Die im Mai 2011 umgesetzte Reform des Parketthandels in Frankfurt hat dessen Bedeutungsverlust nicht stoppen können. Seither hat sich in jedem Handelsmonat der Umsatz auf dem Parkett deutlich schwächer entwickelt als der Handel auf Xetra. Auch der Marktanteil am deutschen Börsenhandel insgesamt ist rückläufig. Wurden im April 2011 noch fast 16 Prozent aller Wertpapiertransaktionen an deutschen Börsen auf dem Frankfurter Parkett getätigt, sind es im April 2012 nur noch knapp 7 Prozent. Der Anteil am Handelsumsatz ging von 12 auf 7 Prozent zurück. Wegen des insgesamt schwächeren Marktumfeldes haben sich die absoluten Zahlen sogar etwa halbiert.
„Die Marktanteile könnten besser, sein, wir sind damit noch nicht zufrieden“, sagt Rainer Riess, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse. Das Handelsvolumen habe sich jedoch unverdientermaßen nicht so entwickelt wie erhofft. „Der Handel ist durch die Reform sehr viel schneller, internationaler und günstiger geworden.“ So ist nach Angaben der Deutschen Börse der Anteil der Teilausführungen deutlich rückläufig, so dass die Abwicklungskosten für die Marktteilnehmer um etwa ein Fünftel gesunken seien.
Eine Sache von Jahren
Die Deutsche Börse hatte im Mai 2011 den Parketthandel aus einem öffentlich-rechtlichen Handelsmodell auf das privatrechtliche Xetra-System überführt. Die bisherigen Börsenhändler unterstützen den Handel als sogenannte Spezialisten. Der Parketthandel wird von der Börse seither als Xetra-Spezialistenhandel bezeichnet. Durch die Überführung auf das Xetra-System konnten fortan alle Xetra-Teilnehmer auf die Dienstleistungen des Frankfurter Parketthandels zugreifen.
Gab es zuvor praktisch keine internationalen Handelsteilnehmer auf dem Parkett, waren nach der Reform mehr als 4.000 Händler aus 18 Ländern an das System angeschlossen. „Mittlerweile kommen 10 Prozent der Handelsumsätze aus dem Ausland“, sagt Riess. „Hier sehen wir noch sehr viel Potential, da das Frankfurter Parkett eine in Europa einzigartige Vielfalt an Wertpapieren zu bieten hat.“ Die internationale Verbreitung könne jedoch nicht über Nacht gelingen, sondern sei eine Sache von Jahren.
Um die Vorzüge des Frankfurter Parketts national und international bekannter zu machen, werden die Xetra-Spezialisten künftig vertraglich zu gemeinsamen Maßnahmen zur Verbesserung der Marktqualität verpflichtet. „Wir haben immer noch sehr viele Handelshäuser auf dem Frankfurter Parkett, was eine Durchführung gemeinsamer Maßnahmen komplex macht und verlangsamt“, sagt Riess. Allen 13 Wertpapierhandelshäusern werden zum 1. Oktober neue Kontrakte angeboten. „Wir streben hier eine weitere Professionalisierung an“, sagt Riess. „Wir haben schon alte Zöpfe abgeschnitten und werden dies auch weiterhin tun.“
Neben der Verpflichtung zu gemeinsamen Maßnahmen und der Erweiterung der Anforderungen an die IT-Systeme wird die Börse fortan ein Mindesteigenkapital von 3 Millionen Euro je Handelshaus verlangen, bisher war dies nicht vorgeschrieben. Damit soll sichergestellt werden, dass alle Handelshäuser wie gewünscht selbst mit Wertpapierkäufen und -verkäufen ins Risiko gehen und so für einen liquiden Handel sorgen können. Größere Handelshäuser hatten ein Mindesteigenkapital von 10 Millionen Euro für angemessen gehalten. „Wir haben die neuen Anforderungen an Eigenkapital und redundante IT-Systeme für Notfallszenarien so ausgestaltet, dass sie zwar heute noch nicht von allen Handelshäusern erfüllt werden, aber für alle machbar sind“, sagt Riess. „Unser Ziel ist es nicht, Handelshäuser auszuschließen.“ Die Kriterien seien im Dialog mit den Handelshäusern entstanden.
Die Deutsche Börse sucht hier den Schulterschluss mit allen Xetra-Spezialisten, nachdem das Verhältnis insbesondere zu kleinen Handelshäusern jahrelang äußerst angespannt und von juristischen Auseinandersetzungen geprägt war. Dies ist seit der Parkettreform anders, gegen die auch keine der ehedem 21 Wertpapierhandelsbanken geklagt hat. Mittlerweile sind noch 13 Handelshäuser auf dem Parkett vertreten. Die höheren Anforderungen könnten zu weiteren Zusammenschlüssen oder Übernahmen führen.
Auf dem Frankfurter Parkett werden mehr als 10.000 Aktien, 20.000 Anleihen, 3.000 Fonds und 900.000 Zertifikate und Hebelpapiere gehandelt. Institutionelle Händler bevorzugen in aller Regel den klassischen Xetra-Handel. Privatanleger handelten Aktien zuletzt immer häufiger an der Berliner Börse Tradegate. Die Börse Stuttgart ist Marktführer im Handel mit Zertifikaten und Hebelpapieren.