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Neugründungen Es lockt wieder der Traum vom eigenen Hedgefonds

28.05.2011 ·  Viele Händler in London verlassen ihre Banken - die Welle der Hedgefonds-Neugründungen reißt nicht ab. Doch der Erfolg stellt sich - selbst bei einem guten Händchen für die Märkte - nicht zwingend ein.

Von Bettina Schulz, London
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Die Welle der Neugründungen von Hedgefonds in London reißt nicht ab. Der Londoner Headhunter Mirage Recruitment, der sich auf die Vermittlung von Fondsmanagern in der Branche spezialisiert hat, wird überflutet von Anfragen versierter Händler, die in die Branche der Hedgefonds einsteigen wollen und von den Karrieren ihrer großen Vorbilder träumen: Jüngst verließ der ehemalige Chefhändler von Goldman Sachs, Pierre-Henri Flamand, seinen Arbeitgeber und machte sich selbständig. Er gründete seinen eigenen Hedgefonds, nannte ihn Edoma und sammelte für dieses Projekt spektakuläre 1 Milliarde Dollar Kapital ein. Anfang des Monats machte es ihm Kay Haigh nach. Dieser verließ die Deutsche Bank, um seinen eigenen Hedgefonds Avantium Investment Management zu gründen.

Die großen Stars, die früher den Eigenhandel großer Investmentbanken dominierten, seilen sich allmählich ab. Angesichts der amerikanischen Volcker Rule, die von Juli 2012 an amerikanischen Investmentbanken Spekulationsgeschäfte auf eigene Rechnung weitgehend untersagt, und angesichts der teuren Eigenkapitalunterlegung des Handelsgeschäftes lösen die großen Investmentbanken ihren Eigenhandel auf. Hochkarätige Händler mit gutem Ruf gründen daher zügig einen Hedgefonds. Sie wollen das Kapital einsammeln, das ihnen jene Investoren überlassen, die nicht unbedingt auf einer jahrelang nachweisbaren Erfolgsgeschichte des Hedgefonds bestehen. Etwa die Hälfte der Kapitalgeber sind zwar gewillt, in Hedgefonds zu investieren, dies aber nur, wenn die Fonds eine Erfolgsgeschichte von drei Jahren vorweisen können

Mit dem Schritt in die Eigenständigkeit vorsichtig sein

„Als unabhängige Hedgefonds werden die Händler mit mehreren Schwierigkeiten konfrontiert“, warnt Andrew Aziz von Algorithmics, einem Unternehmen, das Risikomanagement-Systeme an Hedgefonds verkauft. „Sie müssen sich plötzlich einer strengen Marktaufsicht stellen, Berichte einreichen und müssen ihre Kunden zufriedenstellen, die mehr Transparenz über das Risiko der Fonds fordern als früher.“ Auch müssten sie Geld einsammeln, ohne eine nachweisbare Erfolgsgeschichte präsentieren zu können. „Das sind alles Voraussetzungen, um in den Markt überhaupt einsteigen zu können“, warnt Aziz.

Weltweit sind in diesem Jahr zwar wieder 200 neue Hedgefonds gegründet worden, zeigen Daten von Eurekahedge. Die Zahl der Fonds ist mittlerweile global auf 10.353 gestiegen mit einem verwalteten Vermögen von 1,81 Billionen Dollar. Aber selbst die ehemaligen Händlerstars der Investmentbanken müssen mit dem Schritt in die Eigenständigkeit vorsichtig sein: Selten waren sie allein für die dramatischen Gewinne verantwortlich, sondern arbeiteten in einem eingespielten Team. Diese Teams hatten als Mitarbeiter des Eigenhandels Zugriff auf alle Marktinformationen der Bank. Lukrative Handelsideen wurden ihnen von Mitarbeitern der Bank zugetragen. Dies fehlt den Händlern in den Hedgefonds.

Erfolg stellt sich nicht zwingend ein

Algorithmics warnt auch, dass der Eigenhandel in den Banken außergewöhnliche Unterstützung mit Blick auf Infrastruktur, technische Ausstattung, Risikomanagement und Anforderungen der Aufsichtsbehörden erhalten habe: alles Rahmenbedingungen, um die sich die Händler bis dahin nicht kümmern mussten.

Auch blieben die Händler von den sich ständig ändernden Anforderungen der Kunden verschont. Innerhalb einer Bank stand ein bestimmter Pool von Spekulationskapital zur Verfügung. Ein Hedgefonds indessen muss sein eigenes Liquiditätsmanagement betreiben, muss Leveragevorschriften von Kunden einhalten, und dies schränkt das Portfoliomanagement ein. Darüber hinaus muss sich der Erfolg von Hedgefonds mit der Konkurrenz messen lassen. Schwierige Zeiten oder verpatzte Spekulationsgeschäfte machten den Händlern zwar bankenintern Schwierigkeiten, sie standen aber nicht im Rampenlicht von Investoren, die immer wieder den Erfolg der einzelnen Hedgefonds vergleichen und Kapital entsprechend zur Konkurrenz umschichten.

Headhunter und Dienstleister wie Algorithmics warnen deshalb, dass die abspringenden Eigenhändler oft unterschätzten, wie viel Zeit innerhalb eines Hedgefonds auf das Management des Fonds verwendet werden müsse bis hin zur Personalpolitik - alles Aufgaben, die für ehemalige Händlerstars von Banken ungewohnt seien. Der Erfolg stelle sich daher - selbst bei einem guten Händchen für die Märkte - nicht zwingend ein.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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