28.04.2006 · Wer sein Geld in den vergangenen drei Jahren in China-Fonds angelegt hat, kann sich über Wertzuwächse von rund 100 Prozent freuen - allerdings bei durchschnittlichen Kursschwankungen von mehr als 20 Prozent. Die jüngste Zinserhöhung beunruhigt die Fondsmanager nicht.
Da sind sich Experten einig: China-Fonds sind etwas für mutige Anleger mit einem etwas größeren Portfolio und ein wenig Geduld. Wer diese Eigenschaften allerdings mitbringt, konnte sich in den vergangenen drei Jahren über Wertzuwächse von rund 100 Prozent freuen - allerdings bei durchschnittlichen Kursschwankungen von mehr als 20 Prozent (siehe Grafik).
Auch die am Donnerstag überraschend bekanntgegebene Zinserhöhung der chinesischen Zentralbank kann Fondsmanager nicht in ihrem Optimismus bremsen: „Die Zinsanhebung bedeutet im täglichen Leben Chinas nichts, sie hat für die chinesische Wirtschaft wenig Wirkung“, meint Thomas Gerhardt von der DWS. Die Anhebung des Zinssatzes sei eher als ein Signal zu verstehen, daß man Übertreibungen im chinesischen Wachstum vermeiden wolle. „Die Regierung hat kein Interesse daran, das Wachstum abzuwürgen - deswegen erwarten wir auch keine weiteren Zinsschritte“, sagt Gerhardt.
China-Fonds ist nicht gleich China-Fonds
Die lokalen Aktienmärkte bestätigten seine Einschätzung: Die sogenannten H-Shares, in Hongkong gehandelte chinesische Aktien, eröffneten am Freitag zwar mit einem Abschlag von 4 Prozent, beendeten den Handel aber nur ein halbes Prozent im Minus. Die lokalen chinesischen Aktien - die sogenannten A-Shares - verbuchten am Freitag sogar ein Plus. Mindestens bis zur Olympiade, so glaubt Gerhardt, wird die chinesische Wirtschaft weiter wachsen - davon sollten dann auch die Fonds profitieren können.
Nun ist China-Fonds nicht gleich China-Fonds: Anleger können entweder reinrassige Volksrepublik-China-Fonds wählen oder aber Fonds, die neben Hongkong auch in Taiwan investieren. Diese sogenannten „Greater China-Fonds“ sind aufgrund ihres größeren und flexibleren Universums für die meisten Anleger die bessere Wahl, sagt Björn Drescher von Drescher & Cie.
„China ist eine langfristige Wachstumsgeschichte“
Reine China-Fonds seien nur für Anleger zu empfehlen, die sich mit dem Thema aktiv auseinandersetzen, über ein etwas größeres Vermögen verfügen und über Ein- und Ausstiegszeitpunkte selbst entscheiden. „Für die meisten Anleger macht es Sinn, die Gewichtung chinesischer Aktien in einem Portfolio mit Schwellenlandtiteln einem Fondsmanager zu überlassen“, sagt Drescher. China sei nur ein Land unter vielen Schwellenländern, und wer sich hier nicht gut auskenne, sei mit einem Regionenfonds besser bedient.
Wer aber dennoch auf China setzen wolle, solle dieses Investment mit einem extrem langen Zeitraum versehen oder einen Sparplan wählen, der die zu erwartenden Kursschwankungen abfedere. „Den Chancen in China stehen nicht unerhebliche Risiken gegenüber - als China-Investor müssen Sie auf alle Fälle damit rechnen, daß der Wert der Fondsanteile im Zeitverlauf kräftig schwanken wird“, erklärt Drescher. „China ist eine langfristige Wachstumsgeschichte - das ist keine Frage von einem, sondern eher von fünf oder mehr Jahren. Und da die Börsen nicht linear dem Wachstumskurs einer Volkswirtschaft folgt, müssen Anleger schon mindestens fünf Jahre Zeit mitbringen“, rät Gerhardt.
Diesen Zeithorizont haben viele deutsche institutionelle Investoren derzeit offenbar nicht: „Die wenigsten institutionellen deutschen Anleger sind derzeit in China-Fonds engagiert - wenn überhaupt, dann setzen diese eher auf breite Regionenfonds“, erklärt Thomas Portig von HCM.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |