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Mittelabflüsse Die Fondsbranche richtet sich in der Krise ein

05.05.2009 ·  Hohe Mittelabflüsse und zahlreiche unrentable Produkte - die Fondsbranche steckt in einer handfesten Strukturkrise. Viele Akteure machen sich grundsätzliche Gedanken über das Geschäft - und streichen Fonds zusammen, wo sie nur können.

Von Christian Hiller von Gaertringen
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Die deutsche Fondsbranche wird immer schmerzhafter von der Krise erfasst. Allein im März zogen die Anleger 5,2 Milliarden Euro mehr aus Publikumsfonds - inklusive offenen Immobilienfonds - ab, als sie gleichzeitig einzahlten. Der Rückzug der Anleger aus Investmentfonds hat ein derartiges Ausmaß erreicht, dass sich viele Akteure der Branche mittlerweile grundsätzliche Gedanken über das Geschäft machen.

Im ersten Quartal summierten sich die Mittelabflüsse auf mehr als eine Milliarde Euro. Das Vermögen, das die deutschen Fondsgesellschaften in Publikumsfonds verwalten, schrumpfte im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 576 Milliarden Euro und in den ersten drei Monaten dieses Jahres weiter auf 565 Milliarden Euro.

Vom Rückzug sind Aktienfonds besonders betroffen. Hier schrumpfte das Fondsvermögen im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent auf 125 Milliarden Euro. Aber auch Rentenfonds fallen in Ungnade. Hier ist das Fondsvermögen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf 139 Milliarden Euro gefallen.

Einige mittelgroße Marken werden verschwinden

Die Fondsgesellschaften verdienen vor allem an der Verwaltungsgebühr, die sie auf das Fondsvermögen erheben, das die Anleger bei ihnen anlegen. Insofern dürften im Branchendurchschnitt auch die Einnahmen der Fondsgesellschaften im Gleichschritt gefallen sein. Börsengehandelte Indexfonds (ETF) sorgen für zusätzliche Konkurrenz um die Geldanlagen der Deutschen. ETFs ermöglichen zu weitaus günstigeren Konditionen eine Investition in die wichtigen Aktienindizes der Welt und zunehmend auch in einzelne Branchenindizes. Diese setzen somit die großen Fonds zusätzlich unter einen enormen Preisdruck.

Zwar beteuerten die großen deutschen Fondsgesellschaften unisono zu Jahresbeginn, dass sie für 2008 einen Gewinn ausweisen konnten. Doch dürften einige der rund 100 in Deutschland aktiven Fondsgesellschaften hart an der Verlustzone wirtschaften. Deshalb erwarten viele Branchenkenner, dass nach der Übernahme der Cominvest durch Allianz Global Investors weitere mittelgroße Marken in absehbarer Zeit verschwinden werden. Wie angespannt derzeit die Nerven in der Branche sind, zeigt auch, dass die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, die DWS, seit Wochen in einer Führungskrise steckt. Kürzlich wurden nicht nur vier von neun Aufsichtsräten - darunter auch der Vorsitzende - ausgetauscht. Auch der DWS-Europa-Chef Stephan Kunze musste im April überraschend gehen. Bis heute ist unklar, ob es diese Funktion in Zukunft überhaupt noch geben wird.

Keine indexorientierten Rentenfonds mehr für Privatanleger

Auch einige Fondsklassen wie Geldmarktfonds oder althergebrachte Rentenfonds geraten zunehmend in die Klemme. Angesichts eines Leitzinses von bald nur noch einem Prozent im Euro-Raum und einer Verzinsung von gerade noch etwas mehr als 3 Prozent für Bundesanleihen arbeiten die Fondsgesellschaften auch hier hart an der Schwelle zur Rentabilität. So werden für den Allianz Pimco Europazins Kosten von 0,85 Prozent fällig bei einer Rendite von 0,14 Prozent, die der Fonds im bisherigen Jahresverlauf abgeworfen hat. Die DWS senkte schon die Gebühren für Rentenfonds. Das linderte das Leid kaum. Beim Inrenta wird jetzt nur noch eine Gesamkostenquote von 0,71 Prozent fällig. Dennoch minderte der Inrenta bisher in diesem Jahr das Anlegervermögen um mehr als 6 Prozent.

„Stark an einem Index orientierte Rentenfonds vertreiben wir nicht mehr aktiv bei Privatanlegern“, sagt Nader Purschaker, Leiter des Rentenfondsmanagements bei Metzler Asset Management. „Stattdessen setzen wir lieber auf Fonds mit Wertuntergrenze und Absolute-Return-Produkte, die aus unserer Sicht den Anlegern einen größeren Nutzen bieten.“

Anleger wollen ruhige und positive Wertentwicklung

Jetzt durchkämmen die Geschäftsführer der Fondsgesellschaften systematisch ihre Produktpalette und streichen Fonds zusammen, wo sie nur können. „Wir haben die Spezialisierung mitunter zu weit vorangetrieben“, sagte jüngst Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der DWS, auf einer Tagung in Wiesbaden. So setzt die DWS im Rentenbereich jetzt auf Laufzeitenfonds, die den Anlegern eine Rendite bieten, die ähnlich sicher ist wie die von Anleihen.

Andere Anbieter wie Union Investment oder Metzler Asset Management vermarkten verstärkt Fonds, die mit Wertsicherungen arbeiten. Diese sind aus Anlegersicht zwar relativ teuer, erfüllen jedoch offenbar ein Bedürfnis. „Die Anleger wollen eine ruhige und positive Wertentwicklung, deshalb werden wir mehr Absolute-Return-Produkte sehen“, glaubt Kaldemorgen. „Die Branche ist auf der Lernkurve ein Stück weitergekommen.“

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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