02.08.2011 · Nach den Turbulenzen an der Börse attestieren Berater steigende Risikoaversion der Anleger. Zudem gibt es ein erstes Garantiezertifikat auf den F.A.Z.-Index. Es garantiert dem Anleger zum Ende der Laufzeit die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals.
Von Daniel MohrDie jüngsten Börsenturbulenzen angesichts der hohen Staatsschulden in einigen Euroländern und den Vereinigten Staaten haben zu einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Anleger am Zertifikatemarkt geführt. Nach einer Umfrage der Ratingagentur Scope Analysis unter Zertifikateemittenten ist von der noch im zweiten Halbjahr 2010 festgestellten höheren Risikoneigung der Anleger nichts mehr übriggeblieben.
Im Gegenteil: Der Trend gehe wieder in Richtung vollständiger Schutz des Kapitals vor Kursverlusten. Auch in einer Umfrage der Fachzeitschrift "Der Zertifikateberater" kam eine hohe Präferenz der Anleger für kapitalgarantierende Zertifikate zum Ausdruck. Gleichzeitig zeigten die Anleger jedoch das größte Interesse an einer vergleichsweise riskanten Anlageform, nämlich deutschen Aktien.
Die Landesbank Baden-Württemberg bringt die Risikoaversion und das Interesse an deutschen Aktien nun in einer "LBBW Deutschland Safe-Anleihe mit Cap" unter einen Hut. Es ist das erste Garantiezertifikat auf den 100 deutsche Aktiengesellschaften umfassenden F.A.Z.-Index. Es garantiert dem Anleger zum Ende der Laufzeit in sechs Jahren mindestens die Rückzahlung seines eingesetzten Kapitals. Sollte der F.A.Z.-Index in der Zwischenzeit gestiegen sein, so partizipiert der Anleger daran bis zu einer Obergrenze von 150 Prozent des Ausgangswerts. Die Rendite ist damit auf 50 Prozent in sechs Jahren begrenzt. Dies entspricht einer jährlichen Rendite von 6,6 Prozent.
Mindestanlagesumme 1000 Euro
Anleger können das Zertifikat mit der Wertpapierkennnummer LB1FAZ noch bis zum 2. September in zahlreichen Banken und Sparkassen zeichnen. Der Handel an der Börse Euwax in Stuttgart soll am 7. September beginnen. Das Zertifikat wird in einer Stückelung zu je 1000 Euro begeben. Damit beträgt die Mindestanlagesumme 1000 Euro. Der Schlussstand des F.A.Z.-Index vom 2. September ist für die weitere Berechnung des Zertifikats relevant. Wer das Produkt in der Zeichnungsphase erwirbt, zahlt einen Ausgabeaufschlag von maximal 2 Prozent. Wer diesen umgehen möchte, kann auch bis zum Beginn des Börsenhandels warten und das Zertifikat dann an der Börse möglicherweise günstiger erwerben. An der Börse kann das Zertifikat auch jederzeit wieder verkauft werden.
Die Kapitalgarantie gilt allerdings nur zum Laufzeitende. Zwischenzeitlich kann ein zu 1000 Euro erworbenes Zertifikat auch weniger als 1000 Euro wert sein. Die Struktur eines Garantiezertifikats setzt sich auf Bankenseite aus einer Nullkuponanleihe und Terminkontrakten zusammen. Im genannten Beispiel kauft die LBBW für 85 Prozent des Anlegergeldes eine Nullkuponanleihe mit sechs Jahren Laufzeit. Eine Nullkuponanleihe ist dadurch gekennzeichnet, dass der Anleger keinen Kupon vereinnahmt, sondern seinen Ertrag alleine durch Kursgewinne generiert. Die genannte Anleihe wird in sechs Jahren zu 100 Prozent zurückgezahlt. Damit stellt der Emittent des Garantiezertifikats die Kapitalgarantie für den Anleger sicher. Die übrigen 15 Prozent werden für die Partizipation am F.A.Z.-Index verwendet.
Keine Änderungen an der Garantie
Je höher die Zinsen in Deutschland steigen, desto günstiger werden Nullkuponanleihen. Steigen die Zinsen in den nächsten Monaten und Jahren, kann dies daher bei dem beschriebenen Garantiezertifikat zu Kursverlusten der Nullkuponanleihe führen. An der Garantie zum Laufzeitende des Zertifikats ändert dies jedoch nichts. Hier hat der Anleger nur zu beachten, dass die Rückzahlung von der Bonität der Landesbank Baden-Württemberg abhängt. Ist die LBBW in sechs Jahren nicht mehr zahlungsfähig, droht dem Anleger ein Totalverlust. Ein genauer Blick auf den Emittenten eines Zertifikats ist gerade bei längeren Laufzeiten daher ebenso wichtig wie die Analyse der Produktstruktur und des Basiswerts.
Der F.A.Z.-Index bildet rund 83 Prozent des Börsenwerts deutscher Unternehmen ab, der Dax nur 68 Prozent. Damit liefert der F.A.Z.-Index ein breiteres Bild der deutschen Wirtschaft mit einer größeren Risikostreuung als der nur 30 Werte umfassende Dax. Der F.A.Z.-Index ist jedoch ein Kursindex. Dividendenzahlungen der Unternehmen gehen daher im Unterschied zum Dax nicht in die Indexentwicklung ein. Das führt auf ein Jahr gerechnet zu einer Minderrendite von rund 2 Prozent. Die Konstruktion als Kursindex macht den F.A.Z.-Index jedoch gerade für Garantiestrukturen attraktiv. Die LBBW hat das genannte Zertifikat auch für den Dax durchgerechnet und kam auf eine maximale Rendite von 4 Prozent im Jahr statt der nun möglichen 6,6 Prozent mit dem F.A.Z.-Index. Wegen der mageren Renditen gibt es auf den Dax kaum Garantiezertifikate.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,2347 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 101,54 $ | −0,08% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |