10.03.2009 · Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors verzeichnete im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben die höchsten Nettomittelabflüsse unter den deutschen Fondsgesellschaften. 2008 ziehen Anleger fast 10 Milliarden Euro netto ab.
Von Christian Hiller von GaertringenAllianz Global Investors (AGI), die Fondsgesellschaft des Allianz-Versicherungskonzerns, hat im vergangenen Jahr einen schweren Aderlass erlitten. 9,9 Milliarden Euro zogen die Privatanleger unter dem Strich aus den Publikumsfonds der Gesellschaft ab. Damit verzeichnete AGI nach eigenen Angaben die höchsten Nettomittelabflüsse unter den deutschen Fondsgesellschaften.
In den Monaten Januar und Februar dieses Jahres setzten sich die Mittelabflüsse im Geschäft mit Publikumsfonds fort, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Thomas Wiesemann, am Dienstag in Frankfurt. Auch die Übernahme der Fondsgesellschaft Cominvest der Commerzbank im Januar durch Allianz Global Investors konnte die Bewegung nicht stoppen.
Fondsgesellschaften werden zusammengeführt
„Die Kommunikation der Wertentwicklung den Kunden gegenüber ist zurzeit ein besonders unangenehmes Thema“, beschrieb Horst Eich, ebenfalls Sprecher der Geschäftsführung von Allianz Global Investors, die Widrigkeiten, die in diesen schweren Börsenzeiten zu seinem Berufsbild zählen.
Dennoch soll der Kauf der Cominvest die Fondsgesellschaft der Allianz mit Abstand an die Spitze der Branche in Deutschland führen. Auf einen Marktanteil von 22 Prozent mit einem verwalteten Volumen von 303 Milliarden Euro kommt die Fondsgesellschaft durch diese Übernahme im gesamten Fondsgeschäft, also inklusive Spezialfonds und Mandaten. Die DWS-Gruppe der Deutschen Bank kommt nach Angaben von AGI auf 188 Milliarden Euro und einen Marktanteil von 12 Prozent und wäre damit Branchenzweiter.
Die Cominvest soll die Kundenbasis von Allianz Global Investors stärken. Durch diese Transaktion will die Fondsgesellschaft vor allem die Commerzbank als Vertriebspartner gewinnen. Nach dem Kauf der Dresdner Bank sei die Commerzbank „der größte Kanal ins deutsche Privatkundengeschäft“, sagte Eich. Bis 2011 sollen die beiden Fondsgesellschaften zusammengeführt werden. Die Marke Cominvest wird der Planung nach Ende 2010 verschwinden.
Vertrauen zurückgewinnen
Von der Cominvest bleiben laut dem Leiter der Anlagestrategie, Andreas Utermann, gut eingeführte Fonds wie der Fondak erhalten, der in deutsche Standardwerte investiert und auf ein Fondsvolumen von 1,1 Milliarden Euro kommt. Auch bei Mischfonds und Dachfonds habe die Cominvest Expertise, sagte Utermann weiter.
„In der Vergangenheit sind zu viele Risikokomponenten verschwiegen worden“, sagte Eich selbstkritisch mit Blick auf die Fondsbranche. Nun gelte es, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Doch die Verunsicherung werde bei den Privatanlegern noch eine Weile andauern, ergänzte Wiesemann. Er hofft, die Anleger beispielsweise durch Garantieprodukte oder auch durch Renten- und Aktienfonds, die an die derzeitige Marktlage angepasst seien, wieder zu einer Fondsanlage zu bewegen. „Die Kunden wollen jetzt Produkte, die einfach zu verstehen sind“, sagte Rentenfonds-Chef Matthieu Louanges. „Alles, was komplex ist, trägt jetzt ein Stigma.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |