Nach der Erholung des Jahres 2010 ist die deutsche Fondsbranche im abgelaufenen Jahr wieder in die Krise gerutscht. Deutsche Privatanleger zogen 2011 etwa 11,1 Milliarden Euro allein aus aktiv verwalteten Aktienfonds ab. Das teilte der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Dienstag auf seiner Jahrespressekonferenz in Frankfurt mit. Gleichzeitig sammelten passiv verwaltete, börsengehandelte Aktienindexfonds (Aktien-ETF) im vergangenen Jahr rund 8,8 Milliarden Euro neue Mittel ein. Unter dem Strich flossen aus Aktienfonds 2,3 Milliarden Euro ab. Den Publikumsfonds entzogen die Anleger 2011 netto 16,6 Milliarden Euro.
Der Mittelabfluss setzte sich zu Jahresbeginn fort. Im Januar sei die Entwicklung bei den Publikumsfonds über alle Anlageklassen hinweg negativ, wobei die einzelnen Fondsgesellschaften aber sehr unterschiedlich abschnitten, sagte Thomas Neiße, Präsident des BVI und Vorsitzender der Geschäftsführung von Deka Investment, der Fondsgesellschaft der deutschen Sparkassen. „Wir können nicht sagen, dass es schon gut wäre, wenn sich die aktuelle Entwicklung so fortsetzt“, sagte Neiße weiter. Für das Gesamtjahr 2012 erwartet Neiße ein schwieriges Geschäft.
Abkehr der Privatanleger von Investmentfonds
Die Fondsbranche blickt laut Neiße auf ein turbulentes Jahr zurück. „Professionelle Anleger kauften, Privatanleger verkauften“, fasste er die Entwicklung zusammen. Zwar war das Mittelaufkommen 2011 mit insgesamt 29,5 Milliarden Euro unter dem Strich positiv, im Vorjahr hatte es rund 87,5 Milliarden Euro betragen. Damit flossen den Fondsgesellschaften im vergangenen Jahr etwa 58 Milliarden Euro netto weniger zu als im Jahr zuvor. Am meisten Mittel zogen Privatanleger mit 5,8 Milliarden Euro aus Rentenfonds ab. Absolut verwaltete die Fondsbranche im Jahr 2011 ein Vermögen von 1783 Milliarden Euro. Dies entspreche knapp 70 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes, sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter.
Die Abkehr der Privatanleger von Investmentfonds bedeutet aus Sicht des BVI nicht, dass Anleger diesen Produkten generell das Vertrauen entzogen hätten. BVI-Funktionär Richter machte vielmehr die hohe Unsicherheit auf den Finanzmärkten, die Staatsschuldenkrise einiger Euroländer sowie die sehr niedrigen Zinsen für europäische Staatsanleihen dafür verantwortlich. Zudem hätte die Sorge vor Kursverlusten bei einer Zinserhöhung die Anleger dazu bewogen, aus Rentenfonds auszusteigen. Das niedrige Mittelaufkommen spiegelt laut Richter keine Vertrauenskrise in Fonds, sondern eine Vertrauenskrise in die Kapitalmärkte. Trotzdem wolle der BVI seine Werbekampagne für Investmentfonds fortführen.
Noch kein größerer Stellenabbau bekanntgegeben
Das schwache Geschäft mit Privatanlegern konnten viele Fondsgesellschaften durch einen stärkeren Verkauf von Fonds an institutionelle Anleger zumindest zum Teil auffangen. Versicherer, Banken oder auch Einrichtungen zur Altersvorsorge legten 2011 rund 45,3 Milliarden Euro zusätzliches Kapital in Spezialfonds und etwa 800 Millionen Euro in Vermögensverwaltungsmandaten an. Insgesamt lassen sie ein Vermögen von 1132 Milliarden Euro von Kapitalanlagegesellschaften verwalten. 846 Milliarden Euro davon entfallen auf Spezialfonds, 286 Milliarden Euro auf Vermögensverwaltungsmandate.
Besonders Anbieter von Altersvorsorge zählten nach Angaben des BVI zu den bedeutendsten Anlegergruppen von Spezialfonds: Auf sie entfielen rund zwei Drittel des verwalteten Vermögens. Lebensversicherungen investierten etwa 26 Prozent und Pensionskassen rund 28 Prozent ihres Geldvermögens in Investmentfonds. Berufsständische Versorgungswerke lassen sogar 40 Prozent ihres Anlagekapitals von Fondsgesellschaften verwalten. Dementsprechend sieht der BVI in der privaten Altersvorsorge Wachstumspotential für die Fondsbranche.
Das schwierige Marktumfeld geht an der Fondsbranche nicht spurlos vorbei, da die Erlöse der Fondsgesellschaften eng vom Vermögen, das sie verwalten, abhängen. Zwar hat noch keine Fondsgesellschaft einen größeren Stellenabbau bekanntgegeben. Doch laut Neiße suchten die Fondsgesellschaften nun verstärkt nach Möglichkeiten, ihre Ausgaben einzuschränken. So prüften einzelne Anbieter, Fonds auszulagern oder ihre Expansionspläne in neue Regionen wie die Schwellenländer auf Eis zu legen. „Da wird jetzt an allen Ecken und Kanten gespart“, sagte Neiße. Sorgen, dass die Fondsgesellschaften geringere Erlöse über eine Anhebung der Verwaltungsgebühren ausgleichen wollten, versuchte Neiße zu zerstreuen. Es gebe „keine Indikation, dass eine neue Gebührenrunde eingeleitet wird“, sagte dieser.
Offene Immobilienfonds, die in den vergangenen Jahren in eine schwere Krise geraten sind, sieht der BVI auf gutem Weg. Die Gesetzesreform für diese Produkte setze ein „solides Fundament für die Zukunft“, sagte Neiße.
Die Leute werden einfach klüger
Alex Zunker (zunker)
- 07.02.2012, 22:30 Uhr
So wir das weitergehen...
Gutmensch 13 (gutmensch13)
- 07.02.2012, 22:18 Uhr