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Investmentfonds : Nur noch wenige Schwellenländer begeistern

Handyshop in Ahmadabad: In Indien sehen Fondsmanager noch Chancen. Bild: Bloomberg

Einst waren Länder wie China und Brasilien die Favoriten der Investoren. Inzwischen müssen Anleger schon sehr genau hinschauen, wo noch Chancen liegen.

          Die ersten Jahre des jungen Jahrtausends gehörten an den Finanzmärkten den Schwellenländern. Man kam an ihnen nicht vorbei: Aktien, Dollar-Anleihen, Anleihen in lokaler Währung - die bevorzugten Anlageklassen wechselten, aber Schwellenländer mussten sein. Heute herrscht Katzenjammer. „Die Stimmung für Schwellenländer ist momentan eher negativ“, sagt Thomas Gerhardt, der bei der Fondsgesellschaft Edmond de Rothschild die Abteilung Schwellenländer leitet. „Aber die Schwellenländer sind keine homogene Gruppe. Das Gesamtbild wird von den großen Schwellenländern beherrscht.“ Und da steht nun einmal an erster Stelle China.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Wachstumsabschwächung im Reich der Mitte raubt den Investoren die Phantasie. Dabei ist das geringere Wachstum nicht dramatisch. „Wir sehen da keine harte Landung“, sagt Craig Botham, für Schwellenländer zuständiger Volkswirt der Fondsgesellschaft Schroders. „Da wäre die Wachstumsschwäche offensichtlicher.“ Für Gerhardt und Botham ist die Wachstumsschwäche eine zwangsläufige Folge des Struktur- und Kulturwandels. „China will von der investitions- zur konsumorientierten Wirtschaft reifen“, sagt Gerhardt. Man sehe auch die Erfolge im hohen Wachstum des Online-Handels oder der Pharmabranche. „Vor rund zehn Jahren machte die Schwerindustrie noch mehr als 40 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Heute sind es rund 30 Prozent“, sagt Botham.

          China kämpft mit dem alten System

          „Es gab bei einigen Anlegern immer ein Missverständnis“, sagt Gerhardt. „Wachstum schlägt sich nicht per se am Aktienmarkt nieder, sondern nur profitables Wachstum. Doch gerade viele große Unternehmen in China, in erster Linie die Staatsbetriebe, arbeiten nicht wirklich gewinnorientiert.“ Deswegen halte er in seinem Fonds auch keine Aktien von Staatsbanken oder etwa von China Telecom.

          Die Führung müsse Reformen durchführen, die die Profitabilität erhöhten. Die bisherigen Maßnahmen reichten dazu nicht aus. So habe etwa die angekündigte Restrukturierung des Mineralölkonzerns Sinopec damit geendet, dass 20 Prozent des Tankstellennetzes an chinesische Finanzinvestoren wie den Versicherer Ping An verkauft wurden. Es sei nicht einfach, institutionalisierten Interessen beizukommen.

          Botham sieht gute Ansätze in der Anti-Korruptions-Kampagne der Führung. Doch das Problem liege noch weniger in der Politik als in der nachfolgenden Arbeitslosigkeit. „Die Belegschaft ist in manchen Großbetrieben doppelt so groß wie notwendig. Da stellt sich die Frage: Wohin mit diesen Arbeitern?“ Notwendig sei der Aufbau eines Sozialstaats, der derzeit eher rudimentär sei. „Das ist die wirklich große Aufgabe.“

          Nur raus aus Brasilien

          Während die Fachleute in China also zumindest auf längere Sicht gute Chancen sehen, so sind sie auf Brasilien derzeit eher schlecht zu sprechen. „Die meisten Anleger wollen derzeit nur wissen, wie sie dort rauskommen können“, sagt Gerhardt. „Keine Investitionen, keine Hoffnung auf Reformen - das ist wirklich schwer, hier Wachstumsphantasie zu entfalten“, meint Botham. Das Land habe es wie die meisten Rohstoffexporteure verpasst, sich während des Booms auf den Abschwung vorzubereiten.

          Das gelte auch für andere Länder, die einen besseren Ruf genießen. Chile etwa habe massiv in die Kupferindustrie investiert und dafür wenig wirtschaftsfreundliche Reformen verabschiedet. Hier verbessere sich die Situation allerdings. Von der brasilianischen Politik halten beide nicht viel. „Lula ist auf der Rohstoffwelle geschwommen“, sagt Gerhardt. Und Botham hat wenig Hoffnung, dass die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff eine Veränderung herbeiführen kann.

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