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Liquid Alternatives : Liquide Hedgefonds boomen

Mit liquiden Hedgefonds (“Liquid Alts“) versuchen Anleger derzeit, die Wellen der Kapitalmärkte zu reiten. Bild: dpa

Alternative Investments sind derzeit gefragt - vor allem, wenn sie wie bei „Liquid Alternatives“ rasch verfügbar sind. In Amerika ist der Boom indes deutlich abgeflaut.

          Angesichts von Niedrigstzinsen und klaren Perspektiven an den Kapitalmärkten suchen Anleger derzeit ihr Heil in Alternativen Investments. Doch sie scheuen die Illiquidität und oft mangelnde Transparenz klassischer Hedgefonds. Daher sind vor allem bei Vermögensverwaltern, Family Offices und Versicherungen derzeit offenbar die sogenannten „Liquid Alternatives“ gefragt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei diesen handelt es sich um Hedgefonds, die in Europa in den Mantel der UCITS-Richtlinie für Investmentfonds gepackt und somit traditionellen offenen Fonds rechtlich gleich gestellt sind.

          Gegenüber klassischen (Offshore-)Hedgefonds haben sie dadurch vor allem den Vorteil, leichter handelbar zu sein. Denn die UCITS-Richtlinien schreiben vor, dass Anteile wenigstens zweimal im Monat handelbar sein müssen. So lässt sich Geld binnen weniger Tage abziehen. „Bei einem klassischen Hedgefonds kann das auch schon bis zu einem Jahr dauern“, sagt Marcus Storr, Leiter des Hedgefondsteams der Vermögensverwaltung Feri.

          Der Trend zu „Liquid Alts“ hält schon einige Zeit an. Nach Zahlen des  Fondsanalyseinstituts Scope hat sich die Zahl der in Deutschland zugelassenen Fonds in den vergangenen elf Jahren von 21 auf 689 Fonds mehr als verdreißigfacht. Scope beziffert das verwaltete Vermögen auf 340 Milliarden Euro. Für 2017 erwartet das Institut eine deutliche Zunahme der Netto-Mittelzuflüsse.

          Storr sieht für den Trend mehrere Ursachen. Das Niedrigzinsumfeld habe traditionell in Anleihen anlegende Investoren dazu gebracht, einen Teil ihrer Gelder in Alternative Investments zu stecken. Dass UCITS-Fonds liquider und stärker reguliert seien und zudem einen besseren Ruf als traditionelle Hedgefonds besäßen, habe das den Einstieg erleichtert. „Machen wir uns nichts vor“, sagt Storr. „Die UCITS-Fonds werden von denselben Managern verwaltet wie die Offshore-Hedgefonds.“

          Die beliebtesten Fonds sind solche, die Aktien kaufen und leer verkaufen (Long-Short Equity), Fonds die relative Preisunterschiede bei zinsbringenden Anlagen ausnutzen (Relative Value Credit) und flexible Fonds (Multi-Strategy).

          Storr aber schränkt ein: „Es gibt grundsätzlich zwei Wege wie neue UCITS-Hedgefonds entstehen. Zum einen bekommen Offshore-Fonds einen neuen Rechtsmantel. Zum anderen aber bekommen traditionelle Fonds, gerade Anleihenfonds, ein paar neue Strategie-Elemente dazu und schon sind sie Hedgefonds - obwohl sie noch immer zu 95 Prozent konventionell agieren.“ Nicht überall, wo Hedgefonds draufsteht, ist also auch ein Hedgefonds drin.

          Das gilt ganz besonders für die „Liquid Alts“. Denn nicht jede Strategie kann mit einem liquiden Fonds umgesetzt werden. „Wenn sie etwa mit illiquiden Finanzierungen wie Unternehmenskrediten agieren, können sie sich nicht verpflichten, laufend Anteile zurückzunehmen.“

          Das erkläre auch, warum die „Liquid Alts“ zumeist eine schlechtere Wertentwicklung verzeichneten als ihre Offshore-Pendants. Illiquide Vermögenswerte würden oft mit hohen Geldpolstern kompensiert - und deren Rendite sei nun einmal negativ. „Hedgefonds erzielen dadurch Prämien, dass sie in illiquiden Investments anlegen. So eine Illiquiditätsprämie ist mit einem UCITS-Fonds aber nicht zu erzielen.“

          Die Renditen der Fonds waren in der Vergangenheit auch nicht hoch. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre brachten Aktienstrategien mit 2,2 Prozent jährlich die höchste Rendite, wohingegen Rohstoffstrategien am anderen Ende ein Minus von 2,8 Prozent aufwiesen, zeigen Zahlen des Analyseinstituts Absolut Research.

          Doch die Spannbreite zwischen den einzelnen Fonds ist groß. „Es kommt beim Investieren darauf an, die Fonds einzeln zu prüfen“, sagt Storr.

          Markt in Amerika rückläufig

          Während in Europa mit weiteren Zuflüssen gerechnet wird, hat der Boom in den Vereinigten Staaten deutlich nachgelassen. Die Zahl der Fonds schrumpfte von 564 auf 527. Das insgesamt verwaltete Vermögen ist schon seit September 2014 um mittlerweile zwanzig Prozent auf nur noch 289 Milliarden Dollar geschrumpft, berichtet die Fondsgesellschaft Wilshire.

          Als wesentlichen Grund sieht Wilshire die „gedämpfte Wertentwicklung“. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre brachten „Liquid Alternatives“ einen Ertrag von 1,15 Prozent, Aktien dagegen fast 7 und Anleihen mehr als 4 Prozent.

          Eine der größten Enttäuschungen könnte sein, dass ausgerechnet Global-Macro-Fonds, die von der Prognose gesamtwirtschaftlicher Entwicklungen profitieren sollen, im Jahr des Brexits und der Wahl von Donald Trump mit einem Minus von zwei Prozent am schlechtesten abschnitten. Im vierten Quartal 2016 verzeichneten diese Fonds die höchsten Abflüsse, nachdem die Investoren bis September noch mehr Geld in sie gesteckt hatten.

          Wenn 2016 in Amerika also auch nicht das Jahr der „Liquid Alternatives“ war, so könnte dies auch eine Chance sein, meint Wilshire. Mit dem Ausscheiden schlechter gemanagter Fonds verbessere sich das Anlageuniversum.

          Auf der anderen Seite stehen die „Liquid Alternatives“ in Amerika stärker unter Druck durch traditionelle Hedgefonds, deren Ruf dort nicht so schlecht ist wie in Europa. Größere Abflüsse in Offshore-Fonds fürchtet Storr nicht. Eher könnten Verwerfungen an den Aktienmärkten oder eine höhere Inflation zu einer schlechten Wertentwicklung und zu Enttäuschungen führen. „Besonders Fonds, die im wesentlichen traditionelle Anlagestrategien verfolgen, werden dann leiden, weniger solche, die klassische Hedgefondsstrategien verfolgen.“

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