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Markttechnik Viele Dax-Titel kämpfen mit technischen Eintrübungen

10.08.2007 ·  War es in den vergangenen Monaten bei vielen europäischen Standardwerten zu ausgeprägten technischen Eintrübungen gekommen, so dürfte die mittelfristige Konsolidierung kaum überraschen. Conti, Deutsche Post und Merck im Fokus.

Von Achim Matzke
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In den vergangenen Monaten war es bereits bei vielen europäischen Standardwerten besonders aus dem Banken- und Versicherungsbereich sowie bei ausgewählten M-Dax-Titeln zu ausgeprägten technischen Eintrübungen und Verkaufssignalen gekommen, sodass die jetzt laufenden mittelfristigen Konsolidierungen beziehungsweise Korrekturen in vielen Aktienindizes nicht überraschen.

Auch wenn der Deutsche Aktienindex Dax im bisherigen Jahresverlauf fast alle wichtigen europäischen Standardwerteindizes mit einer immer noch ansprechenden Kursentwicklung geschlagen hat, ist es auch bei der Dax-Marktbreite, also der isolierten technischen Lage der Index-Titel, zu einer Verschlechterung gekommen. Continental, Deutsche Post und Merck sind hierbei Aktien, bei denen zuletzt Gewinnmitnahmesignale aufgetreten sind, sodass sich bei diesen Werten besonders innerhalb von Kurserholungen eine Reduzierung beziehungsweise ein Positionsabbau anbietet.

Gewinnmitnahmesignal bei Continental

Continental startete im März 2003 bei rund 11,9 Euro eine Hausse, die sich insgesamt durch drei Hausse-Trends auszeichnete. Der erste Hausse-Trend führte die Aktie von März 2003 bis März 2004 von 11,9 auf leicht über 30 Euro. Der zweite Hausse-Trend von April 2004 bis April 2006 lieferte einen Kursanstieg von leicht über 30 bis auf 100 Euro. Diesen Trend hatte Continental mit einem ersten Gewinnmitnahmesignal im Sommer 2006 in eine Korrektur verlassen, die erst bei Kursen um 70,5 Euro stoppte. Seitdem hatte der Titel den dritten, von einem reduzierten, mittelfristigen Aufwärtsmomentum geprägten Hausse-Trend etabliert. Dieser mündete im zweiten Quartal 2007 in eine Seitwärts-Trading-Range unterhalb der Widerstandszone um rund 110 Euro.

Zwar kam es im Umfeld der VDO-Übernahme zu einem technischen Versuch, sich nach oben abzusetzen, jedoch scheiterte dieser. Dafür ist aber Continental in den vergangenen Wochen mit einem ausgeprägten Gewinnmitnahmesignal aus dieser Seitwärtsrange herausgefallen, wobei gleichzeitig der dritte Hausse-Trend beendet wurde. Da sich bei Continental aus technischer Sicht eine Korrektur auf die vorangegangenen Kursgewinne andeutet, die Aktie aus technischer Sicht bei jeder Erholung mit dem massiven Widerstandsbereich von 100 bis 110 Euro zu kämpfen haben wird und aus technischer Sicht die Hinweise auf einen neuen, vierten Hausse-Trend fehlen, sollte das Gewinnmitnahmesignal auch konsequent umgesetzt werden.

Bei der Deutschen Post lässt sich die Hausse seit Oktober 2002 aus technischer Sicht in zwei Phasen einteilen. Zunächst hatte die Aktie die Bodenformation, die sich zum Jahreswechsel 2002/03 herausgebildet hatte, mit einem Investmentkaufsignal in einen ersten Hausse-Trend (Kursanstieg bis zum März 2004 auf 20 Euro) verlassen. Dieser mündete im Jahr 2004 in eine Korrektur (Kursrückgang von 20 auf 14,9 Euro). Ausgehend von dem Kurstief bei 14,9 Euro im Oktober 2004, hat die Aktie danach einen langfristigen Aufwärtstrendkanal mit einem Wechsel von Kaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtstrends und Konsolidierungen beziehungsweise Korrekturen herausgebildet. Die untere Aufwärtstrendkanallinie liegt aktuell bei rund 20,7 Euro.

Einleitung einer mittelfristige Korrektur?

Bei der Deutschen Post bildete sich - innerhalb des Aufwärtstrendkanals - seit dem Jahresanfang 2007 aus technischer Sicht direkt oberhalb der 200-Tage-Linie eine "Diamant-Formation". Aus dieser ist die Aktie im Juli 2007 mit einem - von steigenden Volumina begleiteten - Gewinnmitnahmesignal herausgefallen. Diese negative technische Entwicklung ("Verlassen eines Diamanten nach unten") leitet im Regelfall eine mittelfristige Korrektur ein. Deshalb überrascht es nicht, dass die Aktie direkt bis auf die langfristige Aufwärtstrendkanallinie zurückgefallen ist. Da sich aus technischer Sicht auch ein Verlassen dieses Aufwärtstrendkanals andeutet, weist die Aktie der Deutschen Post einen klassischen Liquiditätsbeschaffungschart auf.

Der Pharma- und Biotechnologiekonzern Merck war erst im Juni 2007 für Altana in den Dax aufgerückt, wobei die ausgeprägte Hausse-Bewegung seit Oktober 2002 die Aktie in die Position des besten Index-Aufnahmetitels gebracht hatte. Bei Merck startete die Hausse bei Kursen um 17,5 Euro (Kapitalmaßnahmen berücksichtigt), wobei sich aber von März 2003 an ausgehend von Kursen um 19,2 Euro ein idealtypischer Hausse-Trend ergeben hat. Dieser war erst im Juni 2006 - nach dem Erreichen von Kursen um 90,7 Euro (neue Widerstandszone) - in eine mittelfristige Konsolidierung hineingelaufen. Mit Hilfe des neuen, bereits moderateren mittelfristigen Aufwärtstrends (Start im Juli 2006 bei rund 61,5 Euro; Kursanstieg bis rund 110 Euro im Juni 2007) war Merck KGaA zunächst auf neue historische Höchstkurse gestiegen. Seit Juni 2007 hat aber auch Merck mit einer technischen Eintrübung zu kämpfen, da die Aktie mit einem ausgeprägten Gewinnmitnahmesignal aus dem fast einjährigen Aufwärtstrend herausgefallen ist und der seit März 2003 bestehende Hausse-Trend (aktuell bei rund 92 Euro) zur Disposition gestellt wird. Aufgrund dieser mittelfristigen technischen Eintrübung bieten sich auch bei Merck Gewinnmitnahmen an.

Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

Quelle: F.A.Z., 10.08.2007, Nr. 184 / Seite 20
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