Kanam löst den Immobilienfonds Kanam Grundinvest auf und will dessen Vermögen so bald wie möglich den Anlegern ausbezahlen. Dies gab die Fondsgesellschaft am Mittwoch überraschend bekannt. Eigentlich hatte Kanam noch gut zwei Monate Zeit, um den Fonds wieder zu öffnen. Die Fondsgesellschaft habe die Entscheidung schon jetzt getroffen, da eine verlässliche Prognose nicht möglich sei, wie viele Anteile die Anleger bei einer Wiederöffnung zurückgeben wollen, hieß es in einer Mitteilung. Im Kanam Grundinvest liegen noch rund 4 Milliarden Euro.
Diese Entscheidung trifft auch die Konkurrenz: Die SEB muss bis zum 5. Mai mitteilen, ob sie den 6,3 Milliarden Euro schweren Immobilienfonds Immoinvest öffnen kann oder ebenfalls abwickeln muss. Die Credit Suisse hat bis zum 18.Mai Zeit, um die Zukunft des 6,1 Milliarden Euro schweren Euroreal zu klären.
Rücknahme von Anteilen
Am Schicksal dieser beiden Immobilienfonds dürfte sich weisen, welchen Verlauf die Krise der offenen Immobilienfonds nehmen wird. Diese Produkte versprachen ursprünglich eine börsentäglich verfügbare Anlage in ein breites Immobilienportfolio. Doch im Zuge der Finanzkrise setzten viele im Herbst 2008 die Rücknahme von Anteilen aus, was den Fondsgesellschaften zwei Jahre lang erlaubt ist. Als bis zum Frühjahr 2010 einige wieder öffneten, sorgten Reformpläne der Bundesregierung für eine neue Vertrauenskrise. Daraufhin musste viele offene Immobilienfonds abermals schließen. Im Zuge der dann erfolgten Reform schränkte die Bundesregierung das Leistungsversprechen der Fonds ein.
Die betroffenen Anlagevehikel mussten die Rücknahme von Anteilen aussetzen, weil die Rückgabewünsche der Anleger so hoch waren, dass die vorhandene Liquidität nicht ausreichte, um sie auszubezahlen. Diese Fonds scheiterten am grundsätzlichen Problem offener Immobilienfonds: Sie sollen eine langfristige Anlageform - Immobilien - kurzfristig handelbar machen.
Nur wenn ein eingefrorener Immobilienfonds ausreichend Immobilien verkauft und Liquidität angesammelt hat, kann er wieder öffnen. Der Kanam Grundinvest hatte in den vergangenen Monaten durch Verkäufe von Gebäuden eine Liquiditätsquote von 25 Prozent angestrebt und für Anfang Mai annähernd erreicht. Das habe laut Kanam dennoch nicht gereicht, um garantieren zu können, dass der Fonds mindestens sechs Monate öffnet. Theoretisch wäre es möglich, dass ein Fonds nur wenige Sekunden öffnet, einem Teil der Rückgabewünsche nachkommt und dann wieder schließt. Zeichnet sich dies jedoch im Vorfeld ab, dürfte sich die Finanzaufsicht Bafin querstellen.
Zweigeteilter Markt
Viele Marktteilnehmer hoffen darauf, dass mit der Abwicklung von Problemfonds eine Marktbereinigung eintritt. Derzeit ist der Markt ohnehin schon zweigeteilt: Auf der einen Seite befinden sich eine Handvoll großer Anbieter - neben Deka und Union Investment wären dies in erster Linie die Rreef, die die Deutsche Bank zum Kauf anbietet, oder auch die Commerz Real der Commerzbank. Auf der anderen Seite befinden sich jene Gesellschaften, deren Fonds unter Liquiditätsproblemen leiden oder abgewickelt werden. Vor allem die beiden großen Anbieter, die Deka der Sparkassenorganisation und die Union Investment der Volks- und Raiffeisenbanken, halten trotz aller Kritik an Immobilienfonds fest. Anfang Februar meldete die Deka, dass ihre offenen Immobilienfonds im Januar einen Mittelzufluss von netto 400 Millionen Euro verzeichneten. Auch die Union Investment meldete Nettomittelzuflüsse in ihre Fonds.
Die Krise hat dennoch alle Anbieter erreicht. Eine Liquiditätsquote von 15 bis 25 Prozent halte er für einen offenen Immobilienfonds für normal, sagte jüngst Georg Allendorf, Sprecher der Geschäftsführung von Rreef Deutschland. Damit verwässert jedoch die Rendite von Immobilienfonds dauerhaft. Bei einem Aktien- oder Rentenfonds gilt ein Barbestand von 10 Prozent schon als relativ hoch.