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Nachhaltiges Länderrating Ein Frühwarnsystem für Krisenstaaten

 ·  Wer Staaten unter nachhaltigen Kriterien betrachtet, kann besser beurteilen, ob sie in Zukunft zahlungsfähig sind und wie viel Ertrag ihre Anleihen bringen. Das macht sich auch der nachhaltige Rentenfonds von der belgischen Fondsgesellschaft Petercam zunutze.

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Um die Zahlungsfähigkeit von Staaten und den tatsächlichen Ertrag ihrer Anleihen abzuschätzen, reicht es nicht aus, allein klassische ökonomische Daten zu analysieren. Das hat die Schuldenkrise gezeigt. Deshalb wählen nach Aktien- auch immer mehr Rentenfonds ihr Anlageuniversum unter nachhaltigen Gesichtspunkten aus. So auch der Government Bonds Sustainable der belgischen Fondsgesellschaft Petercam. Der aktiv verwaltete Fonds mit einem Volumen von über 286 Millionen Euro investiert ausschließlich in Staatsanleihen von OECD-Ländern.

Wer Länder daraufhin betrachtet, wie stabil ihr politisches System ist, wie ungleich die Einkommen verteilt sind oder ob hohe Korruption vorherrscht, der weiß meist schneller, wo die Probleme im Verborgenen liegen. Ende 2007 führte Petercam eine erste Bewertung von OECD-Staaten nach nachhaltigen Kriterien durch: Von 30 bewerteten Ländern landete Griechenland abgeschlagen auf Platz 28, Spanien und Portugal auf Rang 22 und 21. Zu diesem Zeitpunkt vergab die amerikanische Kreditbewertungsagentur Standard and Poor’s noch Bestnoten für die Bonität dieser Länder. Die Kreditwürdigkeit der Griechen erhielt ein A-, die der Portugiesen ein AA- und die Spanier sogar die Bestnote AAA.

Bewertung nach sozialen und ökologischen Kriterien konstant

Im Sommer 2012 sieht die Welt der Staatsanleihen schon ganz anders aus: Das spanische Bankensystem wackelt, die Renditen für Staatsanleihen des Mittelmeerlands sind für zehnjährige Laufzeiten auf Rekordhöhen von über 7 Prozent gestiegen. Ende April 2012 stufte S&P die Bonität Spaniens gleich um zwei Stellen von „A“ auf „BBB+“ herunter. Portugal gilt mit einer S&P-Bewertung von BB mittlerweile als spekulative Anlage, bei der mit Ausfällen zu rechnen ist. Griechenlands ist faktisch zahlungsunfähig und erhält die schlechtesten Bonitätsnoten, die die Agenturen zu vergeben haben.

Im Gegensatz dazu blieb die Bewertung nach sozialen und ökologischen Kriterien von 2007 bis 2012 vergleichsweise konstant schwach. „Staaten, die wir schon damals nicht für nachhaltig hielten, stellen sich heute als schlechte Schuldner heraus“, sagt Thomas Meyer, der Petercam in Deutschland vertritt. Fazit: Wer nachhaltige Kriterien bei seiner Anlageentscheidung einbezogen hätte, hätte die massiven, strukturellen Probleme Griechenlands oder Spaniens schon früher erkennen können. „Das nachhaltige Länderrating erlaubt eine Langfristprognose“, so Meyer, „es ist eine Art Frühwarnsystem für Krisenstaaten.“

Gutes Gewissen, schlechte Rendite?

Das führt bisweilen zu überraschenden Ergebnissen: Island, das seit nunmehr vier Jahren praktisch als nicht mehr kapitalmarktfähig gilt, nimmt auf der Petercam-Liste heute Platz 4 ein, während S&P die Insel der Fjorde und Geysire mit „BBB-“ nur knapp über der spekulativen Anlage bewertet. „Island zeichnet sich durch eine sehr offene Demokratie und durch eine gut gebildete, innovative Bevölkerung aus“, sagt Meyer. Das Finanzsystem sei dem relativ kleinen Land in der Krise über den Kopf gewachsen, nun stütze sich die Wirtschaft zunehmend auf andere Wirtschaftszweige wie IT und Energieversorgung. Die Aussichten für Island seien daher vielversprechend.

