12.05.2006 · Der „Magyar Budapest Fund“ von Berenberg ist einer der wenigen Fonds, die sich auf Ungarn konzentrieren. Der Fonds läuft gut - doch wie lange noch, wenn die Regierung die Wirtschaftprobleme nicht in den Griff bekommt?
Mit satten Kursgewinnen hat der „Berenberg Global Opportunity - Magyar Budapest Fund“ seine Anleger in den vergangenen Jahren beglückt. Der Fonds ist einer der wenigen, die sich auf Ungarn konzentrieren, und die Performance kann sich wirklich sehen lassen: In fünf Jahren legte der Fonds mehr als 150 Prozent an Wert zu, auf Sicht von einem Jahr beträgt das Plus knapp 63 Prozent. Allein in den vergangenen vier Wochen hat der Fonds fast sieben Prozent zugelegt (Isin LU0106280752).
Die Entwicklung des Fonds hängt natürlich zusammen mit dem hervorragenden Lauf der ungarischen Börse. Seit den Parlamentswahlen im April geht es munter weiter bergauf. Die Anleger geben der neuen Regierung einen Vertrauensvorschuß.
Doch die Wirklichkeit wird die Regierung und die Finanzmärkte wieder einholen, sagen die Experten der Raiffeisenbank in Wien voraus. Die Wirtschaftsschwierigkeiten Ungarns liegen in einem Leistungsbilanzdefizit und einem ausufernden Haushaltsdefizit. Die Probleme des Landes werden sich vor allem auf die Währung und die Staatsanleihen auswirken, dürften aber auch am Aktienmarkt nicht spurlos vorübergehen.
Rating-Agenturen drohen mit Herabstufung der Bonität
Die wiedergewählte Regierung des Postkommunisten und Millionärs Ferenc Gyurcsány steht vor großen Herausforderungen. Ungarn galt lange als Musterschüler, hatte das Land doch bereits in den achtziger Jahren zaghafte Reformen gewagt und insofern einen Vorsprung gegenüber seinen einstigen „sozialistischen Bruderländern“. Doch dieser verführte offenbar zu Leichtsinn. Inzwischen ist die Volkswirtschaft derart aus den Fugen geraten, daß Rating-Agenturen mit der Herabstufung der Bonität drohen. Damit wäre die wirtschaftliche Einbahnstraße Ungarns Richtung Westeuropa zunächst am Ende.
Aus dem Musterschüler ist an den Finanzmärkten schon ein Sorgenkind geworden. Die für 2010 geplante Einführung des Euro ist zumindest gefährdet. „2010 ist für Ungarn derzeit nicht realistisch“, sagt Zsolt Papp, Analyst von ABN Amro in London. Alle anderen EU-Beitrittsländer, sogar das Nicht-EU-Mitgliedsland Rumänien, stünden derzeit wirtschaftlich besser da.
Das ist auch für den Aktienmarkt gefährlich - schließlich war es in jüngster Vergangenheit zu einem guten Teil die Konvergenzphantasie vor der Euro-Einführung, die die Kurse nach oben trieb.
Regierung kündigt Reformen an - doch werden sie auch umgesetzt?
Als die Sozialisten vor vier Jahren die bürgerliche Regierung von Viktor Orban ablösten, erfüllte der damalige neue Ministerpräsident Peter Medgyessy ein Wahlversprechen: die Verdoppelung der Gehälter der Staatsbediensteten. Seither hat die sozialistisch-liberale Regierung das Haushaltsdefizit nicht mehr im Griff. 2005 soll es auf mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sein.
In diesem Jahr rechnen Experten mit einem Defizit von bis zu zehn Prozent des immerhin um rund vier Prozent wachsenden Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nach den Maastricht-Kriterien, die zwei Jahre vor der Euro-Einführung erfüllt sein müssen, sind nur drei Prozent erlaubt. Der negative Leistungsbilanzsaldo beträgt mehr als sieben Prozent des BIP.
