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Kapitalanforderungen : Mittel- und Osteuropa leiden unter Bankenregulierung

Bank Austria in Wien Bild: Reuters

Die Kapitalanforderungen der Banken bremsen das Wachstum der Wirtschaft. Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen bereitet das Schwierigkeiten.

          In Zentral- und Osteuropa bremsen die Kapitalanforderungen der Banken das Wachstum der Wirtschaft. Zwar gibt es je nach Land ein unterschiedliches Kreditwachstum. Doch ist der Zugang vor allem für kleine und mittlere Unternehmen trotz niedriger Zinsen und Liquidität schwierig. Sie profitieren davon gar nicht, beschreibt Jozef Sikela, Vorstand für das Firmenkundengeschäft der Erste Group, die Lage. Das österreichische Finanzinstitut ist einer der führenden Anbieter in der Region. „Unsere Aufgabe als Bank ist es, Kunden durch Höhen und Tiefen zu führen“, sagt Sikela der F.A.Z. Das sei unter den herrschenden Bedingungen unmöglich. Früher habe man Anpassungen vorgenommen, wenn Kunden schwierige Phasen durchschritten hätten. Jetzt müsse man sofort den Kredit klassifizieren und Risikovorsorge bilden.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die persönliche Einschätzung gegenüber einem Kreditnehmer falle weg. „Das alles belastet schlussendlich die Möglichkeit der Kreditvergabe.“ Die Regulierung bereitet den Unternehmen vor allem in der ersten Unternehmensphase Probleme. Der Kreditzugang in der Frühphase sei extrem schwer, bestätigt Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die derzeitige Regulierungspraxis erschwert es für Banken demnach, Risiko zu übernehmen. Entweder müssen Kredite mit hohen Risikogewichten bewertet und entsprechend mit Kapital unterlegt werden, was die Eigenkapitalausstattung der Banken belastet, oder die Zinssätze für die Kredite werden so uninteressant, dass Unternehmer vor Investitionen zurückschrecken. In Mittel- und Osteuropa ist die Abhängigkeit der Unternehmen von Banken viel stärker ausgeprägt als von Kapitalmärkten.

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          Neun Zehntel der Betriebe finanzieren sich über Banken, während es in Amerika ein Drittel ist und in der EU 80 Prozent. Ohne Eigenkapital, einer guten Bonitätsbewertung und Sicherheiten kommen sie zu keinem Fremdkapital. Ohne Investitionen wiederum wird das Wachstum beeinträchtigt. Christian Keuschnigg, Ökonom an der Universität Sankt Gallen, beziffert den Wachstumsverlust mit einem halben Prozentpunkt. Banken bestreiten zwar, dass es wegen der strengeren Regulierung als Folge der Finanzkrise eine Kreditklemme gibt. Doch eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) widerspricht ihnen. Gleich kreditwürdige Unternehmen erhalten demnach einen Kredit oder auch nicht – je nachdem, wie gut die Kapitalausstattung ihrer Hausbank ist.

          Für ihre Untersuchung mit dem Titel „The Credit Channel And the Role of Monetary Policy – A Micro Data Approach“ haben Franz Hahn und die Ko-Autoren die Daten von 950 kleinen und mittleren Unternehmen ausgewertet, denen 235 Geldhäuser gegenüberstanden. Das Ergebnis: Ob ein Unternehmen einen Kredit bekommt, hängt vor allem von der Kapitalisierung der Bank ab. Da könnten Österreichs Banken als maßgebliche Akteure in Zentral- und Osteuropa besser sein. Das Risiko von Einschränkungen bei der Kreditvergabe dürfte viel höher sein, als viele Fachleute bereit sind zu glauben, sagen die Ökonomen. Denn es kommt zu Umsatz- und Beschäftigungseinbußen, die nicht nur vorübergehend sind.

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