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Zertifikate und ETFs

Lebensdauerzertifikat Ärger über Deutsche Bank

Bei der Deutschen Bank können Anleger indirekt auf den Tod von Personen wetten. Für die Policenaufkäufer sind moralische Erwägungen fehl am Platz.

© Röth, Frank Vergrößern Scheidender Deutsche Bank Chef Ackermann : Würde ein Gericht das Produkt als sittenwidrig einstufen, müsste die Bank die Verträge mit den Anlegern rückabwickeln

Die Deutsche Bank gerät wegen ihres Fonds „db Kompass Life 3“ in die Kritik, weil sie damit Anlegern eine Wette auf die Lebenserwartung lebender Personen angeboten hat. Der Fonds funktioniert grob vereinfacht so: Leben die Referenzpersonen länger, verdient daran die Bank. Wenn sie dagegen früh sterben, ist das für die Fondsanleger vorteilhaft.

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Ein Schlichtungsverfahren, das der Hamburger Rechtsanwalt Tilman Langer angestrebt hatte, ist nun gescheitert. Die Ombudsstelle des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) lehnte es ab. Zuvor sei es nötig, eine grundsätzliche Rechtsfrage zu klären, teilte die Ombudsstelle mit. Ihrer Ansicht nach muss ein Gericht klären, ob die Wette auf die Lebensdauer eines ausgewählten Personenkreises sittenwidrig ist. „Bestimmte Menschen werden instrumentalisiert, um Kapitalanlegern oder der Emittentin und den Verkäufern der Anlage eine Rendite zu verschaffen“, kritisierte die Ombudsstelle. Dies sei mit der Unantastbarkeit der menschlichen Würde kaum in Einklang zu bringen.

Gesundheitsdaten beurteilt

Die Vertretung deutscher Policenaufkäufer hält dieses Argument indes für unangemessen. Gegen solche Fonds solle nicht als Wette auf den Tod polemisiert werden, sagt Christian Seidl, Vorsitzender des Bundesverbands Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL). „Das Geschäftsmodell solcher Fonds ist aus unserer Sicht moralisch unbedenklich, sonst könnte man ja auch jeden Rentenversicherer dafür kritisieren, dass er vom frühen Tod profitiert.“ Kaufe ein Fonds eine Police auf, ergebe sich oft für beide ein Vorteil: Der Inhaber könne sie zu einem höheren Preis abgeben, als er vom Versicherer als Rückkaufswert bekäme. Der aufkaufende Fonds könne aus dem fortbestehenden Vertrag eine Rendite erwirtschaften.

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Der Unterschied zu den herkömmlichen Produkten des Zweitmarkts besteht darin, dass die Deutsche Bank in diesem Fall keine Lebensversicherungspolicen aufkaufte, sondern Zertifikate entwickelte, in die der Fonds „db Kompass Life 3“ die Mittel der Anleger investierte. Die Zertifikate basierten laut Informationsbroschüre der Bank auf einem Portfolio aus 500 Personen in den Vereinigten Staaten, die zwischen 70 und 90 Jahre alt sind. Deren Gesundheitsdaten seien vor der Aufnahme in das Referenzportfolio durch zwei externe medizinische Gutachten beurteilt worden.

„Ein schönes alternatives Investitionsobjekt“

Diese stehen im Mittelpunkt des abgelehnten Schlichtungsverfahrens. Die Anleger werfen der Bank vor, dass die Gutachten auf Basis veralteter Sterbetafeln erstellt worden seien. „Es hat damals schon Sterbetafeln mit einer längeren Lebenserwartung gegeben“, so Anwalt Lange, der 30 Anleger vertritt. Auf Basis der veralteten Sterbetafeln sei von vornherein klar gewesen, dass allein die Bank eine Rendite erzielen könne, fügt er hinzu. Gegen den „db Kompass Life 3“ klagt auch ein Anleger, den die Kanzlei KWAG vertritt.

Die Deutsche Bank ist seit einigen Jahren nicht mehr Mitglied des BVZL. Der Zweitmarkt ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft: Zum einen hatten sich Aufkäufer mit der Lebenserwartung verschätzt, länger Beiträge einzahlen müssen als prognostiziert und entsprechend weniger an die Fondsinhaber ausschütten können. Zum anderen waren einige Fonds über Fremdkapital finanziert worden und dadurch in Schwierigkeiten geraten. Das grundlegende Geschäftsmodell indes verteidigt Seidl: „Für Investoren ist es ein schönes alternatives Investitionsobjekt. Wir kaufen Policen nur dann auf, wenn der Kunde eine Motivation hat, sie zu verkaufen.“ Deutsche Fonds kaufen auch Kapitallebensversicherungen des Heimatmarktes und führen die Policen bis zur Endfälligkeit, um die Ablaufleistung zu kassieren. Dabei geht es aber nicht um eine Spekulation mit der Lebensdauer.

Den Anlegern des Deutsche-Bank-Fonds geht es nicht darum, ob der „db Life Kompass 3“ gegen die Sittenordnung verstoßen hat, sondern um Prospekt- und Beratungsfehler. Würde ein Gericht das Produkt als sittenwidrig einstufen, müsste die Bank die Verträge mit den Anlegern rückabwickeln, so die Ombudsstelle des Bankenverbandes. In den zwei Tranchen des „db Life Kompass 3“ dürften Anleger insgesamt mehr als 200 Millionen Euro angelegt haben.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 07.02.2012, 06:00 Uhr

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