10.12.2009 · Die Allianz senkt die Verzinsung der Sparanteile von Lebensversicherungen im kommenden Jahr von 4,5 auf 4,3 Prozent. Damit trage das Unternehmen der Entwicklung an den Kapitalmärkten Rechnung, hieß es am Mittwoch in Stuttgart.
Von Philipp KronDie Allianz senkt die Verzinsung der Sparanteile von Lebensversicherungen im kommenden Jahr von 4,5 auf 4,3 Prozent. Damit trage das Unternehmen der Entwicklung an den Kapitalmärkten Rechnung, teilte die Allianz Lebensversicherungs-AG am Mittwoch in Stuttgart mit.
Da sich die Verzinsung von Pfandbriefen mit zehnjähriger Laufzeit von 4,5 auf 3,7 Prozent vermindert habe und auch kurzfristig keine stark steigenden Zinsen zu erwarten seien, hätten sich die Möglichkeiten verschlechtert, mit sicheren Anlageformen eine ausreichend hohe Rendite zu erzielen. Die meisten Lebensversicherer legen ihre Kundenbeiträge überwiegend in Pfandbriefen sowie Staats- und Bundesanleihen an.
Reaktion auf niedriges Zinsumfeld
Die Überschussbeteiligung ist die wichtigste Kennziffer, die Aufschluss über die Ablaufleistung einer Lebensversicherung gibt. Sie beinhaltet die staatlich vorgeschriebene Garantieverzinsung von derzeit 2,25 Prozent für Neuverträge und einen variablen Teil, der sich aus zwei Komponenten zusammensetzt: dem Kapitalanlageerfolg und der Entwicklung von Kosten und Risiken des Versicherers, die den Zins erhöht, wenn sie günstiger ausfällt, als das Unternehmen zunächst kalkuliert hat.
Die Überschussverzinsung wird auf den Sparanteil der Versicherungsprämien angerechnet - also die Beiträge abzüglich aller Kosten, die der Kunde für den Abschluss und die Verwaltung seiner Police zahlen muss. Als weitere Komponente gewähren die Unternehmen eine Schlussüberschussbeteiligung, wenn der Vertrag ausläuft, und einen Sockelbetrag, der von der Höhe der Bewertungsreserven des Versicherers abhängt.
Alle drei Komponenten zusammengerechnet ergeben für die Allianz eine Verzinsung von 5,15 Prozent gegenüber 5,2 bis 5,6 Prozent im vergangenen Jahr. "Mit der Anpassung der einzelnen Komponenten der Überschussbeteiligung haben wir auf die Erfordernisse des niedrigen Zinsumfelds reagiert", sagte Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer.
Die Entscheidung wird in der Branche mit Erstaunen aufgenommen, da der deutsche Branchenführer als besonders finanzstark gilt. Viele Lebensversicherer warten zunächst die Entscheidung aus Stuttgart ab, bevor sie ihre eigene Überschussbeteiligung veröffentlichen. Denn kein Unternehmen will das erste sein, das seinen Kunden eine sinkende Verzinsung mitteilt.
Rückstellungen für die Beitragsrückerstattungen
Die Ratingagentur Assekurata hat 83 der insgesamt 100 deutschen Lebensversicherer nach ihrer Überschussdeklaration befragt. Von den 12 Unternehmen, die sich bislang dazu geäußert haben, hat allein die Europa ihre Verzinsung gesenkt - allerdings von dem Spitzenwert der Branche von 5 auf nun noch 4,8 Prozent. Der Branchenzweite, die Aachen Münchener, hat ihre Überschussbeteiligung dagegen für das kommende Jahr konstant bei 4,2 Prozent gehalten.
Die Tochtergesellschaft der italienischen Generali-Gruppe hatte die Verzinsung im vergangenen Jahr um 0,2 Punkte gesenkt. Die Versicherer streben an, über die Laufzeit des Vertrags ihre Überschussbeteiligung nicht zu stark schwanken zu lassen. Dafür bilden sie als Puffer Rückstellungen für die Beitragsrückerstattung. Diese sind schon im Jahr 2008, als die Finanzkrise den Kapitalmarkt beherrschte, branchenweit stark angegriffen worden. Nach Angaben von Assekurata ist es nicht allen Unternehmen gelungen, die Reserven in diesem Jahr wieder aufzufüllen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |