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Indexfonds : Ein neues Rekordjahr

Händler an der New York Stock Exchange Bild: AP

Inzwischen sind gut 3,4 Billionen Dollar in den kostengünstigen ETF investiert. Doch die Branche wandelt sich: 2016 kauften Anleger erstmals mehr Fonds auf Anleihen als auf Aktien.

          Der Boom der börsengehandelten Indexfonds dauert an. Nach Daten der Branche haben Anleger im Jahr 2016 abermals rekordhohe Mittel in sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) investiert. Insgesamt sind ihnen im Jahr 2016 auf der ganzen Welt 375 Milliarden Dollar (359 Milliarden Euro) an Kapital zusätzlich zugeflossen, nach einem Plus von 348 Milliarden Dollar im Jahr zuvor.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dies hat iShares, der größte Anbieter von Indexfonds und Tochtergesellschaft des Vermögensverwalters Black Rock, errechnet. Schon Ende November summierte sich das in ETF angelegte Vermögen auf gut 3,4 Billionen Dollar - auch das ein Höchstwert. Die passiven Fonds zeichnen die Wertentwicklung verschiedener Indizes nach und gelten im Vergleich zu klassischen, aktiv verwalteten Fonds als kostengünstiger.

          Mehr als ein Drittel der Zuflüsse entfiel auf Indexfonds des Marktführers iShares. Mit 140 Milliarden Dollar sei hier ebenfalls ein Rekord verzeichnet worden, heißt es vom Unternehmen. Dabei sei ein großer Teil - 60 Milliarden Dollar - auf iShares-Fonds entfallen, die Anleiheindizes abbilden. Betrachtet man diese Zuflüsse regional, dann haben Anleger sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa so viel Geld in Anleihen-ETF von iShares fließen lassen wie nie zuvor.

          Diese Beobachtung spiegelt sich auch in Marktdaten, die Amundi für Europa zusammengetragen hat. Diesen Vermögensverwalter haben die französischen Banken Crédit Agricole und Société Générale im Jahr 2010 gegründet, seit 2015 ist er an der Börse notiert. Laut Berechnungen von Amundi flossen europäischen Indexfonds im Jahr 2016 fast 43 Milliarden Euro zu. Dabei entfielen 23 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der Zuflüsse auf Anleihen-ETF.

          Lässt man andere Anlageklassen wie Rohstoffe einmal außen vor und vergleicht nur Fonds auf Aktien und Anleihen miteinander, dann entfielen im Jahr 2015 noch fast zwei Drittel der Zuflüsse auf Aktien-ETF und ein gutes Drittel auf Anleihen-ETF. 2016 kehrte sich dies laut Amundi erstmals um, zu einem Verhältnis von 42 zu 58 Prozent.

          Trend zu Anleihen-ETF

          Gemessen am angelegten Vermögen dominieren allerdings weiterhin die alten Favoriten, also die Indexfonds auf Aktien. Zuletzt vergleichen sich hier auf der ganzen Welt laut Black Rock rund 2,64 Billionen Dollar in Aktien-ETF - das sind rund drei Viertel des insgesamt in Indexfonds investierten Geldes - mit etwa 594 Milliarden Dollar in den Anleiheprodukten.

          Der Trend hin zu Anleihen-ETF sei von der Tatsache unterstützt worden, dass sich die europäische Fondsindustrie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt habe und nun mehr ETF-Produkte auch auf Zinsanlagen verfügbar seien, sagt Hermann Pfeifer, Leiter des ETF-Bereichs von Amundi für Deutschland, Österreich und Osteuropa. Dabei habe in dem Umfeld niedriger oder sogar negativer Zinsen vor allem die Suche der Anleger nach Rendite das Geschehen bestimmt.

          Und so hätten ETF auf Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr Zuflüsse von mehr als 16 Milliarden Euro verbucht im Vergleich zu nur gut 1 Milliarde Euro, die in Indexfonds auf Staatsanleihen geflossen ist. Im Bereich Unternehmensanleihen sei dabei ein gutes Drittel auf Papiere aus dem Euroraum entfallen.

          Seit Oktober hätten zudem sogenannte Floating Rate Notes hoch in der Anlegergunst gestanden, sagt Pfeifer. Diese Titel seien vor allem für Investoren attraktiv, die ihr Zinsänderungsrisiko reduzieren wollten. Da sich der Zins dem Umfeld variabel anpasse, seien die Floater Zinserhöhungen der Notenbanken weniger ausgesetzt als andere Papiere.

          Smart-Beta-Fonds treffen auf großes Interesse

          Unter den Staatsanleihen-ETF haben laut Amundi seit Jahresbeginn bis Ende Oktober die Zuflüsse in Schwellenländer dominiert. Danach habe es hier eine Wende mit Abflüssen im November und Dezember gegeben. Insgesamt bleibe ein Plus von fast 5 Milliarden Euro. Zuletzt seien dagegen kurzlaufende europäische Staatsanleihen gefragt gewesen.

          Welche Trends zeigen sich noch? Auf vermehrtes Interesse der Anleger stießen auch sogenannte Smart-Beta-Fonds mit einem Jahreszufluss von 7,6 Milliarden Euro im Gesamtjahr, heißt es von Amundi. Diese ETF bilden besondere Indizes nach, die zum Beispiel dividendenstarke, schwankungsarme oder unterbewertete Aktien enthalten. Ziel ist es dabei, höhere Renditen oder geringere Kursschwankungen zu erzielen als mit Standardindizes.

          Europäische Aktien zuletzt wieder etwas mehr gefragt

          Und wie sieht es bei Aktien insgesamt aus? Auf Aktien-ETF entfielen den Daten von Amundi zufolge in Europa Zuflüsse von rund 16 Milliarden Euro - ein gutes Drittel der zusätzlichen Mittel insgesamt. Auch hier hätten bis Oktober Schwellenländer vorne gelegen, nachdem sie von den Investoren einige Jahre lang kaum beachtet worden seien. Im Gesamtjahr hätten Schwellenländeraktien-ETF unter anderem wegen des höheren Ölpreises und des wachsenden Appetits der Anleger nach unterbewerteten Papieren um 5,2 Milliarden Euro zugelegt.

          Im letzten Quartal des Jahres seien für ETF-Investoren dagegen die Wahl des amerikanischen Präsidenten und der Sieg Donald Trumps die wichtigsten Themen gewesen, sagt Pfeifer. Sein auf die Erholung der amerikanischen Wirtschaft fokussiertes Programm habe im November Zuflüsse von 8 Milliarden Euro in Fonds auf amerikanische Aktien nach sich gezogen. Der Trend habe sich auch im Dezember mit einem Plus von 1 Milliarde Euro fortgesetzt.

          Indexfonds auf europäische Aktien hingegen haben laut Amundi seit Jahresbeginn bis Ende August Abflüsse von 13,5 Milliarden Euro verzeichnet. Nach einer Phase der Stabilisierung im September und Oktober seien europäische Aktien in der Anlegergunst im November und Dezember wieder gestiegen. Im Dezember zum Beispiel seien ihnen 1,1 Milliarden Euro zugeflossen.

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