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Markttechnik & Strategie Standard- und Nebenwerte laufen auseinander

20.08.2008 ·  Aus charttechnischer Sicht sehen die jüngsten Kursmuster des Nasdaq, S&P-MidCap-400 und S&P-SmallCap-600 konstruktiver aus als jene des Dow-Jones und des S&P-500. Für eine nachhaltige Erholung ist mehr Vertrauen in die Märkte notwendig.

Von Mark Arbeter
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Zu Beginn der vergangenen Woche fielen die maßgeblichen amerikanischen Aktienindizes auf ihre Unterstützungsniveaus zurück, setzten daraufhin zu einer Rally an, in deren Verlauf einige Indizes sogar auf neue Erholungshochs gegenüber den Mitte Juli markierten Tiefs vorstießen.

Nach einem kurzen Anflug von Stärke im morgendlichen Handel des 15. August zogen sich die Käufer jedoch rasch zurück, packten ihre Koffer und brachen in den Urlaub auf. Der Rohölpreis sank auf ein neues Korrekturtief, während die Renditen amerikanischer Staatsanleihen wieder in ihren Abwärtstrend einscherten und sich ihren jüngsten Tiefs näherten. Das Handelsvolumen ging in der zurückliegenden Woche stark zurück, was Mitte August jedoch nicht unüblich ist.

Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen schlagen sich relativ gut

Beim Blick auf die Chartmuster einiger der wichtigsten amerikanischen Indizes fällt die erstaunliche Ausprägung gegenläufiger Formationen auf. Gewiss, alle Indizes haben nach Erreichen der Talsohle Mitte Juli wieder Boden gutmachen können. Einige der größten Unterschiede in den Mustern der Indizes zeigen sich jedoch bei ihrer Hinentwicklung zu den Juli-Tiefs. Der S&P-500 und der Dow Jones Industrial Average (DJIA) fielen weit unter ihre im März markierten Tiefpunkte zurück, während der Nasdaq, der S&P-MidCap-400 und der S&P-SmallCap-600 ihre jeweiligen März-Tiefs nicht unterschritten und daher mit spürbar geringerem Widerstand nach oben zu kämpfen haben. Aus diesem Grund konnten diese drei Indizes während der Aufwärtsbewegung seit März und insbesondere seit dem Boden im Juli mit einer besseren Kursentwicklung glänzen.

Dies bedeutet folglich, dass Nasdaq, S&P-MidCap-400 und S&P-SmallCap-600 aus charttechnischer Sicht konstruktiver aussehen als die Standardwerte-Indizes, was nicht zuletzt der stärkeren Gewichtung von Finanztiteln im S&P-500 und im DIJA geschuldet ist. In dieser Entwicklung könnte sich indes auch die jüngste Dollar-Stärke widerspiegeln, die größer kapitalisierte Titel tendenziell negativ beeinflusst.

Der Nasdaq-Index scheint eine große Umkehrformation in Gestalt eines Doppeltiefs auszuformen, was mit einem Ausbruch über das Juni-Zwischenhoch bei 2.550 Zählern bestätigt würde. Ein Ausbruch des Nasdaq würde darauf hindeuten, dass der Index die Baisse durchlaufen hat und wir am Anfang eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends stehen. Der Nasdaq befindet sich nur etwas mehr als drei Prozent unterhalb seines im Juni erklommenen Gipfels und weicht damit auffallend von der Situation der Standardwerte-Indizes ab. Seit den März-Tiefs hat der Nasdaq-Index sowohl den DIJA als auch den S&P-500 überflügelt.

Bei Betrachtung aller fünf Indizes stellt man jedoch fest, dass die Nebenwerte die eigentlichen Überflieger sind. Der S&P-SmallCap-600 hat nicht nur die Kursentwicklung der Standardwerte-Indizes übertroffen, sondern auch den Nasdaq und den S&P-MidCap-400 in den Schatten gestellt. Am 15. August kam der S&P-SmallCap-600 in der Spitze sogar zwei Punkte an sein Erholungshoch vom Juni heran, bevor er den Rückzug antrat. Seit Mitte Juli haben sich sowohl der Nasdaq-Index als auch die Nebenwerte-Indizes prächtig entwickelt. Da beide Indizes jedoch in maßgebliche Widerstandszonen gelaufen sind, halten wir auf kurze Sicht einen Rücksetzer für möglich. Sollte dieser Rücksetzer moderat ausfallen, dann wären diese Indizes in einer guten Ausgangsposition für einen neuerlichen Test dieser wichtigen Chartwiderstände.

