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Offene Immobilienfonds Die nächste Abwicklung kommt

Die Krise der offenen Immobilienfonds in Deutschland fordert ein weiteres Opfer. Auch der offene Immobilienfonds Morgan Stanley P2 Value wird nun abgewickelt. Dies gab die amerikanische Bank Morgan Stanley am Dienstag bekannt.

© Morgan Stanley Real Estate Vergrößern Noch im Besitz von P2: Ever Gain Plaza in Hongkong

Die Krise der offenen Immobilienfonds in Deutschland fordert ein weiteres Opfer. Auch der offene Immobilienfonds Morgan Stanley P2 Value wird nun abgewickelt. Dies gab die amerikanische Bank Morgan Stanley am Dienstag bekannt. Nach dem Kanam US-Grundinvest und dem Degi Europa von Aberdeen ist dies der dritte offene Immobilienfonds, der aufgeben muss.

Etwa 40 000 Privatanleger sind mit einem Fondsvermögen von 852 Millionen Euro von der Auflösung des P2 Value betroffen, hieß es bei Morgan Stanley Real Estate. Der Fonds stellte - wie viele andere offene Immobilienfonds - im Zuge der Finanzkrise Ende Oktober 2008 die Rücknahme von Anteilen ein. Seitdem können die Anleger Anteile an dem Fonds nur noch über die Fondsbörse Hamburg verkaufen, falls sie einen Käufer finden.

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Liquidität im Fonds war für eine Öffnung zu knapp

In wenigen Tagen hätte die zweijährige Frist geendet, die ein Fonds maximal geschlossen werden darf. Die Liquidität im Fonds war nach Einschätzung von Morgan Stanley für eine Öffnung zu knapp. Sie beträgt derzeit 211 Millionen Euro. Die Unsicherheit unter den Investoren sei zu groß, hieß es bei Morgan Stanley. Noch Anfang September zeigte sich Walter Klug, Geschäftsführer der Morgan Stanley Real Estate, zuversichtlich, dass er den Fonds Anfang November öffnen könne. Mit dem Ende des P2 Value dürften die Pläne von Morgan Stanley, groß in das Geschäft mit offenen Immobilienfonds einzusteigen, geplatzt sein. "Das strategische Konzept des Morgan Stanley P2 Value kombiniert die spezifischen Stärken von Morgan Stanley", hieß es noch am Dienstag auf der Internetseite des Fonds. Im Sommer 2008, vor der Insolvenz von Lehman Brothers, kam der Morgan Stanley P2 Value auf ein Vermögen von gut 2,3 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte sich Morgan Stanley ein Fondsvolumen von 6 Milliarden Euro zum Ziel gesetzt.

Infografik / Offene Immobilienfonds in der Krise © F.A.Z. Vergrößern

Die Finanzaufsicht Bafin gibt Morgan Stanley drei Jahre Zeit, um die verbliebenen 34 Immobilien des P2 Value zu verkaufen. Er strebe den "bestmöglichen Preis" an, sagte Klug. Gelingt der Abverkauf in dieser Zeit nicht, geht die Verwaltung der Immobilien auf die Depotbank Caceis über. Erste Auszahlungen an die Anleger sollen "baldmöglichst" erfolgen. "Unser Wunsch wäre, noch in diesem Jahr zu beginnen", sagte Klug weiter. Die Leidtragenden einer solchen Abwicklung sind die Anleger. Seit zwei Jahren sitzen sie in dem Fonds fest und müssen nun unter Umständen drei weitere Jahre warten, bis sie aus dem Engagement entlassen werden. Seit der Schließung erlitten die Anleger, die sich auf den P2 Value eingelassen hatten, mehrere Abwertungen ihrer Anteile. Sie summierten sich per Anfang September - Ausschüttungen nicht eingerechnet - auf rund 48 Prozent.

Nun drohen weitere Wertverluste, da ungewiss ist, zu welchen Preisen Morgan Stanley die restlichen Immobilien im Fonds abstoßen kann. Zwar macht Klug eine Erholung auf den Immobilienmärkten aus. Doch gleichzeitig ist unter den Marktteilnehmern bekannt, dass Morgan Stanley unter Verkaufsdruck steht. Dies könnte den Verkaufserlös schmälern.

Morgan Stanley beziffert den Anteilswert auf 27,54 Euro. Die Angabe beruht auf dem Nettoinventarwert der Immobilien im Fonds. An der Fondsbörse Hamburg wurde der P2 Value am Dienstag zu Kursen um 18,51 Euro gehandelt. Damit konnten Anleger nur mit einem Abschlag von mehr als 30 Prozent vorzeitig aussteigen. Anleger, die noch über die Fondsbörse Anteile am P2 Value kaufen, spekulieren darauf, dass die künftigen Wertverluste weniger hoch ausfallen, als sich dies aktuell im Börsenkurs spiegelt.

Krise der offenen Immobilienfonds ist nicht ausgestanden

Mit der Abwicklung des P2 Value dürften mehrere Monate lang keine weiteren Auflösungen zu befürchten sein (siehe Grafik). Doch die Krise der offenen Immobilienfonds ist nicht ausgestanden. Ende September setzte Allianz Global Investors die Rücknahme des ursprünglich 2,2 Milliarden Euro schweren Immobiliendachfonds Premium Management Immobilien-Anlagen aus. Die Commerzbank löste hohe Mittelrückflüsse aus, nachdem sie ihren Kunden unter anderem den Wechsel in den Hausinvest empfahl.

Auch der Hausinvest der Commerzbank geht durch unruhige Zeiten. Der Fonds hat noch eine Liquiditätsquote von 14 Prozent auf das Fondsvermögen von 11 Milliarden Euro. Um die Kräfte zu bündeln, hatte die Immobilienfondsgesellschaft Commerz Real Ende September die beiden Fonds Hausinvest Europa und Hausinvest Global verschmolzen. Der Degi Europa konnte mit einer Liquiditätsquote von rund 30 Prozent nicht öffnen. Die Situation des Degi Europa und die des Hausinvest seien nicht vergleichbar, hieß es bei der Commerz Real.

Mittlerweile wird als Lösung der Krise offen über eine freiwillige und grunderwerbsteuerfreie Umwandlung in börsennotierte Immobiliengesellschaften diskutiert. "Damit könnten die Interessen der rückgabewilligen Anleger und der anderen Anleger, die investiert bleiben wollen, gleichermaßen befriedigt werden", sagte Niko Schultz-Süchting von der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 26.10.2010, 18:16 Uhr

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