Der neue Ministerpräsident Gyurcsány erklärt, er nehme die Sorgen der Märkte ernst. Er kündigte unmittelbar nach den Wahlen die härtesten Reformen seit der politischen Wende an. Doch ABN-Analyst Zsolt Papp bleibt angesichts der vierjährigen Bilanz der Regierung skeptisch. „Worte von der Regierung gab es genug. Wir erwarten jetzt Taten.“ Doch Papp meldet Zweifel am politischen Willen an. Den Analysten der Raiffeisenzentralbank erscheint zudem die aus Budapest kolportierte Höhe der Einsparungen im Budget unzureichend.
Analysten sind skeptisch
Bereits seit September betragen die Leitzinsen in Ungarn unverändert sechs Prozent. Das ist das höchste Niveau in der EU. Die Notenbank, deren Präsident Zsigmond Jarai der Opposition angehört, hat sich angesichts der Defizite geweigert, die Zinsen weiter zu senken. ABN-Analyst Papp rechnet mit tendenziell sinkenden Leitzinsen. Er ist vorsichtig optimistisch, daß sich Ungarn aus dem Teufelskreis der Defizite wird befreien können. Weniger weil er der Regierung viel zutraut, sondern weil die Europäische Union einen für Ungarn heilsamen Druck auslöse.
Bis Oktober muß die Regierung der EU in einem Konvergenzbericht darlegen, wie sie die Erfüllung der Maastricht-Kriterien erreichen will. Bislang erfüllt Ungarn nicht ein einziges. Sollte der Konvergenzbericht die EU nicht überzeugen, könnte die Gemeinschaft Gelder aus den EU-Strukturfonds zurückhalten. Das wird die Regierung auf jeden Fall zu verhindern suchen.
Besonders skeptisch sind indes die Analysten von Goldman Sachs. Sie trauen keiner politischen Kraft in Ungarn zu, vor den Regionalwahlen im Herbst einschneidende Reformen durchzusetzen. Die EU werde dann die Strukturmittel sperren, lautet die Prognose. Zudem drohe die anstehende Neuberufung des Notenbankpräsidenten im kommenden Jahr zu einem politischen Kuhhandel zu werden, der die Währung weiter beschädigt. Goldman Sachs sagt daher in sechs Monaten Forint-Kurse von mehr als 280 Forint je Euro voraus.
Anleger sollten auch Investment in den Index in Betracht ziehen
Was bedeutet das alles für den Ungarn-Fonds? Zum einen hätte ein schwacher Forint für Anleger im Euro-Raum Währungsverluste zur Folge. Zum anderen werden Ungarns Unternehmen gebremst, wenn sich die Euro-Einführung verzögert. Bisher ist der ungarische Markt noch verhältnismäßig attraktiv bewertet: Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2006 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des HTX bei 12,3 - damit gehört der ungarische Markt zu den günstigsten in Osteuropa.
Der Fonds hat zwar ungarische Aktien als Anlageziel, kann aber auch in andere osteuropäische Aktien, Fonds und Zertifikate investieren. So sind unter den zehn größten Werten im Fonds gleich fünf Indexzertifikate: Vier lauten auf den HTX (Emittenten: HVB, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank), eines auf den russischen RDX (Emittent: Raiffeisen Centrobank). Hier drängen sich natürlich zwei Fragen auf: Warum soll ein Anleger in einen Fonds investieren, der Index-Zertifikate im Portfolio hat? Da könnte er gleich in den Index investieren. Und warum hält die der Fonds verschiedene Zertifikate, die den gleichen Index abbilden?
Alles in allem bietet der ungarische Markt auch in Zukunft Chancen auf eine überdurchschnittliche Performance. Doch die Risiken sind größer geworden, vor allem wegen der enttäuschenden Wirtschaftspolitik. Der Berenberg-Fonds liegt stabil im Aufwärtstrend. Solange der Markt nicht einbricht, wird er weiter gute Ergebnisse liefern. Doch wenn Anleger trotz der Warnsignale in den ungarischen Markt investieren wollen, sollten sie auch ein Index-Investment in Erwägung ziehen - das wäre jedenfalls deutlich günstiger als der Fonds mit 5,5 Prozent Ausgabeaufschlag und bis zu 1,5 Prozent Gebühren im Jahr, der einen guten Teil seiner Gelder wiederum in Index-Zertifikate steckt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |