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Lateinamerika Mit Fonds auf Mexiko wetten

22.02.2006 ·  Die Chancen stehen gut, daß es an Mexikos Börse langfristig weiter aufwärts geht. Denn das Land gilt inzwischen als einer der Spitzenreiter unter den Schwellenländern. Mit Fonds können Anleger vom Wachstum profitieren.

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Früher oder später wird dem mexikanischen Aktienmarkt eine Korrektur nicht erspart bleiben. Mit einem Anstieg von mehr als 300 Prozent in nicht ganz drei Jahren zählt der IPC-Index der Börse in Mexiko-Stadt zur Spitzenriege der Schwellenländer. Große Sprünge trauen ihm Anlagestrategen schon seit längerem nicht mehr zu.

Doch die Chancen stehen nicht schlecht, daß Mexikos Börse auf lange Sicht weiter nach oben wandert, schließlich läßt die erstarkende Wirtschaft einen positiven Blick in die Zukunft zu. Mit Fonds können auch Anleger, die nicht in ihnen weitgehend unbekannte Einzelwerte investieren wollen, an diesem Wachstum teilhaben (siehe unten).

Deutsche Bank: „Beeindruckende Entwicklung“

Mexiko habe sich seit der Tequila-Krise in den Jahren 1994/95 beeindruckend entwickelt, schreibt Silja Voss von Deutsche Bank Research in einer aktuellen Studie. „Sowohl in bezug auf die Qualität der Wirtschaftspolitik als auch hinsichtlich der Offenheit der Wirtschaft gilt das Land inzwischen als einer der Spitzenreiter unter den Schwellenländern. Mexiko ist weltweit der drittgrößte Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen.“

Viele Indikatoren entwickeln sich in der langjährigen Betrachtung positiv: Der Tourismus wächst, der Autoabsatz brummt, der Boom am Immobilienmarkt ist ungebremst. Ein Grund dafür sind die sinkenden Zinsen.

Öl kann für Wachstum sorgen

Silja Voss rechnet damit, daß Mexiko in einigen Jahren im Öl- und Gassektor bisher ungenutztes Potential ausschöpfen kann. Sie vermutet, daß in einigen Jahren auch private Investitionen in diesem Sektor zugelassen werden.

Mexikos nachgewiesene Ölreserven sind in den vergangenen Jahren zwar gesunken, Experten vermuten aber beträchtliche Ölreserven im Golf von Mexiko. Der staatliche Erdölkonzern Pemex hat es bisher verpaßt, neue Ölfelder zu erschließen. Doch noch immer erwirtschaftet Pemex der Studie zufolge ein Drittel der staatlichen Einnahmen.

Präsidentenwahl bereitet keine Sorgen

Was auf den ersten Blick für Unsicherheit sorgen könnte, ist die Präsidentenwahl im Juli. Doch diese Wahl wird Mexiko nicht in eine Wirtschafts- und Finanzkrise stürzen, sagte Notenbankgouverneur Guillermo Ortiz jüngst im Gespräch mit der F.A.Z. Das Land sei inzwischen ökonomisch stabil genug, um eine Wechsel im höchsten Amt des Staates ohne Turbulenzen zu überstehen (siehe auch: Mexikos Notenbankchef im F.A.Z.-Gespräch).

Der Wechsel von einem festen zu einem frei schwankenden Wechselkurs der Landeswährung Peso ist geglückt. Der Notenbank ist es gelungen, die Inflationsrate auf nur noch rund drei Prozent zu drücken - das ist die geringste Rate der Geldentwertung seit mehr als drei Jahrzehnten. Auch die Schulden der öffentlichen Hand sind dank einer soliden Finanzpolitik gesunken und betragen noch rund 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Die internationalen Rating-Agenturen stufen Mexiko inzwischen als 'erstklassigen' Schuldner ein. Das ist viel wert, sollten die Zeiten einmal unsicherer werden“, sagt Ortiz.

