Home
http://www.faz.net/-gvf-6zmko
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Norwegen Ölfonds reduziert Investitionen im Euroraum

 ·  Der norwegische Ölfonds reduziert sein Engagement auf dem Kontinent und weicht nach Mexiko, Brasilien und Indien aus. Der Marktwert des Staatsfonds steigt auf rund 460 Milliarden Euro.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)
© dpa Ölplattform: Der norwegische Ölfonds gehört zu den größten seiner Art

Der norwegische Ölfonds, der zweitgrößte Staatsfonds der Welt, reduziert wegen der europäischen Schuldenkrise Schritt für Schritt sein Engagement auf dem Kontinent. Im ersten Quartal des Jahres sank der Anteil der in Euro gehandelten Schuldverschreibungen am Anleihevermögen des Fonds um 4 Prozentpunkte auf 39 Prozent; Ende 2010 waren es noch 46 Prozent.

Im Gegenzug sind die Investitionen in brasilianische, mexikanische und indische Staatsanleihen gestiegen. Deutlich verringert hat sich auch das Volumen der Bankanleihen aus dem Euroraum, das vor drei Jahren noch bei umgerechnet mehr als 25 Milliarden Euro lag und seitdem auf rund 15 Milliarden Euro gesunken ist.

Für das Aktienportefeuille haben die Fondsverwalter in der norwegischen Notenbank ebenfalls eine Neugewichtung zugunsten außereuropäischer Werte vorgeschlagen, eine Entscheidung darüber steht aber noch aus. „Wir suchen stets sichere Anlagemöglichkeiten“, erläuterte der Chefverwalter Yngve Slyngstad nach der Vorlage der Quartalszahlen des Fonds die Stretegie. „Und zurzeit ist es fraglich, ob wir diese sichere Alternative im Euroraum finden können.“

Kapitalzufuhr aus Steuer- und Lizenzeinnahmen

Der Marktwert des Fonds, über den Norwegen die staatlichen Einkünfte aus den Öl- und Gasvorkommen in der Nord- und Barentssee in Aktien und Anleihen aus dem Ausland investiert, ist in den vergangenen drei Monaten um 7,1 Prozent auf rund 463 Milliarden Euro gestiegen. Dafür sei vor allem die positive Entwicklung auf den globalen Aktienmärkten verantwortlich gewesen, erläuterte Slyngstad. Zurzeit sind 60,7 Prozent des Fondsvermögens in Aktien investiert, 39 Prozent in Anleihen, der Rest in Immobilien. „Wir haben im Aktienportefeuille eine Rendite von 11 Prozent erzielt, im Anleiheportefeuille waren es 1,6 Prozent.“

Für „Statens pensjonsfond - utland“, wie der Ölfonds offiziell heißt, war das Quartal insgesamt das fünftbeste seit seiner Gründung. Im vergangenen Jahr hatten die Anlagen dagegen einen Verlust von 2,5 Prozent ergeben. Dass der Marktwert des Fonds dennoch auch in diesem Zeitraum zunahm, lag an der unverminderten Kapitalzufuhr aus den laufenden Steuer- und Lizenzeinnahmen des Staates, die den Anlageverlust mehr als ausglich. Für die ersten drei Monate dieses Jahres bezifferte Slyngstad nun die staatliche Kapitalzufuhr auf umgerechnet 8 Milliarden Euro und den Anlagegewinn auf 31 Milliarden Euro; der starke Kurs der einheimischen Währung hat sich dagegen mit rund 15 Milliarden Euro negativ auf den in norwegischen Kronen ausgewiesenen Marktwert des Fonds ausgewirkt.

Der norwegische Ölfonds gilt unter den Staatsfonds der Welt in mehrerlei Hinsicht als vorbildlich. Jährlich publiziert der Fonds beispielsweise eine Liste mit allen seinen Anlagepositionen und ihrem jeweiligen Wert. Größter Einzelposten waren Schuldverschreibungen der Vereinigten Staaten im Wert von 36 Milliarden Euro. Internationale Aufmerksamkeit genießen auch die ethischen Richtlinien für die Investitionen des Fonds. Beispielsweise zieht sich der Fonds aus Unternehmen zurück, die Waffen herstellen oder Kinderarbeit tolerieren.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Fonds Top & Flops
Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche