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Nach verlustreichem Jahr 2011 Marktrally holt Hedgefonds aus dem Tief

Die Hedgefonds hatten einen guten Start ins neue Jahr. Angesichts hoher Verluste in der Vergangenheit stören sich Anleger aber an hohen Gebühren.

© ddp Vergrößern Die Hedgefonds-Branche freute sich im Januar und Februar über eine Anfangsrendite von 4,3 Prozent

Die Hedgefonds-Branche atmet auf. Das neue Jahr hat gut begonnen und den Fonds nach Angaben von Eurekahedge eine Anfangsrendite von 4,3 Prozent im Januar und Februar beschert. Dadurch stieg das global verwaltete Anlagekapital wieder auf mehr als 1,72 Billionen Dollar. Die Branche hatte eine Wende zum Besseren bitter nötig.

2011 war das zweitschlechteste Jahr der Branche, seitdem Investoren die Investmentklasse entdeckt haben und die Finanzkrise den Anlegern 2008 mit derben Verlusten ins Kontor schlug. Der - nach dem Investmentumfang gewichtete - Erfolgsindex der Branche, der HFRI Fund Weighted Composite Index, wies Ende 2011 einen Verlust für die Branche von 5 Prozent aus. Die Investoren wären besser gefahren, hätten sie ihr Geld in amerikanische Aktien, zum Beispiel in den S&P 500, investiert. Der Index verzeichnete über das Jahr 2011 gesehen zumindest keinen Verlust. Europäische Fonds schnitten im vergangenen Jahr mit einem Minus von 6,4 Prozent noch schlechter ab.

Niedrigere Gebühren gegen eine etwas längere Kapitalbindung

Hedgefonds, die in den Schwellenländern anlegen, mussten ihren Investoren sogar ein Minus von 8,3 Prozent melden, haben sich in den beiden ersten Monaten dieses Jahres jedoch um 6,7 Prozent erholt.

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Freilich weicht der Erfolg einzelner Hedgefonds gewaltig vom Mittelwert der Branche ab, und die professionellen Anleger wollen mit ihrer Investition in Hedgefonds gerade nicht die Rendite abbilden, die ihnen klassische Aktienmärkte bieten. Es rumort deshalb in der Branche. Die professionellen Investoren sind anspruchsvoller geworden, pochen auf eine höhere Transparenz und akzeptieren die Managementgebühren und die Erfolgsbeteiligung der Fondsmanager nicht mehr klaglos.

Angesichts der Verluste im vergangenen Jahr stören sich viele Anleger an der Gebührenstruktur der Fonds. Nach Angaben der Deutschen Bank hat die Hälfte der Investoren im vergangenen Jahr Gebührenverhandlungen geführt, worauf sich die Fonds auch eingelassen hätten. Meist ließen sich niedrigere Gebühren gegen eine etwas längere Kapitalbindung vereinbaren. Sie sollte aber nicht mehr als 2 Jahre betragen.

Jungen Fondsmanagern fehlt die jahrelange Erfolgsgeschichte

Auch lassen die Investoren die potentielle Rückzahlung ihres Kapitals nicht mehr so lange hinauszögern wie früher. Dies ist das Ergebnis von Branchenberichten der Deutschen Bank und der Credit Suisse. Ein Drittel der professionellen Geldgeber will auch nicht, dass Hedgefonds ihre Portfolios in Notzeiten einfrieren - eine Konsequenz ihrer schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise.

Die Branche konsolidiert. Investoren wählen zunehmend etablierte und vermeintlich sichere Hedgefonds aus. Mittlerweile verwalten etwa 5 Prozent der globalen Hedgefonds 90 Prozent des Anlagekapitals der Branche. Gleichzeitig fällt es den großen Fonds schwerer, ihre atemberaubenden Anfangserfolge zu wiederholen und ihre Milliardenbeträge renditeträchtiger als der Markt anzulegen. Kleine Fonds indessen können nach einer Studie von Pertrac und einem Bericht des Fachverbandes der Branche, der Londoner AIMA, zwar erfreuliche Sondererträge erzielen. Schließlich werden sie oft von extrem guten Händlern geführt, die ihr begrenztes Anlagekapital am Markt schnell umschichten können und nicht durch große Bürokratie gelähmt werden.

Auf der anderen Seite fehlt jungen Fondsmanagern die jahrelange Erfolgsgeschichte, die institutionelle Investoren vor einem Engagement fordern. Große Anleger fürchten zudem, dass kleinere Fondsmanager nicht das Risikomanagement, die IT-Ausstattung, die Abwicklung der Transaktionen und die interne Organisation auf dem Standard bieten, den sie erfüllt sehen wollen.

Investoren schichten um

Nach Angaben der Deutschen Bank investieren daher 44 Prozent der Anleger in Hedgefonds, die mindestens 1 Milliarde Dollar verwalten. Bei institutionellen Investoren sind es sogar 62 Prozent. Allerdings suchen Investoren gleichzeitig nach kleinen Fonds, die ihnen Sondererträge einspielen. Nach Angaben des Fachverbandes AIMA hoffen Marktbeobachter, dass junge Fonds in diesem Jahr eine Rendite von 10 Prozent erzielen. Dies wäre mehr als die erwartete Gesamtrendite der Branche von 8,6 Prozent. Die akribische Suche nach Sondererträgen erklärt, warum immer mehr Investoren Kapital, das sie bisher in Dachfonds gehalten haben, in Einzelfonds umschichten.

Nach Angaben von Credit Suisse schätzen Marktteilnehmer, dass das verwaltete Kapital der Hedgefonds-Branche dieses Jahr um 12 Prozent auf 2,13 Billionen Dollar steigen wird. Die Hälfte der Investoren zeigte sich im vergangenen Jahr jedoch enttäuscht über die Verluste der Branche. Sie erwarten von Hedgefonds, dass sie in schlechten Zeiten besser abschneiden als der Markt, akzeptieren aber, dass die Erträge in Zeiten einer ausgeprägten Rally nicht so hoch ausfallen.

Quelle: F.A.Z.

 
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