauben die für den Berenberg-Balkan-Baltikum-Universal-Fonds Verantwortlichen daran, daß die meisten Aktienmärkte dieser Regionen in den kommenden Jahren hochinteressante Investmentchancen bieten werden. Wobei aber gleichzeitig auch darauf hingewiesen wird, daß bei den Kursen mit einer höheren Schwankungsbreite als an den etablierten Aktienmärkten gerechnet werden müsse.

Dem Fondsberater gefallen die Börsen in Kroatien und der Türkei besonders gut

Für besonders interessant hält Luther derzeit die Märkte in Kroatien und der Türkei. In Kroatien wittert er Nachholbedarf, weil die dortige Börse in den vergangenen Jahren nur unterdurchschnittlich gelaufen sei. Für die Türkei spreche die nach wie vor attraktive Bewertung und das sehr starke Gewinnwachstum der Unternehmen. Auf Basis der Einzelwerte streicht er Titel wie Pliva, Ericsson Tesla,Tallina Water, Mazeiku Nafta, Ukrnafta, Urktelecom und Latvijas Gaze hervor.

Langfristig orientierte Investoren, die an die beiden Zielregionen glauben, können zur Depotbeimischung durchaus an ein Investment in dem neuen Fonds nachdenken. Eine saubere Lösung wäre es allerdings gewesen, den Balkan und das Baltikum nicht in einen Topf zu werfen. Zumindest sprechen dagegen die unterschiedlichen Entwicklungsstadien, in denen sich diese Regionen befinden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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