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Markttechnik Der „Bulle“ hat breite Schultern

16.05.2007 ·  Die Wall Street tendiert nach oben. S&P wertet die relativ große Anzahl der Sektoren, die den Aktien die besten Kursgewinne seit Jahren bescheren, als positives Zeichen. Es lasse auf einen weiteren Aufwärtstrend des Marktes schließen.

Von Mark Arbeter, S&P
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Der rasante Aufwärtstrend des Aktienmarktes könnte sich demnächst etwas abschwächen, da die Anleger eine Verschnaufpause einlegen. Das in greifbare Nähe rückende Allzeithoch des S&P-500 könnte bei den Anlegern eine kurzfristige Zurückhaltung auslösen, nach unserer Ansicht ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis der S&P-500 das Hoch vom März 2000 in den Schatten stellt.

Wenn wir uns weniger auf die Allzeithochs konzentrieren und stattdessen ein großes Stück zurück zu den Anfängen des Bullenmarktes gehen, dann stoßen wir sowohl bei der Größe der Vermögenswerte als auch bei den einzelnen Sektoren auf erstaunlich breite Kursgewinne. Seit die Baisse am 9. Oktober 2002 ihre Talsohle erreichte, ist der S&P-500 um etwa 94 Prozent nach oben geklettert. Der NASDAQ-Index, der im Verlauf der Baisse viel stärker nachgab als die Blue-Chip-Indizes, legte um etwa 131 Prozent zu. Die wahren Gewinner seit dem Tief des Jahres 2002 sind jedoch die Nebenwerte mit einem Anstieg des S&P SmallCap 600 um etwa 153 Prozent und des S&P MidCap 400 um 139 Prozent.

Sieben von zehn Sektoren schlagen im S&P 500 den Markt

Bei einem Blick auf die einzelnen Sektoren zeigen sich interessante Kursentwicklungen. Sieben von zehn Sektoren des S&P-500 schlagen den S&P-500, und jeder dieser sieben ist seit seinem jeweiligen Bärenmarkttief um mindestens 100 Prozent gestiegen. Einige der Sektoren durchschritten ihre Talsohle im Juli 2002, September 2002, Februar 2003 und März 2003. Die von uns gemessenen Kursgewinne basieren auf dem jeweiligen Bärenmarkttief der einzelnen Sektoren.

Die beste Kursentwicklung im S&P-500 zeigt der Energiesektor, der seit seinem Tiefstand im Juli 2002 um etwa 204 Prozent in die Höhe geschnellt ist. Im Vergleich zu den maßgeblichen Indizes gelangten die Energieaktien relativ unbeschadet durch die Baisse. Ihre überdurchschnittliche Kursentwicklung ist demnach nicht auf die bei einigen anderen Sektoren (beispielsweise Technologie, Versorgung und Telekommunikation) eingetretene starke Umkehrbewegung zurückzuführen. Nach unserer Ansicht hängt diese Kursentwicklung eher mit der Tatsache zusammen, dass die Energieaktien nahezu während der gesamten Neunzigerjahre dem S&P-500 hinterherhinkten und nach der Baisse eine neue Führungsrolle einnahmen. Von einem Bullenmarkt zum nächsten ändern sich häufig die an der Spitze stehenden Sektoren.

Die nach den Energieaktien zweitbeste Kursentwicklung zeigten die Versorgungswerte, die seit der Talsohle des Bärenmarktes um 179 Prozent in die Höhe geschossen sind. Im Verlauf der Neunzigerjahre blieben auch sie hinter der Entwicklung des S&P-500 zurück. Während der Baisse wurden sie stark gebeutelt und mussten einen Sturz von über 50 Prozent hinnehmen. Die Grundstoffaktien erzielten in Sachen Bullenmarkt mit einem Zuwachs von 140 Prozent das drittbeste Ergebnis. Von Ende 1994 bis Ende 2000 blieb der Sektor weit hinter dem Index zurück. Der Informationstechnologiesektor rangierte an vierter Stelle. Obwohl er 119 Prozent gutmachte, bleibt er deutlich hinter seinen Höchstständen aus dem Jahr 2000 zurück.

Der Telekommunikationssektor, der während der Baisse völlig lahm gelegt wurde, konnte um 117 Prozent zulegen, gefolgt von den Industrie- und Finanzwerten, die beide um etwas mehr als 100 Prozent in die Höhe kletterten. Zu den drei Sektoren, die hinter dem S&P-500 zurückblieben, zählen dauerhafte Konsumgüter, das Gesundheitswesen sowie Verbrauchsgüter. Das Gesundheitswesen und die Verbrauchsgüter gehören zu den defensiven Sektoren, die sich in einem schwierigen Gesamtmarktumfeld oftmals besser entwickeln.