Gut gerüstet gegen China

Deutsche Bank Research spricht dem Land für die kommenden 15 Jahre ein beachtliches Wachstumspotential zu. Die Chancen stünden gut, daß Mexiko dem Konkurrenzdruck aus Asien gewachsen ist. Vor allem die Nähe zu den Vereinigten Staaten sei ein großer Wettbewerbsvorteil. So kostet der Transport eines Containers aus Mexiko in die Vereinigten Staaten nach einer OECD-Statistik 60 Prozent weniger als von China.

„Mexiko sollte sich jedoch nicht auf dieser Position ausruhen“, heißt es in der Studie. „Im Gegenteil, die Regierung sollte mehr in Ausbildung investieren und die Liberalisierung verschiedener Infrastruktursektoren in Angriff nehmen.“ Sonst drohten negative Folgen für die Wachstumsaussichten. Ähnlich äußerte sich Notenbankgouverneur Ortiz im Gespräch mit der F.A.Z.: Grund zur Selbstzufriedenheit bestehe nicht, weitere Reformen seien nötig.

Plus 50 Prozent in einem Jahr

Anlegern bieten sich einige Möglichkeiten, auf Mexiko zu setzten. Ausschließlich auf Mexiko konzentriert sich der in Dollar denominierte Fonds „EMIF Mexico Index Plus Cap“ der Brüsseler Gesellschaft KBC Asset Management, ein Subfonds des „Europartners Multi Investment Fund“. Anfang Februar erreichte der Fonds ein neues Rekordhoch bei 444,69 Euro, am Dienstag kosteten die Anteile 437,02 Euro (Isin LU0120083331).

Der Fonds hat in den vergangenen zwölf Monaten, in Euro gerechnet, fast 50 Prozent zugelegt. Auf Sicht von drei Jahren beträgt das Plus 188 Prozent, auf Sicht von fünf Jahren immerhin noch 106 Prozent. Der Ausgabeaufschlag beträgt drei Prozent, für die Verwaltung verlangt das Management jährlich 1,5 Prozent.

Telekomwerte hoch gewichtet

Größte Position im Portfolio war Ende Dezember mit 9,4 Prozent Wal-Mart de Mexico. Die Aktie des Einzelhändlers hat sich in den vergangenen fünf Jahren um 150 Prozent verteuert. Amercia Movil, Lateinamerikas größter Mobilfunknetzbetreiber und Nummer zwei im Portfolio, hat seinen Börsenwert in den vergangenen zwölf Monaten glatt verdoppelt.

Überhaupt sind Telekomwerte mit einem Anteil von fast einem Viertel hoch gewichtet. Der größte Brocken im Portfolio ist mit einem Anteil von gut einem Drittel die Konsumgüterbranche. Finanzdienstleister machen etwa 17 Prozent aus, Industrie und Rohstoffe jeweils rund zehn Prozent. Mit diesem Portfolio ist es dem Management in den vergangenen zwölf Monaten gelungen, seinen Index MSCI Mexico zu schlagen.

Lateinamerika-Fonds mit besserer Performance

Noch besser als der genannte Fonds entwickelten sich in der Vergangenheit zwei Produkte, die sich nicht nur auf Mexiko konzentrieren, sondern auf ganz Lateinamerika setzen: der „Merrill Lynch LIIF Latin America Fonds“ (Isin LU0072463663, bewertet mit fünf S&P-Sternen) und der „Gartmore Latin America“ (Isin LU0200080918, vier S&P-Sterne).

Das Merrill-Lynch-Produkt gewinnt in Sachen Performance auf Sicht von drei und fünf Jahren. In den vergangenen Monaten entwickelte sich der Gartmore-Fonds am besten, der allerdings erst im Oktober 2004 aufgelegt wurde.

Interessante Beimischung zum Depot

Rückblickend konnte die Wertentwicklung des Merrill-Lynch-Fonds am meisten überzeugen. Dieser konnte, wie auch das Gartmore-Produkt, vor allem von der brasilianischen Hausse profitieren.

Wer in Zukunft eher an Mexiko als an Brasilien glaubt, scheint mit dem Mexiko-Fonds von KBC gut beraten. Doch der Anleger muß sich bewußt sein, daß die lateinamerikanischen Märkte sehr volatil sind - der Fonds taugt also nur als spekulative Beimischung zum Depot.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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