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Lebensversicherungen Verkaufen statt kündigen

27.09.2006 ·  Der Zweitmarkt für kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen gewinnt an Fahrt. Die drei größten Anbieter Cash Life, CFI Fairpay und die WestLB erwarten für dieses Jahr ein Ankaufsvolumen von rund einer Milliarde Euro.

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Der Zweitmarkt für kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen gewinnt an Fahrt. Die drei größten Anbieter Cash Life, CFI Fairpay und die WestLB mit ihrem Vermittler Policendirekt erwarten für dieses Jahr ein Ankaufsvolumen von rund einer Milliarde Euro. Der mögliche Markt sei noch weitaus größer, sagt Ari Bizimis, Vorstand von Fairpay, der mit dem Unternehmen Anfang Oktober an die Börse gehen will. Im vergangenen Jahr haben die deutschen Lebensversicherer mehr als 11 Milliarden Euro für gekündigte Lebensversicherungen ausgezahlt. Stefan Kleine-Depenbrock, Vorstand der börsennotierten Cash Life, schätzt, daß mehr als die Hälfte dieser Verträge für die Zweitverwertung in Frage kommen.

Das Geschäftsmodell basiert auf Eigenarten der deutschen Lebensversicherungen. Sie lohnen sich für die Sparer meist nur, wenn die Verträge bis zum Ende der Laufzeit - also mindestens zwölf, häufig aber auch mehr als 30 Jahre - durchgehalten werden. Wer vorzeitig kündigt, erleidet hohe Verluste. Die Versicherer ziehen vom eigentlichen Rückkaufswert noch den Stornoabzug ab. Außerdem gehen die Ansprüche auf einen Anteil am Schlußgewinnfonds verloren.

Die meisten Sparer halten nicht durch

Trotz dieser großen Nachteile bei der Kündigung, halten die meisten Sparer nicht durch. Im Durchschnitt schafft das nicht einmal jeder zweite. Bei langlaufenden Verträgen, die erst nach mehr als 30 Jahren enden, ist die Quote noch schlechter. Im Durchschnitt hält nach Daten der Deutschen Aktuarsvereinigung nur jeder vierte Versicherte die Langläufer bis zum Ende durch. Bei finanziellen Engpässen können die Sparer zwar die Beiträge auf Null setzen oder den Vertrag als Besicherung für ein Policendarlehen mit niedrigen Kreditzinsen verwenden. Die meisten entscheiden sich aber immer noch für eine Kündigung und begnügen sich mit den geringen Rückkaufswerten, die weit unter dem tatsächlichen Wert der Verträge liegen.

Entscheiden sie sich statt der Kündigung für den Verkauf, erleidend die Sparer zwar auch hohe Verluste. Aber immerhin sind die Erlöse etwas höher. Je nach Restlaufzeit und Versicherungsgesellschaft kann der Mehrerlös zwischen null und mehr als 15 Prozent liegen, im Durchschnitt 7 bis 8 Prozent. Wird der Vertrag vor Ablauf der ersten zwölf Jahre gekündigt, droht zudem eine Steuerforderung, die durch den Verkauf verhindert werden kann. Bei kapitalbildenden Lebensversicherungen kommt ein weiterer Vorteil hinzu. Die Kündigung führt zum Verlust der Versicherung gegen den Todesfall. Beim Verkauf wird dagegen der Vertrag fortgeführt. Stirbt die versicherte Person, zahlen die Aufkäufer die Versicherungssumme zumindest zum Teil an die Hinterbliebenen aus. "Wir wollen nicht vom Tod eines unserer Kunden profitieren", sagt Kleine-Depenbrock. Allerdings ziehen die Aufkäufer von der Versicherungssumme ihre Aufwendungen und das für die Verzinsung des Eigenkapitals erforderliche Geld ab.

Cash Life kauft Verträge mit einer Restlaufzeit von höchstens 15 Jahren. Die kurze Dauer ist bevorzugt, weil dann nur noch wenige Jahre vergehen, bis der begehrte Schlußgewinnanteil fällig wird. Das Unternehmen akzeptiert auch nicht jede Versicherungsgesellschaft. CFI Fairpay kauft dagegen Verträge aller Lebensversicherer auf. Allerdings sind bei kapital- und renditeschwachen Versicherern die Kaufpreise geringer und liegen mitunter nicht über dem Rückkaufswert, den der Versicherer im Fall der Kündigung offeriert. "Unser Angebot ist dennoch auch in solchen Fällen besser, weil beim Verkauf der Todesfallschutz erhalten bleibt", sagt Ari Bizimis, Vorstand von Fairpay. Seine Gesellschaft will die aufgekauften Versicherungen - anders als Cash Life - nicht an Investmentfonds weiterveräußern.

Strukturierte Anleihen auf Basis von Lebensversicherungen als neuer „Dreh“

Fairpay bevorzugt für den Verkauf das Verfahren der Verbriefung, das von Banken schon lange verwendet wird, um Kredite zu verkaufen. Durch die Struktur der Verbriefung soll aus einem Lebensversicherungsportfolio ein verzinstes Wertpapier mit hoher Sicherheit entstehen. Die denkbaren ersten Verluste aus einem solchen Portfolio tragen dann besonders risikofreudige Investoren, die im Erfolgsfall auch mit besonders hohen Renditen rechnen dürfen. Für solche strukturierte Anleihen auf Basis von Lebensversicherungen gibt es nach Darstellung von Bizimis eine breite Nachfrage - unter anderem vom Lebensversicherern.

Trotz der Vorteile des Verkaufs werden immer noch die meisten Verträge gekündigt und die wenigsten verkauft. Die Anbieter halten die zu geringe Bekanntheit des Zweitmarkts für die Ursache. Um diese zu erhöhen, hat Cash Life in den vergangenen Monaten mit einer Werbekampagne im Fernsehen begonnen. CFI hofft beim Börsengang auf erhöhte Aufmerksamkeit. Zudem weist die Bundesagentur für Arbeit in ihren Hinweisblättern für das Arbeitslosengeld II inzwischen auf die Möglichkeit des Verkaufs hin.

Eine ähnliche Wirkung erhofft sich auch Gerd Bühler, Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Cash Life, auch von seiner Lobbytätigkeit. Er dringt darauf, einen Hinweis auf den Zweitmarkt in die geplante Reform des Versicherungsvertragsgesetzes aufzunehmen. Bisher steht im Gesetz nur der Hinweis, der Versicherte könne sich an die Versicherungsgesellschaft wenden.

Quelle: ruh., F.A.Z., 28.09.2006, Nr. 226 / Seite 23
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