Doch haben auch die Anleger kurz- und mittelfristig etwas davon? Noch immer haftet Nachhaltigkeitsfonds das Image an, Anlegern zwar ein gutes Gewissen, aber nur eine geringe Rendite zu bescheren. Das hält Meyer für zu kurz gedacht. Die Bonität von Staaten und die Rendite ihrer Anleihen hänge langfristig stark davon ab, wie sie das gesellschaftliche Gleichgewicht auf Dauer sichern. Sind die Einkommen etwa sehr ungleich verteilt, so ist es für den Staat schwierig, genügend Steuern einzunehmen und seinen Haushalt zu konsolidieren. Außerdem seien die privaten Schulden der ärmeren Bevölkerung dann hoch: „Nur mit einer gesunden, wachsenden Bevölkerung und gleichmäßig verteiltem Wohlstand ist es möglich, kontinuierliches Wirtschaftswachstum zu erzielen und Staatsschulden zurückzuzahlen.“

„Renditen für Bundesanleihen bleiben nicht auf Dauer so gering“

Die Wertentwicklung scheint Meyers Argumenten recht zu geben. In punkto Rendite schlugen sich viele nachhaltige Rentenfonds in der Krise besser als ihre konventionellen Alternativen. Der Fonds von Petercam hat nach Daten von Morningstar mit 7,68 Prozent in den vergangenen drei Jahren sogar die höchste Rendite in der Klasse Staatsanleihen Euro erzielt, er schnitt über diesen Zeitraum besser ab als 238 andere Fonds. Seit Jahresanfang konnte er rund 4 Prozent hinzugewinnen und liegt damit noch unter den besten 30. Auch der KCD-Union Nachhaltig Renten, aufgelegt von der deutschen Kirchenbank KCD, gehörte mit rund 6 Prozent Rendite seit Mitte 2009 zu den besten 20 Prozent in der Klasse Anleihen Euro diversifiziert. Er schneidet mit mehr als 5 Prozent auch seit Jahresbeginn überdurchschnittlich ab. Ebenso hat der Superior Ethik Renten in den vergangenen drei Jahren 5,34 Prozent zugelegt. Damit zählte der Fonds der österreichischen Bank Schelhammer & Schattera laut Morningstar zu den besten 100 von 448 Fonds der Klasse Anleihen Euro diversifiziert. Seit Jahresbeginn legte er 3,24 Prozent zu.

Die Frage ist nur, ob nachhaltige Rentenfonds ihre positiven Erträge auch halten können. Die Zinsen für Anleihen von Staaten mit guter Bonität, etwa Bundesanleihen oder amerikanische Treasuries, sind derzeit verschwindend gering. Um auch zukünftig auf eine passable Rendite zu kommen, setzt der Fonds von Petercam darauf, etwa kanadische oder skandinavische Papiere höher zu gewichten. Als Alternative nehmen sie auch Anleihen von staatsgarantierten Emittenten in den Blick wie Papiere der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Wir glauben aber nicht, dass die Renditen für deutsche Staatsanleihen auf Dauer so gering bleiben werden“, sagt Meyer. „Die Tiefstände sind nur dem gegenwärtig negativen Umfeld in Europa geschuldet.“

So funktioniert das Nachhaltigkeitsrating bei Petercam

Bei Petercam bewertet ein Ausschuss, bestehend aus zwei Mitarbeitern von Petercam und zwei externen Beratern, die Länder nach ESG-Kriterien – sie stellen also das Handeln eines Staates ökologisch (ecologic), sozial (social) und politisch (governmental) auf den Prüfstand. Quantifizierbare Daten zu Bildung, Verteilung der Einkommen, Demokratie, Umwelt und Gesundheitsversorgung und Wirtschaftsindikatoren werden in die Entscheidung einbezogen. Das statistische Material kommt von internationalen Organisationen wie den Unterorganisationen der UNO, der OECD, der Weltbank, Transparency International oder der Umweltorganisation WWF. Andere nachhaltige Rentenfonds berufen sich für ihre Länderratings auf Nachhaltigkeitsinstitute wie Oekom Research aus München oder Imug aus Hannover.

Viele dieser Daten verwenden laut Thomas Meyer von Petercam auch große Kreditbewertungsagenturen zur Einschätzung der Bonität von Staaten. Sie gewichteten die Indikatoren jedoch anders. Bei Petercam entfallen zum Beispiel nur 6 von insgesamt 100 Punkten in der Bewertung auf ökonomische Indikatoren, 21 Punkte hingegen auf ökologische und 26 Punkte auf soziale Faktoren. Aus den Punkten ergibt sich eine Reihenfolge. Die obere Hälfte der bewerteten Länder gilt als gute Investition, die untere Hälfte wird von den Fondsmanagern ausgeschlossen. Aus der oberen Hälfte der Länder wählt der Fondsmanager dann nach klassischen Anlagekriterien die geeigneten Produkte aus: er bewertet die Länder auf Grundlage einer Fundamentalanalyse, analysiert historische Daten und antizipiert zukünftige Trends.

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Jahrgang 1981, Redakteurin in der Wirtschaft.

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