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Veröffentlicht: 31.03.2017, 08:38 Uhr

Norwegens Pensionsfonds „Die meisten haben nicht verstanden, was Risiko bedeutet“

Am Freitag schlägt Norwegens Regierung dem Parlament vor, die Aktienquote des ehemaligen Ölfonds auf 70 Prozent zu erhöhen. Einer hatte der Regierung davon abgeraten und erklärt im Gespräch warum.

von
© dpa Ölförderung nahe der norwegischen Küste

Herr Mork, Sie waren das einzige Mitglied der zuständigen Kommission, das sich gegen eine Erhöhung des Aktienanteils ausgesprochen hat. Warum?

Weil der Fonds mittlerweile eine solche kritische Größe erreicht hat, dass er mit einem Teil seiner Erträge 15 Prozent der jährlichen Staatsausgaben finanziert. Mit diesem Ziel wurde er ja auch gegründet: als zusätzliche Einnahmequelle für den Staatshaushalt. Dieser Logik folgend, müssen diese zusätzlichen Erträge berechenbar sein und bleiben. Wird der Aktienanteil weiter aufgestockt, steigt das Risiko und somit die Gefahr, dass der Wert des Fonds stark schwankt.

Ina Lockhart Folgen:

Diese Schwankungen wirken sich auf den Haushalt aus. Steuersätze und Staatsausgaben würden ebenfalls deutlich ausschlagen, was nicht erwünscht ist. Deswegen wiegt das Argument der Budgetdisziplin und -konstanz meiner Meinung nach schwerer als das Argument schwindender Öl- und Gasreserven, das für die Erhöhung der Aktienquote angeführt wird. Folglich habe ich mich dagegen ausgesprochen, dass der Fonds ein höheres Risiko fährt.

Wie stark könnten die von Ihnen befürchteten Schwankungen ausfallen?

Sollte der Fonds in einem Jahr zehn Prozent an Wert verlieren, würde das bei einem Budgetanteil von 15 Prozent eine Haushaltskürzung von 1,5 Prozent bedeuten. Ein Jahresverlust von zehn Prozent ist kein unrealistisches Szenario, sondern kann alle fünf Jahre auftreten. Zuletzt hatte der Fonds im Finanzkrisenjahr 2008 einen Verlust vermeldet, der sogar 23 Prozent des Fondswerts ausgemacht hat.

Damals lag das Minus bei 634 Milliarden Norwegischen Kronen, was heute umgerechnet 69 Milliarden Euro entspricht. Und das, nachdem 2007 die Aktienquote des Fonds von 40 auf 60 Prozent beschlossen wurde. Bis Ende des ersten Quartals 2010 war der Verlust aber wieder wettgemacht. War das eine lehrreiche Lektion?

Ganz im Gegenteil. Diese Erfahrung hat eher die Überzeugung gestärkt – übrigens auch bei den meisten der Kommissionsmitglieder – dass einem Krisenjahr ein Jahr oder zwei Jahre nachfolgen, in denen alles wieder deutlich besser läuft. Im Fachjargon wird dieser Effekt „Mean Reversion“ genannt und beschreibt die Erwartung, dass sich ein Kurswert nach einer Extremphase wieder in Richtung seines Durchschnittswertes bewegt.

45595239 © Knut Anton Mork/privat Vergrößern Der norwegische Ökonom Knut Anton Mork

Allerdings gibt es in der Finanzmarktliteratur auch Gegenpositionen, die diese Theorie widerlegen. Ich persönlich finde, dass der Mean-Reversion-Effekt eine viel zu unsichere Entscheidungsgrundlage darstellt und dazu verführt, die Augen vor wichtigen Risiken zu verschließen.

War die Langfristigkeit des Fonds ein weiterer Grund für Ihre vorsichtige Haltung?

Der Ölfonds, der Vorläufer des Government Pension Fund Global, wurde 1990 gegründet, um den Reichtum aus den Ölreserven des Landes für künftige Generationen zu bewahren. Die politische Absicht war, den Fonds so langfristig auszurichten, dass seine Laufzeit quasi unbegrenzt ist. Daraus resultierte eine wichtige Vorgabe für die Arbeit der Mork-Kommission: Sie musste in ihren Empfehlungen berücksichtigen, dass das Vermögen nicht auf kurze Sicht verbraucht werden darf.

Als einziges Mitglied in der Kommission raten Sie mit einer geringeren Aktienquote gegenzusteuern. Wie beabsichtigen die Aktienbefürworter, die Berechenbarkeit der Fondserträge zu bewahren?

Sie schlagen die Einführung eines Sicherheitspuffers vor, indem die prozentuale Obergrenze für Ausschüttungen an den Staat mit ausreichend Abstand zur Realrendite neu bestimmt wird. Derzeit liegt diese Grenze bei vier Prozent des Fondswertes, der aktuell umgerechnet rund 850 Milliarden Euro beträgt. In der Öffentlichkeit wurde angesichts der lang anhaltenden Niedrigzinsphase immer wieder diskutiert, ob vier Prozent nicht zu hoch sind.

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