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Sachwerte : So mancher Oldtimer bringt PS ins Portfolio

Ungewöhnlich, edel - und teuer: der Mercedes 300 SL, hier in der Variante als Limousine mit Flügeltüren. Bild: Picture-Alliance

Sachwerte sind en vogue. So sind Oldtimer sehr gefragt. Viele historische Autos haben deutlich an Wert gewonnen, Spitzenreiter hierzulande ist der Porsche 911.

          Die niedrigen Zinsen machen so manche alternative Anlage attraktiver, als sie es ohnehin schon ist. Denn wer erfreut sich nicht gern an den schönen Dingen des Lebens. Und so interessieren sich immer mehr Anleger, die vielleicht ein bisschen mehr Geld auf der hohen Kante haben, auch für Kunst, Juwelen oder alte Automobile als Anlageobjekte. Gemessen am Oldtimer-Index der Südwestbank, haben historische Fahrzeuge im Jahr 2015 im Durchschnitt einen Wertzuwachs von gut 14 Prozent erzielt. Der Index bildet die Wertentwicklung von 20 Modellen süddeutscher Automobilhersteller ab.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nach den Daten der Immobilienberatung Knight Frank hat der Wert historischer Autos auf der ganzen Welt im vergangenen Jahr unter zehn ausgewählten Luxus-Anlageklassen am deutlichsten zugelegt (plus 17 Prozent), gefolgt von Weinen und Münzen. Uhren, Juwelen und Kunstwerke waren ebenfalls gefragt. Der Oldtimer-Index der Südwestbank wiederum hat seit dem Jahr 2005 bis 2016 insgesamt 338 Prozent an Wert gewonnen. Zum Vergleich: Der Aktienindex Dax hat inklusive Dividenden um 152 Prozent zugelegt.

          2015 war das Jahr des 911er

          Aufgrund des fortgesetzt niedrigen Zinsniveaus beschäftigten sich immer mehr Investoren mit der Anlage in Sachwerten, sagt Manfred Mühlheim, Direktor und Bereichsleiter Asset Management der Südwestbank. Historische Fahrzeuge böten bei der Wahl des richtigen Modells nicht nur einen hohen emotionalen Mehrwert und PS, sondern erbrächten auch Rendite.

          Besonders gut entwickelt haben sich zuletzt Porsche-Fahrzeuge der 911er-Reihe, denn sie liegen nun an der Index-Spitze. In den Jahren 2005 bis 2016 haben diese Oldtimer der Baujahre 1964 bis 1989 im Durchschnitt 658 Prozent an Wert gewonnen. Nach Daten der Südwestbank sind in Deutschland 12.194 Fahrzeuge zugelassen (Erstzulassung vor 1986). Allein im vergangenen Jahr habe der Porsche 911 eine Wertsteigerung von mehr als 50 Prozent erfahren, sagt Mühlheim. Und dies, obwohl mit einem Anstieg von gut 15 Prozent enorm viele Fahrzeuge dieses Modells den Oldtimerstatus erlangt hätten.

          Mercedes hat das teuerste Fahrzeug

          Der bisherige Spitzenreiter - die BMW-Modelle 503, 507 sowie 3200 CS aus den Baujahren 1956 bis 1965 - liegt nun auf dem zweiten Platz. Hier beträgt der Wertzuwachs binnen elf Jahren durchschnittlich 491 Prozent. Der Vorjahresdritte hat dagegen seinen Platz behalten: Die Baureihe des Mercedes 300 SL W198 verzeichnete im Jahr 2015 einen Mehrwert von 12,7 Prozent. Dieses Auto ist das teuerste Fahrzeug im Index. „Autoklassiker dieses Modells in einem guten Zustand werden bei nur rund 260 zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland mittlerweile für deutlich mehr als 1 Million Euro gehandelt“, sagt Mühlheim.

          Aber auch für schmalere Geldbeutel gibt es etwas: Unter den 20 ausgewählten Oldtimern am günstigsten sind die Opel-Ascona-B- und Manta-B-Modelle der Jahre 1975 bis 1984. Ihr Durchschnittswert betrug laut Südwestbank zu Jahresbeginn 5300 Euro. Auf Elfjahressicht hat sich dieser verdreifacht.

