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Neue Fondskonzepte Anleger setzen auf Wasser und Frontier Markets

 ·  Viele althergebrachte Konzepte funktionieren heute nicht mehr. Die Fondsgesellschaften suchen nach Ideen, die den Unterschied zu den konkurrierenden Indexfonds deutlicher werden lassen.

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Die Verantwortlichen in den Fondsgesellschaften suchen nach neuen Wegen aus der Krise, in der die Branche derzeit steckt. Vor allem mit klassischen Aktienfonds, die sich an einem Index orientieren, fällt es ihnen schwer, die Unterscheidungsmerkmale so herauszuarbeiten, dass sie sich im Wettbewerb mit börsennotierten Indexfonds (ETF) behaupten können.

Die einzelnen Fondsgesellschaften gehen unterschiedliche Wege, um diesem Dilemma zu entkommen. Doch die meisten verfolgen ein Ziel: Bisher orientierten sich die Fondsmanager an einem Vergleichsindex, an dem sie sich messen lassen mussten und den sie nach Möglichkeit übertreffen sollten. Die Leistung beispielsweise eines Aktienfonds, der in europäische Standardwerte investiert, lässt sich so am Stoxx 50, einem Index für europäische Standardwerte, messen. Von diesem Konzept wollen sich viele Fondsmanager lösen, zumal ETFs einen solchen Index zuverlässig und zu viel geringeren Kosten abbilden, auch wenn der ETF nie den Index übertrifft und auch nicht übertreffen soll.

Fonds ohne Vergleichsindex

Auf der Suche nach neuen Ideen setzen viele Marktteilnehmer gern auf Fondskonzepte, die keinem bestimmten Vergleichsindex mehr folgen und ganz eigene Themen anbieten. So haben manche Fondsgesellschaften Wasser als Aktienthema entdeckt. „Wir haben schon im Jahr 2000 einen Wasserfonds auf den Markt gebracht und waren damit die Ersten“, sagt Steve Falci, Leiter der Anlagestrategie bei der Fondsgesellschaft Kleinwort Benson Investors in Dublin. Viele Fondsgesellschaften sind seitdem Kleinwort gefolgt. Aktienfonds, die auf Wasser spezialisiert sind, bieten heute auch die schweizerische Vermögensverwaltung SAM, Pictet, Amundi oder auch KBC an.

Hinter diesem Konzept steht die Überlegung, dass die Ressource Wasser wegen der wachsenden Weltbevölkerung, einer intensiveren Nutzung der Böden und des Klimawandels immer knapper wird. Fondsmanager wie Falci investieren deshalb in Unternehmen, die diesen Wandel begleiten. „Die Aktien müssen ein hohes Engagement in diesem Thema haben und mindestens 50 Prozent des Umsatzes damit erzielen“, sagt Falci. „Und dann suchen wir die Marktführer.“ Die Kunst besteht darin, Unternehmen zu meiden, deren Geschäft oder deren Produkte die Wasserressourcen weiter angreifen.

Wasser und Grundbedarf

Themen wie Wasser lassen sich auf unterschiedliche Weise angehen. Falci schaut sowohl nach Wasserversorgern wie nach Unternehmen, die in Wassertechnologie engagiert sind, oder nach Unternehmen, die in der Bereitstellung der Infrastruktur aktiv sind. Die Fondsmanager von SAM gehen ähnlich vor. Sie teilen das Thema „Wasser“ in die Bereiche „Anlagegüter und Chemikalien“, „Qualität und Analytik“, „Bau und Baumaterialien“ und „Versorger“ ein. Die Systematik ist etwas anders, das Ziel dasselbe: Anstatt sich auf eine bestimmte Branche oder auf eine Anlageregion zu fokussieren, soll das Thema Wasser möglichst in seiner ganzen Breite abgedeckt werden.

Ein Klassiker unter den Themenfonds ist der Global Basic Fund der britischen Fondsgesellschaft M&G. Er wird seit seiner Auflegung im Jahr 2000 vom Fondsmanager Graham French verwaltet. French will mit diesem Fonds vor allem in Unternehmen investieren, die Güter und Dienstleistungen für den Grundbedarf aller Menschen herstellen. Denn diese Unternehmen können nach Frenchs Überzeugung unabhängig von der jeweiligen Lage der Weltwirtschaft wachsen. Allerdings ist der Global Basics relativ stark auf Aktien aus dem Rohstoffsektor ausgerichtet, weil hier ein großer Weltbedarf besteht. Zwar hatte der Fonds im vergangenen Jahr, das für Fondsmanager anspruchsvoll verlaufen ist, einen Wertverlust von knapp 10 Prozent. Doch auf drei Jahre gesehen konne der Fonds den Anteilswert um rund 100 Prozent steigern.

Junge Märkte

Carlos von Hardenberg konzentriert sich auf das Thema der ganz jungen, gerade entstehenden Aktienmärkte, Frontier Markets im Finanzjargon genannt. Er ist Fondsmanager bei Franklin Templeton und arbeitet somit eng mit der großen Schwellenmarkt-Legende Mark Mobius zusammen. Seit gut sechs Jahren investiert Hardenberg in Länder wie Kolumbien, Peru, Vietnam, Bangladesch, Turkmenistan, Nigeria oder Kenia. An einem Aktienindex auf diese Märkte orientiert er sich nicht. Bevor er in ein Land investiert, prüfe er die rechtlichen und makroökonomischen Rahmenbedingungen, sagt Hardenberg. Falle dies günstig aus, suche er konsequent nach attraktiven Aktien, unabhängig davon, ob sie ein großes oder kleines Gewicht in einem Index hätten.

So sollen Themenfonds den Anlegern neue Renditechancen eröffnen. Sie haben für die Anleger allerdings auch einen sehr unangenehmen Nebeneffekt: Ihren Erfolg kann man nicht mit einem einfachen Blick auf einen Index überprüfen.

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