Auf dem Weg nach oben sehen sich der S&P-500 und der DIJA nun ziemlich starken Widerständen gegenüber, die von den ausgedehnten Kaufaktivitäten ausgehend von den Tiefs im Januar und März dieses Jahres herrühren. Der S&P-500 stieß im Laufe seiner Erholung in den unteren Bereich dieser Widerstandszone vor; kurzfristig könnte zwar mit weiterem Aufwärtspotential zu rechnen sein, wir sehen jedoch auch die Wahrscheinlichkeit eines Scheitern des Index' in diesem Widerstandsbereich und eines Rückfalls auf die Juli-Tiefs. Auch der DIJA stößt gegen die Unterseite dieser Zone mit massiven Widerständen. Nach unserer Einschätzung wird ihm hier letzten Endes zunächst die Puste ausgehen, bevor er nach einem Rücksetzer zu einem erneuten Anlauf ansetzen wird.

Wir haben frühere Bärenmarkttiefs untersucht, um herauszufinden, wie sich derartige Chartmuster in der Vergangenheit entwickelten, wenn die maßgeblichen Indizes eine ausgeprägte Gegenläufigkeit aufwiesen. Leider waren die Muster in vergangenen Baisse-Tiefs gleichmäßiger geformt als die gegenwärtig beobachteten, es traten jedoch einige Unterschiede auf. Während der Korrektur/Baisse in den Jahren 2002/2003 bildeten alle fünf Indizes inverse Kopf-Schulter-Formationen aus, wobei einige sehr nah an einen Dreifachboden herankamen.

Größeres Vertrauen in den Markt notwendig

Der Nasdaq lag während des letzten Tiefs über dem Gesamtmarkt, derweil der S&P-SmallCap-600 während des letzten Tiefs leicht zurückblieb. Im Verlauf der Korrektur/Baisse 1998 hinkte die Wertentwicklung des S&P-SmallCap-600 weit hinterher, gefolgt von jener des Nasdaq. Nachdem diese beiden Indizes jedoch letztlich ihren Boden erreicht hatten, konnten sie wieder ihre Führungsrolle gegenüber den Standardwerte-Indizes einnehmen. Die anderen drei Indizes formten sehr ähnliche Doppeltiefs aus.

In unseren Augen sind also überall unvollständige Umkehrformationen und Chartmuster sichtbar, die uns wahrscheinlich wieder an den Anfang der anhaltenden Verwirrung bringen. Wir würden es bevorzugen, wenn die volatileren Indizes den Markt nach dem Ende dieser Baisse weiter nach oben führen, und wir sind der Überzeugung, dass ein Engagement in volatilere Aktien typischerweise dann eintritt, wenn Anleger größeres Vertrauen in den Aktienmarkt fassen. Diese Entwicklung hat den Markt in den zurückliegenden vierzig Jahren vor weiteren Tests der Tiefststände bewahrt.

Der Rohölpreis setzte seine Abwärtsbewegung fort und ging in der vergangenen Woche mit 112 Dollar je Fass aus dem Markt, was einem Rückgang von drei Dollar gegenüber dem Handelsschluss der Vorwoche und dem niedrigsten Stand seit dem 1. Mai entspricht. Der Ölpreis sinkt damit in vier von fünf Wochen und hat seit seinem Juli-Hoch satte 23 Prozent nachgegeben. In der zurückliegenden Woche riss der Rohölpreis eine von den Tiefs seit Januar 2007 abgeleitete wichtige bullische Trendlinie und sackte zudem erstmals seit August 2006 unter den exponentiell gleitenden 40-Wochen-Durchschnitt. Die nächste Chartunterstützungszone liegt zwischen 100 und 110 Dollar je Barrel, wobei der stärkste Unterstützungsbereich bei 100 Dollar angesiedelt ist.

Die wöchentlichen Momentum-Indikatoren sind noch nicht überverkauft, weshalb wir mit einem weiteren Preisrückgang rechnen. Wir gehen jedoch davon aus, dass der größte Teil der Abwärtsbewegung hinter uns liegt. Interessant ist, dass die Ölaktien mit der höchsten Volatilität (jene, die eng an den Ölpreis gebunden sind) an Abwärtsdynamik verloren haben und sich in einer frühen Phase der Bodenbildung zu befinden scheinen. Dies wäre ein starkes Indiz für eine Marktmeinung, die davon ausgeht, dass der Rohölpreis nun in der Nähe seines Bodens angekommen ist.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: BusinessWeek Online
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