Die breite Beteiligung der Sektoren stimmt uns optimistisch und deutet nach unserer Ansicht darauf hin, dass der Markt weiterhin zulegen wird. Erst wenn die Beteiligung selektiver wird - so wie dies bei den großen Technologiewerten Ende der Neunzigerjahre der Fall war - sehen wir einen Grund, uns um das Durchhaltevermögen des Bullen zu sorgen.

Stimmungsindikatoren zeigen sich noch relativ robust

In unserem jüngsten Kommentar befassten wir uns eingehend mit der Anlegerumfrage der American Association of Individual Investors (AAII). Trotz des starken Börsenumfelds lieferte diese Umfrage einige höchst ungewöhnliche Resultate: die optimistische Stimmung lag bei lediglich 29 Prozent, die pessimistische Stimmung bei satten 54 Prozent. Diese Umfrageresultate deuten normalerweise eher auf einen Markt hin, der sich in einer Korrektur befindet, als auf einen, der sich stetig nach oben bewegt. In der vergangenen Woche „normalisierten“ sich die Umfrageergebnisse ein wenig. Optimisten und Pessimisten hielten sich mit einem Anteil von jeweils 43 Prozent die Waage, womit das Ergebnis allerdings noch immer weit von dem extrem hohen Anteil der Optimisten entfernt ist, der während der Hochphasen der Märkte häufig beobachtet wird. Hierbei steigt die optimistische Stimmung auf 60 Prozent und mehr, während die pessimistische auf 20 Prozent und weniger absinken kann. Wir fragen uns, wie genau die Zahlen von vor zwei Wochen wohl waren.

Im Gegensatz zur AAII-Umfrage sehen wir allmählich die ersten Beispiele einer überschäumenden Stimmung. Am 7. Mai erreichte das auf alle Optionen bezogene Put/Call-Ratio an der Chicagoer Optionsbörse (CBOE) mit insgesamt 0,70 seinen tiefsten Stand seit Mitte Dezember. Das rein auf Aktienoptionen bezogene Put/Call-Ratio fiel am 7. Mai auf 0,45 und befand sich somit ebenfalls auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte Dezember. Diese Erscheinungen sind natürlich nur Momentaufnahmen eines einzelnen Tages. Die CBOE-Put/Call-Ratios auf 10- oder 30-Tage-Basis liegen nach wie vor über den Niveaus, die in der Vergangenheit Korrekturen einleiteten. Der ISE Sentiment Index (ISEE) kletterte ebenfalls auf sein höchstes Niveau seit Mitte Dezember, befindet sich jedoch nicht einmal annähernd auf dem Niveau, das mit mittelfristigen Korrekturen assoziiert wird.

Der Neigungswinkel der Aufwärtsbewegung schien im Verlauf der vergangenen Woche etwas flacher zu werden, und mit Blick auf die negative Kursentwicklung am 10. Mai ist es möglich, dass letztendlich eine Rückkehrbewegung auf uns zukommt, die länger als einen Tag anhält. Die erste Unterstützungszone liegt bei etwa 1480 Zählern und fällt relativ schwach aus. Dieser Bereich weist eine gewisse Chartunterstützung auf und stellt zudem ein Retracement von 23,6 Prozent der Rally seit dem Schlusstief vom 5. März dar. Eine stärkere Unterstützung findet sich auf dem Niveau von 1460 Punkten, das dem früheren Februarhoch und einem 38,2-prozentigen Retracement der jüngsten Rally entspricht.

Technisch gesehen ist der Markt auf Tagesbasis überkauft und könnte womöglich eine Pause einlegen, um diese Situation abzubauen. Der 14-Tage-RSI (Relative Stärke Index) ist in den vergangenen beiden Wochen zum zweiten Mal in den Bereich von 74 Zählern vorgestoßen. Der 6-Tage-RSI befindet sich seit Mitte April größtenteils oberhalb von 80. Der 14-Wochen-RSI näherte sich einem überkauften Zustand, besitzt jedoch unseres Erachtens noch Spielraum nach oben. Viele mittelfristige Aufwärtsbewegungen enden erst, wenn die wöchentlichen Momentum-Indikatoren überkauft sind, und bilden dann eine Reihe negativer Divergenzen aus. Nach unserer Ansicht sind wir Wochen, wenn nicht gar Monate, vom Eintreten dieses Ereignisses entfernt.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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