07.01.2008 · Der Zertifikatemarkt in Europa boomt. Oft sehen die Produkte jedoch optisch interessanter aus, als sie es faktisch sind. Das gilt auch für das Easy Multi Bonus Zertifikat der Société Générale auf RWE, Thyssen-Krupp und Siemens.
Der Zertifikatemarkt in Europa boomt. Immer mehr angeblich neuer und für die Anleger scheinbar „vorteilhafter“ Produkte kommen auf den Markt und werden von den Emittenten mit wolkigen Worten und eindrucksvoll bunten Werbemitteilungen, Broschüren und nicht zuletzt auch mit eifrig „gesponserten“ Fernsehsendungen vermarktet.
Nicht selten wird gar der Eindruck vermittelt, man könne als Anleger nicht mehr ohne derartige Produkte auskommen. Und selbst wenn man es täte, sei man „altmodisch“ oder gar hinter dem Mond zuhause. Erfahrene Anleger werden jedoch genau an diesem Punkt skeptisch werden. Zu oft wurde schon in der Vergangenheit die Vision der „eierlegenden Wollmilchsau“ oder der risikolosen Rendite geweckt, die sich dann doch als Fata Morgana entpuppte.
Bei genauer Betrachtung weniger attraktiv
Tatsächlich zeigt der konkrete Blick auf beinahe beliebig wählbare Konstrukte in Zertifikatform, dass sie den Emittenten eher dazu dienen, Risiken zu verschleiern und hohe Margen zu verstecken, als dem Anleger einen großartigen Vorteil zu verschaffen. Das zeigt sich auch am kürzlich auf den Markt gekommenen Easy Multi Bonus Zertifikat der Société Générale auf RWE, Thyssen-Krupp und Siemens gleichzeitig mit der Isin DE000SG0LRS4.
Das Papier mit einer Laufzeit von insgesamt 18 Monaten verspricht dem Inhaber eine Mindestrendite über diese Laufzeit von mindestens 20 Prozent und eine Partizipation an darüber hinausgehenden Kursgewinnen. Das klingt zunächst vernünftig, allerdings legt eine genauere Betrachtung mehrere kritische Punkte offen.
Erstens verlangte die Société Générale bei der Zeichnung einen Agio von zwei Prozent. Das alleine schafft schon einmal wenig Sympathie. Zweitens wird der Bonus von 20 Prozent nur garantiert, so lange keine der drei bezogenen Aktien ein zwischenzeitliches Minus von 40 Prozent im Handelsverlauf zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Laufzeit verbuchte. Sollte das Ereignis eintreten, würde der Anleger den Gegenwert der schwächsten Aktie ausbezahlt erhalten. Alleine über diese adverse Selektion muss er einen negativen Diversifikationseffekt hinnehmen.
Sorgenkind Thyssen-Krupp
Ein Minus von 40 Prozent mag zunächst relativ unwahrscheinlich klingen. Allerdings zeigt der Blick auf rollierende 18-Monatsperioden der vergangenen Jahre (siehe Chart), dass alle drei der Aktien in den vergangenen Jahren solche Kursverluste hinnehmen mussten. Dazu kommt die Tatsache, dass sich mit Thyssen-Krupp eine hoch volatile Aktie im Korb der betrachteten Aktien befindet. Ihre langfristige Volatilität liegt bei etwa 30 Prozent. Auf dieser Basis liegt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Bonus verloren geht, bei rund 20 Prozent. In diesem Falle müsste der Anleger deutliche Verluste hinnehmen.
Die Wahrscheinlichkeit dürfte faktisch deutlich höher liegen, da Thyssen-Krupp eine hoch zyklische Aktie ist, die in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen ist. Aus diesem Grund dürfte eine deutliche Korrektur in den kommenden Monaten kaum überraschen können, sollte sich die Weltkonjunktur im Rahmen der Kredit- und der amerikanischen Wachstumskrise deutlicher abkühlen.
Aktien vorteilhafter
Jedoch nicht nur diese Risiken müssen betrachtet werden, sondern auch die Alternative: Der direkte der Erwerb der drei Aktien. In den vergangenen fünf Jahren hätte sich auf diese Weise im 18-Monats-Durchschnitt ein Kursgewinn von knapp 27 Prozent erzielen lassen. Das ist nicht nur mehr als der versprochene Bonus, sondern dazu wären auch noch die zum Teil beachtlichen Dividenden gekommen, die dem Anleger beim Kauf des Zertifikats entgingen.
Insgesamt zeigt das Beispiel einmal mehr, dass der Kauf von Aktien in Verbindung mit intelligenten Absicherungsstrategien in Form regelmäßig angepasster Stopp-Loss-Orders interessanter zu sein scheint, als der Erwerb eines schlecht berechenbaren Zertifikats. Letztlich ist man beim Handel von Zertifikaten zudem auf die Preisstellung des Emittenten und auch dessen Bonität angewiesen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |