04.08.2006 · Der Optionsskandal in Amerika treibt immer neue Blüten und sorgt immer wieder für neue Schlagzeilen. Viele Unternehmen haben die Kosten für die Ausgabe solcher Produkte lange Zeit nicht verbucht und auf diese Weise ihre Gewinne geschönt.
Der Optionsskandal in Amerika treibt immer neue Blüten und sorgt immer wieder für neue Schlagzeilen. Für Anleger liegt der Skandal darin, daß die Kosten für Mitarbeiteroptionen bei vielen Unternehmen lange Zeit nicht als solche verbucht werden mußten. Auf diese Weise wurden die ausgewiesenen Unternehmensgewinne geschönt.
Das zeigte sich in den vergangenen Tagen in ausgeprägter Form bei McAfee, dem Anbieter von Anti-Viren-Software. Dort ist der Gewinn im zweiten Quartal um 25 Prozent eingebrochen von 31,4 auf 24,7 Millionen Dollar oder von 25 auf 19 Cents je Aktie, obwohl der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahr um 13 Prozent auf 277,4 Millionen Dollar zulegte.
Kosten für Aktienoptionen - nicht oder falsch verbucht
Hintergrund waren die Kosten für Aktienoptionen aus. Das Unternehmen ist eines von mehr als 70, gegen die die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission im Rahmen des Optionsskandals ermittelt. Den Unternehmen wird auch vorgeworfen Optionen falsch datiert zu haben, um sie für Top-Manager profitabler zu machen. Im vergangenen Quartal hat McAfee damit begonnen, Aktienoptionen für Mitarbeiter als Kosten zu verbuchen. Nun kündigte es an, die Überprüfung der Verbuchung der Optionen werde möglicherweise zur Revision mehrerer Quartalsergebnisse führen.
Die Aktie verlor daraufhin in den vergangenen beiden Handelstagen rund elf Prozent ihres Wertes und setzte damit den mittelfristigen Abwärtstrend fort, in den sie nach dem Bruch des langfristigen Aufwärtstrends übergegangen ist. Das ist jedoch nicht alles, denn das Unternehmen scheint auch Marktanteile an Konkurrenten wie Symantec zu verlieren.
Aber McAfee scheint nur eine der Spitzen des Eisberges zu sein. Denn am Donnerstag hat auch die Unternehmensikone Apple Computer angekündigt, die in der Vergangenheit ausgewiesenen Firmengewinne möglicherweise revidieren zu müssen. Die Anleger reagierten nachbörslich geschockt auf die Nachricht und ließen die Aktie um 6,6 Prozent fallen. Im europäischen Handel liegt sie mit einem Minus von 7,88 Prozent bei 50,25 Euro.
Apple erklärte, man habe weitere Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung von Aktienoptionen entdeckt. Alle seit dem 29. September des Jahres 2002 veröffentlichten Finanzberichte könnten betroffen sein. Wie hoch die finanziellen Auswirkungen sein könnten, sei noch unklar.
Zum Teil massive Verwässerung des Kapitals
Wie dramatisch sich solche Manipulationen auf das Ergebnis eines Unternehmens auswirken können, zeigt das Beispiel Broadcom. Das Unternehmen hat in den Jahren 1999 bis 2005 jährlich Optionen in einer Anzahl von bis zu 48 Prozent der ausstehenden Aktien ausgegeben. So etwas stellt eine massive Verwässerung des Grundkapitals und damit eine indirekte Enteignung der bisherigen Anteilseigner - sprich: Aktionäre - dar. Wären die Optionen beispielsweise nach dem Black&Scholes-Modell korrekt berechnet und verbucht worden, wäre der Gewinn je Aktie in Jahr 2005 auf verwässerter Basis von 1,1 Dollar auf gerade noch fünf Cents gefallen. Das ist deutlich.
Es gibt Vermutungen, nach welchen Tausende amerikanische Unternehmen ihre Bilanzen werden revidieren müssen, da die Gewinnentwicklung auf diese Weise geschönt war. Das dürfte das Vertrauen in amerikanische Aktien nicht gerade fördern, zumal die Bewertung bei einer buchtechnischen Reduktion der Gewinne nach oben gehen dürfte.
Das ist jedoch nicht alles. Denn „in der Chefetage von amerikanische Unternehmen, bei denen die Aufsichtsbehörden die Aktienoptionspraxis überprüfen, gibt es möglicherweise weitere Managementprobleme, Anleihen dieser Unternehmen weisen deswegen ein höheres Risiko auf“, erklärte die Ratingagentur Moody's Investors Service kürzlich. Aus diesem Grund hat die zweitgrößte Ratingagentur die Bonitätseinstufungen von UnitedHealth., Jabil Circuit., Computer Associates und Newpark Resources gesenkt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |