01.09.2010 · Immer mehr Deutsche informieren sich laut einer GfK-Studie bei Finanzthemen erst online und suchen dann das Gespräch mit dem Bankberater. Der bleibt aber wichtig, denn Geschäftsabschlüsse machen Bankkunden bisher nur selten online.
Von Hanno MußlerFast 60 Prozent aller Deutschen informieren sich im Internet, bevor sie ihr Geld neu bei einer Bank anlegen. In wenigen Fällen, bei knapp 11 Prozent aller Finanzgeschäfte, kommt es dann auch zu einem Geschäftsabschluss online. Vor allem dient das Internet vielen Deutschen dazu, sich zu informieren und Finanzentscheidungen vorzubereiten. Dies sind Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), des Internetsuchmaschinenbetreibers Google und der Deutschen Bank, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.
Die Marktforscher aus Nürnberg haben das Bankkundenverhalten im Internet und außerhalb erforscht. Als Basis dient, dass der GfK 20.000 Haushalte regelmäßig über ihre Kontakte zu Finanzdienstleistern berichten, etwa über die Verträge, die sie mit ihnen abgeschlossen oder gekündigt haben. 5000 der 20.000 Haushalte haben der GfK nun zusätzlich erlaubt, ihren Internet-Verkehr aufzuzeichnen. Aus der Menge aller Daten wurden die finanzmarktrelevanten Internetseiten und Suchanfragen herausgefiltert. Dabei erstaunt ein Ergebnis besonders: In der Altersgruppe der über 60 Jahre alten Bankkunden informieren sich 54 Prozent vor Abschluss eines Finanzgeschäftes im Internet; in der jüngeren Altersgruppe der 40 bis 49 Jahre alten Bankkunden bereiten sich dagegen nur 43 Prozent vor einem Gespräch mit dem Bankberater zuvor online vor. Allerdings wurden nur die privaten Computer erfasst, der Internet-Verkehr etwa im Büro bleibt außen vor.
Geschäftsabschluss im persönlichen Gespräch
49 Millionen Deutsche nutzen heute das Internet, im Jahr 2000 waren es erst 19 Millionen. Kein Wunder, dass dieses für viele seither neue Medium auch für Finanzthemen an Bedeutung gewinnt. Die Deutsche Bank indes zieht aus der Studie einen doppelten Schluss: ein umfangreiches Informationsangebot im Internet sollte eine Bank vorhalten, doch eine Position in der realen Welt etwa über Filialen bleibt wichtig, meint Pressesprecher Michael Lermer.
Die Schwierigkeiten einer rein „virtuellen Präsenz“ zeigen sich auch daran, wie Internet-Nutzer vorgehen. Auf der Suche nach Finanzinformationen gehen die meisten direkt auf die Seite ihnen bekannter Finanzinstitute und Medien. „Marken geben Orientierung, auch online“, stellt Antje Stobbe von der Deutschen Bank Research fest. Nur 36 Prozent aller Bankkunden, die sich im Internet informierten, nutzten die Suchmaschine Google, ergab die Studie.
In 48,6 Prozent aller Fälle machen die Deutschen demnach zunächst eine Internet-Recherche, gehen dann aber in eine Bankfiliale oder greifen zum Telefon, um mit einem Bankberater im persönlichen Gespräch das Geschäft zu vollziehen. Knapp 38 Prozent aller Bankgeschäfte erfolgen vollständig, ohne dass die Kunden das Internet nutzen. Nur die junge Generation hat erkennbar keine Scheu, im Internet Finanzgeschäfte abzuschließen. Antje Stobbe ließ bei der Vorstellung der Studie keinen Zweifel daran, dass sie in allen Altersgruppen für die Zukunft eine Abnahme der Geschäfte erwartet, die völlig ohne Hilfe des Internets zustande kommen. Aber unübersehbar schätzten viele Kunden beide Welten: „Im Internet kann man sich im eigenen Lerntempo informieren, im individuellen Beratungsgespräch die persönliche Lage vertiefen.“
Das Internet wird dann besonders gerne ausschließlich genutzt, wenn es sich um einfache Finanzanlagen handelt, bei denen man schnell die Konditionen unterschiedlicher Anbieter online vergleichen kann. So werden 27 Prozent aller neuen Tagesgeldkonten über das Internet eröffnet und 19 Prozent aller Kreditkarten online bestellt. Dagegen werden nur 0,8 Prozent aller Baufinanzierungen, die in der Regel komplex sind und bei denen „das Kleingedruckte“ weitreichende Folgen haben kann, über das Internet abgeschlossen. Auch das Thema Altersvorsorge, das erwiesenermaßen viele Menschen umtreibt, ist offenbar zu schwierig, um sich im Internet damit zu befassen.
Wen wundert's dass erst online geguckt wird und dann doch zum Berater geht,....
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 01.09.2010, 22:57 Uhr
Verschlafen...
Martin Streit (Streit100)
- 02.09.2010, 05:56 Uhr
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