          Neu in den Index aufgenommen wurde der 6er-BMW der Baujahre 1976 bis 1989. Das aus vielen Filmen bekannte Auto habe an Wert zugelegt und sei in der Stückzahl gestiegen, sagt Mühlheim. In Deutschland seien 1635 Fahrzeuge dieses Modells mit Oldtimerstatus zugelassen. Binnen elf Jahren sei ihr Wert um 306 Prozent gestiegen, wobei guterhaltene Fahrzeuge rund 20.000 Euro kosten würden. Aufgrund des starken Anstiegs der 6er-BMW-Modelle, die das Alter von 30 Jahren erreicht hätten, sei der Mercedes 190 Ponton aus dem Index verdrängt worden.

          Nicht jedes alte Auto ist ein Oldtimer

          Angesichts der aktuellen Zulassungszahlen erwartet Mühlheim, dass sich die Anzahl der Fahrzeuge mit Oldtimerstatus in den kommenden fünf bis sechs Jahren verdoppeln wird. Dann könnte der Bestand an automobilen Klassikern hierzulande die Millionengrenze überschreiten.

          Aber nicht jeder Fahrzeughalter beantrage ein H-Kennzeichen. Gründe hierfür seien zum einen die Kosten für ein Gutachten, welches das Fahrzeug als historisch erhaltenswert einstufe. Zum anderen betrage die Pauschalbesteuerung von 191 Euro bei vielen Oldtimerfahrzeugen mehr als der aktuelle Kfz-Steuersatz. Da es sich in einigen Fällen aber dennoch lohne, gelte es immer, diesen Aspekt individuell zu prüfen, sagt Mühlheim.

          Der Fachmann rät grundsätzlich, nicht mehr als 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens in Oldtimern zu investieren. Auch seien die Nebenkosten zu beachten: Bei einem Kaufpreis von zum Beispiel 100.000 Euro seien dies rund 4 Prozent im Jahr. Einmalig fällig sei das Gutachten, jährlich seien es Steuern, Versicherung, Garagenmiete, Wartung und Reparaturen. Ein Gutachten sei ratsam, um Fälschungen nicht auf den Leim zu gehen. Denn diese dürften nicht nur absolute Renditekiller sein, sondern auch sonst die Freude am edlen Fahrzeug verderben.

          Oldtimerindex und Dax im Vergleich
          Aktie oder Auto Wertentwicklung seit 2005
          Fresenius 695,36%
          Porsche 911 Kategorie 658,28%
          BMW 503/ 507/ 3200 CS 491,38%
          VW Vz. 451,27%
          Mercedes 300 SL W198 430,51%
          Continental 396,20%
          Henkel 383,75%
          Bayer 364,31%
          Oldtimer-Index 337,98%
          BMW 6er (E24) 306,01%
          FMC 293,83%
          BMW 3er (E21) 286,96%
          Deutsche Börse 267,62%
          Merck 253,89%
          Pro7 Sat1 246,41%
          BMW O2 208,80%
          Ascona B / Manta B 202,86%
          Adidas 202,85%
          Beiersdorf 194,95%
          BMW St. 194,07%
          Linde 190,71%
          Porsche 356 B 184,55%
          Mercedes W 111/W 112 Coupe und Cabrio 184,16%
          BASF 166,87%
          Mercedes Strichacht W114/W115 Kategorie 159,35%
          Dax 152,42%
          BMW Isetta /600 151,43%
          Mercedes W116 150,01%
          BMW 5er (E12 und E28) 128,33%
          SAP 123,38%
          Mercedes Pagoden SL W113 121,57%
          Daimler 120,02%
          Mercedes 190 SL W121 119,70%
          Mercedes W108/ W109 119,44%
          Mercedes W 123 Kategorie 110,58%
          Opel Kadett C GT/ E, Aero 106,15%
          Münchener Rück 104,04%
          Mercedes SL W107 96,39%
          Mercedes SLC W 107 87,38%
          Heidelbergcement 70,70%
          Infineon 69,24%
          Allianz 67,57%
          Deutsche Post 53,58%
          Siemens 48,49%
          Lufthansa 38,06%
          Thyssenkrupp 13,21%
          Deutsche Telekom 0,24%
          Eon -60,05%
          Deutsche Bank -60,23%
          RWE -71,14%
          Commerzbank -89,42%
          Quelle: Südwestbank, eigene Berechnungen

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