http://www.faz.net/-gv6-rijv

Önder Ciftci, Royal Bank of Scotland : „Es gibt sehr viel Schrott im Zertifikatemarkt“

  • Aktualisiert am

Önder Ciftci - Royal Bank of Scotland Bild: Frank Röth

Die Lehman-Pleite hat den Zertifikatemarkt in eine Krise gestürzt. Önder Ciftci, Leiter des Zertifikate-Geschäfts der Royal Bank of Scotland, sieht darin eine Chance für die Anlageklasse: Die Kundeninteressen könnten wieder in den Mittelpunkt rücken.

          Die Lehman-Pleite hat den Zertifikatemarkt in eine Krise gestürzt. Önder Ciftci, Leiter des Zertifikate-Geschäfts der Royal Bank of Scotland, sieht darin eine Chance für die Anlageklasse: Die Kundeninteressen könnten wieder in den Mittelpunkt rücken.

          Es gibt immer noch sehr viel Schrott im Zertifikatemarkt, erklärt er. Die Krise werde nun aber dazu führen, dass die Leute genauer hinschauten und sich besser über die Produkte informierten. So werde sich der Markt bereinigen, und das sei gut so.

          Herr Ciftci, Sie sind einer der größten Zertifikateanbieter in Deutschland. Will Ihre Produkte derzeit überhaupt noch jemand haben?

          Natürlich. Gerade in der jetzigen Marktphase mit hohen Kursschwankungen können zum Beispiel Discountzertifikate zu besonders guten Konditionen erworben werden. Die kaufen viele Kunden.

          Der Markt ist aber doch nach der Lehman-Pleite in einer Vertrauenskrise!

          Das kann ich nicht leugnen. Ich habe aber eine Zweiteilung beobachtet. Manche Häuser sagen, bei ihnen brennt die Bude. Bei anderen läuft das Geschäft hingegen ruhig weiter.

          Ich nehme an, Sie gehören zu der zweiten Gruppe.

          So ist es. Wir sind eine ausländische Bank, die in Deutschland keine Filiale hat. Unsere Produkte müssen daher aus sich heraus überzeugen. Wir leben von Selbstentscheidern, die sich bewusst für ein Zertifikat der ABN Amro und nun Royal Bank of Scotland entscheiden.

          Und diese Selbstentscheider rufen nun nicht wütend bei Ihnen an?

          Nein, es gibt nicht mehr Anfragen als früher auch. Selbstentscheider sind besser informiert. Sie kennen die Risiken der Produkte und verfallen nicht gleich in Hysterie, wenn der Markt gegen sie läuft.

          Aber die Lehman-Pleite und der Ausfall der Zertifikate trifft Sie auch?

          Es ist natürlich für den Ruf der Anlageklasse zunächst schädlich. Spätestens jetzt wissen aber alle, dass es bei Zertifikaten ein Emittentenrisiko gibt.

          Hätte die Branche nicht besser reagieren müssen, die Lehman-Zertifikate zum Beispiel weiterführen oder einen Entschädigungsfonds gründen müssen?

          Zunächst einmal ist das Geld für die Kunden ja nicht zwingend verloren. Die Abwicklung aus der Konkursmasse ist aber eine langwierige Sache. Für zukünftige Fälle kann man sich einen Rettungsfonds vorstellen. Die Produkte einfach so zu übernehmen, ist allerdings nicht ganz einfach.

          Wie kommt die Branche denn aus dem Schlamassel wieder heraus?

          Die Situation bietet für den Zertifikatemarkt eine sehr große Chance, die viele so noch nicht sehen. Ich habe vor zwei Jahren gesagt: Es gibt viel Schrott im Zertifikatemarkt. Für diese Aussage bin ich enorm gescholten und als Nestbeschmutzer bezeichnet worden. Ich sage diesen Satz aber heute wieder: Es gibt immer noch sehr viel Schrott im Zertifikatemarkt. Die Krise wird nun dazu führen, dass die Leute genauer hinschauen und sich besser über die Produkte informieren. Dann wird sich der Markt bereinigen, und das ist gut so.

          Wieso konnte sich denn der Schrott so lange halten?

          Leider wurden die meisten Zertifikate nicht aktiv von Kunden nachgefragt, also gekauft, sondern sie wurden ihnen von ihrer Bank mehr oder weniger aufgedrängt, also verkauft.

          Wieso macht die Bank das?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wolfgang Kubicki will sich von der AfD nicht provozieren lassen.

          Bundestag : Kubicki rät zu gelassenem Umgang mit der AfD

          Heute dürfte FDP-Politiker Kubicki zu einem der Vizepräsidenten des Bundestages gewählt werden. Er rät, mit der AfD im Parlament „vernünftig und fair“ umzugehen. Abgeordnete bekräftigen ihre Ablehnung gegen den umstrittenen AfD-Kandidaten Glaser.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.